Sanierung soll 60.000 Euro kosten

Rex-Kino in Elberfeld bleibt vorerst geschlossen

Im Februar 2021 nahm das Rex an der Aktion „Kino leuchtet. Für Dich“ teil, um auf die aktuelle Lage der Kinos in der Corona-Pandemie aufmerksam zu machen. Archivfoto: Andreas Fischer
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Im Februar 2021 nahm das Rex an der Aktion „Kino leuchtet. Für Dich“ teil, um auf die aktuelle Lage der Kinos in der Corona-Pandemie aufmerksam zu machen.

Wuppertal. Baumängel am denkmalgeschützten Haus in Wuppertal sind Ursache für Betriebspause.

Von Lothar Leuschen, Timo Schusters und Katharina Rüth

Die Stadt Wuppertal schließt das Programmkino Rex am Kipdorf in Elberfeld. Das teilte Betreiber Mustafa El Messaoudi der Redaktion mit. Demnach sind Baumängel an dem denkmalgeschützten Haus die Ursache für die Betriebspause. Wie lange das Kino geschlossen bleiben muss, ist noch unklar. Die Sanierungskosten beziffern sich nach Angaben des Betreibers auf etwa 60 000 Euro.

Die Corona-Krise hat El Messaoudi mit seinen Programmkinos Rex in Elberfeld und Cinema in Oberbarmen trotz finanzieller Verluste überstanden. Nun drohen aber die nächsten Einbußen. El Messaoudi betreibt das Haus seit 2015. Nun habe eine Sachverständigenprüfung Mängel zutage gefördert, die vor sieben Jahren nicht sichtbar gewesen seien. Im Kern geht es um Stromleitungen, die nicht dem heute geforderten Standard entsprechen. „Zu 99,99 Prozent passiert da nichts. Aber es besteht natürlich immer auch ein Risiko“, sagt der Betreiber des Kinos. Deshalb werde er die Mängel auf jeden Fall beheben lassen.

Was El Messaoudi bedrückt, ist die Tatsache, dass er sein Kino schließen muss. Programmkinos sind seit jeher keine Gelddruck-Maschinen. Sie leben zum Teil davon, dass sie ab und an einen Publikumsmagneten vorführen können. In der Hauptsache sind es Enthusiasten, die Freunde des besonderen Films, die solche Kinos noch erhalten. Umso bedauerlicher findet El Messaoudi, dass sein Stammpublikum für einen noch unbestimmten Zeitraum vor verschlossenen Türen stehen müsse. Denn auch er muss sich nun in die Schlange derer einreihen, die Handwerkerleistung benötigen, sie aber mangels Angebot nicht erhalten können.

„Wir würden auf eine Demo gehen, damit das Rex nicht schließen muss!“

Domenico Rossi und Ilona Schlieper, regelmäßige Besucher

Bei der Stadt hat man grundsätzlich Verständnis für die Situation des Kinobetreibers und will ihn bei der Beseitigung der Mängel unterstützen. „Das Rex ist natürlich eine Institution, die wir erhalten wollen“, versichert Felicitas Elsner, Leiterin der Abteilung Baurecht im Ressort Bauen und Wohnen der Stadtverwaltung.

Zunächst aber seien der Stadt die Hände gebunden. Denn sie hat den Bericht eines Prüfsachverständigen erhalten, in dem „wesentliche Mängel“ aufgeführt sind, die auch nicht innerhalb einer vorgegebenen Frist beseitigt wurden. „Dann müssen wir eine Ordnungsverfügung zur Nutzungsuntersagung erlassen“, erklärt die Fachfrau.

Nach ihren Angaben handelt es sich um Mängel in drei Bereichen: bei den elektrischen Anlagen, bei den raumlufttechnischen Anlagen und bei der Rauchabzugsanlage. Unter anderem fehle bei der Raumluftanlage eine Brandschutzklappe.

Sie erklärt, dass das Kino in regelmäßigen Abständen überprüft wird – vergleichbar wie der Tüv fürs Auto. Durchgeführt werde das durch staatlich anerkannte Sachverständige. Diese stellten gegebenenfalls Mängel fest. „Wir als Behörde haben bei der Beurteilung der Mängel keine Hoheit“, betont sie. Daher hätten sie jetzt auch keinen Spielraum: „Wir können nicht die Prüfpflicht erlassen.“ Denn die Mängel seien alle sicherheitsrelevant. „Es ist am Ende keiner glücklich, wenn dann etwas passiert. Natürlich sind wir bereit, den Kinobetreiber zu begleiten“, sagt sie. Sie seien im Kontakt mit ihm, stellten Kontakte zu den Prüfern und Sachverständigen her, wollen helfen, dass „alle auf dem gleichen Stand“ sind. Wichtig sei es, gemeinsam ein tragfähiges Konzept zur Beseitigung der Mängel zu entwickeln. Wirklich glücklich machen El Messaoudi diese Angebote der Stadt Wuppertal nicht. Er hätte sich gewünscht, dass die Behörde das Kino-Gebäude grundsätzlich anders bewertet.

Das Baudenkmal ist etwa 125 Jahre alt, viele Besitzer haben dort viele Veränderungen vorgenommen und dafür verschiedene Handwerksbetriebe beauftragt. Das Haus ist mithin nicht auf dem neuesten Stand. Aber aus Sicht des Inhabers hätte der Betrieb dennoch weitergehen können. „Als wir 2015 die Betriebsgenehmigung bekamen, hat es die aktuellen Mängel doch auch schon gegeben“, sagt er.

Außerdem hätte es auch im vorigen Jahr eine Chance gegeben, die Probleme zu erkennen. „Für Juli war eine Brandschau geplant. Sie ist von der Stadt wegen Krankheit abgesagt worden. Wir haben mehrfach um einen neuen Termin gebeten, aber keinen bekommen“, erinnert der Kinobetreiber sich. Stattdessen habe er ein Gutachten nach dem anderen einreichen müssen - und viel Zeit sowie Geld verloren. Denn wegen Corona war das Kino in den vergangenen zwei Jahren phasenweise geschlossen beziehungsweise weniger ausgelastet. Am 19. März fallen in Deutschland die Pandemie-Beschränkungen. Spätestens dann beginnt in den Lichtspielhäusern wieder der Normalbetrieb. Im Rex am Kipdorf in Elberfeld allerdings nicht.

„Die Schließung wird ein großer Verlust sein“, sind sich Petra Wassill und Klaus-Joachim Börnke, die das Rex bisher regelmäßig besucht haben. Sie schätzen die familiäre Atmosphäre und die Programmauswahl: „Das Rex ist ein Treffpunkt für kulturelle Events.“ Auch Ines Bräuninger weiß das Rex zu schätzen: „Gute Plätze, ein rücksichtsvolles Publikum – und das Popcorn ist lecker“, sagt sie wehmütig.

Bereits seit den 70er Jahren besuchten Domenico Rossi und Ilona Schlieper das Rex. „Es ist eine Institution mit sehr viel Liebe zum Detail. Wir würden auf eine Demo gehen, damit das Rex nicht schließen muss!“

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