Geschichte

Der Elbsee wird stark beansprucht

Das Elbsee-Kieswerk 1970. Im Jahre 1975 musste Hilden den Elb- und den Melzelsee sowie den Dreiecksweiher an Düsseldorf abtreten. Archivfoto: Stadt
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Das Elbsee-Kieswerk 1970. Im Jahre 1975 musste Hilden den Elb- und den Melzelsee sowie den Dreiecksweiher an Düsseldorf abtreten.

Das Gewässer zwischen Hilden und Düsseldorf war sogar schon Tatort eines Mordes.

Von Christoph Schmidt

Hilden. 1975 wollten einflussreiche Kreise den Kreis Mettmann zerschlagen. Die Großstädte Düsseldorf und Solingen planten, Hilden unter sich aufzuteilen. Hilden blieb mit dem „Düsseldorf-Gesetz“ vom 1. Januar 1975 selbstständig und durfte auch den Wohnweiler Elb behalten. Und den kompletten Stadtwald, nach dem Solingen bereits seine begehrlichen Finger ausgestreckt hatte. Der „Preis“ für die Freiheit: Hilden musste den Elb- und den Menzelsee sowie den Dreiecksweiher an Düsseldorf sowie ein Gebiet nördlich der Autobahn 46 an Erkrath abtreten.

Die Stadt Düsseldorf baute am Elbsee bis Herbst 2005 Kies ab und verdiente damit gutes Geld. Seit 2010 ist der rund 80 Hektar große See Naturschutzgebiet. Der See hat keine oberirdischen Zu- oder Abflüsse und wird durch Grundwasser gespeist.

Der See ist teilweise Natur- oder Landschaftsschutzgebiet

Baden, Bootfahren, Grillen sowie Feuermachen sind am Elbsee verboten. Ein Teil des Sees ist Naturschutzgebiet, ein anderer Bereich Landschaftsschutzgebiet. Im Naturschutzgebiet dürfen die Wege nicht verlassen werden. Daher dürfen auch die Ufer oder die im Norden gelegenen Wiesen und der Wald nicht betreten werden. Im Landschaftschutzgebietes sind Bereiche freigegeben, an denen das Ufer betreten werden darf. Wer bei Verstößen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Im August 2013 ruderten zwei Hildener mit einem Schlauchboot auf die Vogelinsel im Elbsee und grillten dort. Der städtische Ordnungs- und Servicedienst Düsseldorf ließ sich von der Feuerwehr Düsseldorf zur Insel bringen und holte die beiden Camper ab. Ihr Ausflug dürfte am Ende ein teurer Spaß geworden sein.

Zwei Hildener erschlugen 1991 einen Taxifahrer

Am 27. Juli 1991 wurde ein Düsseldorfer Taxifahrer (30) zwischen Mitternacht und 5.30 Uhr am ehemaligen Wasserwerk in der Elb ermordet. Die beiden Täter waren in der Düsseldorfer Altstadt in das Taxi gestiegen und hatten sich zum alten Wasserwerk fahren lassen. Weil sie die Fahrt nicht bezahlen konnten, wollten sie den Fahrpreis prellen. Sie zogen den Fahrer aus, damit er nicht so schnell die Polizei alarmieren konnte, und schlugen dann mit einem Totschläger auf ihn ein. Ihr anschließender Fluchtversuch mit dem Taxi endete nach 600 Metern am Breidenbruch an einem Holzpfahl. Sie ließen den Wagen stehen und flüchteten zu Fuß. Nur 36 Stunden später wurden die Täter, Holger N. (24) und Frank Sch. (28) in einem Hildener Wohnheim festgenommen. Die beiden arbeitslosen Hildener gestanden die Tat. Der Hinweis kam von einem Kollegen des Ermordeten. Er hatte die beiden wenige Stunden nach der Tat am Autobahnrastplatz Ohligser Heide abgeholt, wo sie gefrühstückt hatten. Dem Taxifahrer war die blutverschmierte Kleidung der Männer aufgefallen. Holger N. und Frank Sch. wurden am 6. Februar 1993 vom Schwurgericht in Düsseldorf zu jeweils 15 Jahren Haft verurteilt. Beide wurden vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

Pfingsten 2012 springt ein 36-jähriger Pole vor den Augen seiner Frau und seines kleinen Kindes übermütig in den Elbsee. Er erleidet einen Kälteschock und geht unter. Bekannte springen hinterher, finden ihn und bringen ihn an Land. Er wird wiederbelebt. Der Familienvater stirbt jedoch wenig später in der Uni-Klinik Düsseldorf.

Das Vabali Spa ist Düsseldorfs größte Wellness-Oase

Düsseldorfs größte Wellness-Oase, das Vabali Spa liegt am Elbsee, auf den sie blicken, aber nicht drin schwimmen dürfen. Die Saunalandschaft wurde im Februar 2017 eröffnet. In den ersten beiden Jahren zählte das Vabali Spa mehr als 400 000 Besucher. Die Düsseldorfer Bezirksvertretung 8 wollte an der Einfahrt Schalbruch 2017 eine Ortseingangsbeschilderung mit der Bezeichnung „Düsseldorf“ anbringen lassen, damit Besucher wissen, dass sie in Düsseldorf und nicht etwa in Hilden sind, wie auf dem Ortseingangsschild kurz vor der Zufahrt steht. Das Vabil Spa liegt auf Düsseldorfer Stadtgebiet, die Zufahrt auf Hildener. Die Stadtverwaltung Düsseldorf lehnte ab. Stattdessen wurde die Ortsteiltafel „D-Unterbach“ aufgestellt. Seinen Namen hat der Elbsee vom benachbarten Wohnweiler Elb. Er war immer schon Bestandteil der Stadt Hilden. Viele Grundstücke im Weiler am Westring gehörten jedoch der Stadt Düsseldorf. Geheimer Regierungsrat Dr. Hermann von Krüger verkaufte 1939 150 Parzellen seines Besitzes auf Hildener Stadtgebiet für 50 000 Reichsmark an die Stadt Düsseldorf. Düsseldorf gehörten die Grundstücke, das Planungsrecht war aber bei der Stadt Hilden.

Irgendwann konnten sich beide Kommunen schließlich einigen. Als die Stadt Hilden 1991 rund 100 Aussiedler in der Elb unterbringen wollte, setzten sich die Bewohner zur Wehr und gründeten den Verein Wohnweiler Elb. 1997/98 zogen schließlich 17 kinderreiche Familien in die Elb.

Wohnweiler Elb

Der Verein sagt, er habe den Zweck, den historischen Wert des Ortsweilers Elb in Hilden zu erhalten, ihn zu pflegen und zu gestalten. Außerdem kümmere er sich um gute nachbarschaftliche Beziehungen und das Gemeinwohl aller Anwohner. Nur wer über Grundbesitz in der Elb verfügt oder dort seinen Wohnsitz hat, kann eine Vereinsmitgliedschaft mit Stimmrecht beantragen.

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