Ausstellung

Düsseldorfer Museum präsentiert das Auto als Design-Objekt

+
Barbara Wolf und Rubens Hammer schauen sich einen Mercedes-Benz 300 SL Coupé, Baujahr 1954 (drei Liter Hubraum, 215 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 225 km/h) an.

DÜSSELDORF Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast präsentiert das Auto als Design-Objekt. Die Gäste der Ausstellung sind glücklich.

Von Helga Meister

Ausstellungsräume sind heilige Räume. Im Kunstpalast defilieren normalerweise Besucher an Werken von Cranach, Rembrandt oder Zero vorbei. Pro Bild blicken sie höchstens eine Minute auf. Doch derzeit ist alles anders. Sie beugen und knien sich, recken und strecken sich, um die Rennwagen wie Kultobjekte zu umrunden. Obwohl es nach Gummi und Geld riecht, wirken sie glücklich. Die 29 ikonischen Rennwagen verdrehen ihnen den Kopf. Wir waren auf Stippvisite im Ehrenhof.

Das Publikum

Es stammt aus allen Generationen, ist alt oder jung, reich oder arm, Enkel oder Großmütter, Vater, Sohn oder Tochter, Mutter mit Baby, Pärchen und Single. Es kommen Frauen allein, weil sie die Autos nicht den Männern überlassen wollen. Es befinden sich sehr viele Erstbesucher darunter, die noch nie im Haus waren. Seltener sind die Kunstkenner, die die Ophey-Ausstellung besuchen, um anschließend noch bei den Autos zu landen.

Die Käufer

Der Shop ist eine wahre Fundgrube für die Besucher. Stapelweise Spielautos werden abgeschleppt. Autos als Flaschenöffner, Dekomotiv, Puzzle, Rätsel und Lektüre. Besonders beliebt sind farbige Kunststoffautos, aus denen der Zipfel eines Luftballons herausragt. Bläst man den Ballon auf, so fährt das Auto. Die Kassiererin freut es, denn der Shop ist eigentlich kleiner geworden. Nach Meinung der Käufer allerdings viel besser als früher. Und er liegt jetzt am Ein- und Ausgang. Jedermann muss an ihm vorbei. Vor dem Eintritt in die Ausstellung reservieren sich die Kunden schon die ersten Geschenke.

Die Fotografen

Es wird geknipst wie der Teufel. Endlich mal eine Schau, wo man das darf. Die Säle sind allerdings recht dunkel, um die ikonischen Autos ins rechte Licht zu bringen. Prompt bringen die Gäste ganze Rucksack-Ladungen mit Stativen, Blenden und diversen Kameras mit. Natürlich murren sie, wenn sie das Gepäck an der Garderobe lassen müssen. Einfacher haben es die Handy-Besitzer. Sie dürfen fast alles tun und lassen, was sie wollen.

Der Senior

Heinz Marius steht neben einem alten Alpha, reagiert auf den Overkill seines aktuellen Autos und sehnt sich in die 1950er Jahre zurück. Er sagt: „Wenn ich heute in meiner Klimbimkiste sitze, wo alles elektronisch ist, was ich gar nicht verstehen kann, möchte ich am liebsten einen schönen Oldtimer kaufen. Möglichst einen mit Zwischengas, denn früher waren die Autos ja nicht voll synchronisiert. Man musste den Schalthebel rausziehen, durchkuppeln, Gas geben, durchschalten und wieder Gas geben. Ich konnte den VW-Käfer wie im Schlaf fahren. Als Schüler hatte ich das Buch Neues Universum bekommen. Da wurde beschrieben, wie ein Auto gefahren, geschaltet und gekuppelt wird. Ich habe mir selber aus alten Federn und Scharnieren Pedale gemacht, das Ding lag dann auf Brettern vor mir auf dem Sofa und ich habe geübt: Gas geben. Bremsen. Der Fahrlehrer sagte: ‚Da sieht man, wer schon schwarz gefahren ist.‘“

Die Seniorin

Rita Otto hat eine Art-Card, geht in alle Ausstellungen und war keineswegs enttäuscht, statt Kunst Autos zu sehen. Sie sagt: „Was haben die Leute früher für schöne Autos gebaut. Ich könnte mir das nicht leisten, aber ich freue mich über diese Hingucker. Es ist kein Sakrileg, Autos auszustellen. Es ist Kunst. Es ist Schönheit.“

Das Kind

Rubens Hammer ist zwölf Jahre alt. Er äußert sich begeistert über das Flügelauto, bewundert den roten Innenraum, die silbernen Radkappen und vergleicht die Türen, die heute viel tiefer enden. „Hier müsste man eigentlich hochsteigen, um reinzukommen“, sagt er. Der Vater freut sich über den kleinen Schlaumeier. Sie hätten am vergangenen Montag zusammen einen Porsche Carrera GTS gekauft, und der Sohn wusste von technischen Dingen, von denen er noch nie etwas gehört habe. „Bilder würde sich Rubens nicht angucken. Aber Autos sind spannend.“

Der Ingenieur

Christian Greis kommt mit der 15-jährigen Tochter Anne. Er ist Ingenieur bei einer großen Autobaufirma. Für ihn geht es um Funktion und Formgebung. Er sagt: „Wir Ingenieure müssen dafür sorgen, dass die Gestaltung stimmt. Zu 80 bis fast 90 Prozent ist das Design ausschlaggebend für den Kauf. Das Auto muss toll aussehen. Aber das Design muss auch die Funktionen aushalten, die Aerodynamik, den Auftrieb, die Sicherheitssysteme. All diese Aufgaben, die aus der Technik kommen, müssen mit dem Design vereinbar sein.“ Beim Gang durch die Ausstellung erklärt der Vater, warum etwas sein muss, und die Tochter urteilt, ob es optisch gut gelöst ist oder nicht.

Die Großmutter

Sie hat ihren Enkel Julian aus Leipzig zu Besuch und ein ganzes Veranstaltungsprogramm zusammengestellt. Die Autoschau ist der große Favorit. Julian revanchiert sich: „Die Beleuchtung der Autos ist perfekt. Man kann alle Details gut erkennen.“

MUSEUM + SCHAU

MUSEUM Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, Düsseldorf

KONTAKT Tel. (02 11) 56 64 21 00, Mail: info@smkp.de

GEÖFFNET Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, langer Donnerstag: 11 bis 21 Uhr

SCHAU: „PS: Ich liebe Dich. Sportwagen-Design der 1950er bis 1970er Jahre“ läuft noch bis zum 10. Februar.

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen gibt es immer donnerstags um 18 Uhr und samstags um 14 Uhr.

TICKETS Karten für die Schau und die Führungen gibt es auch online.

www.smkp.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Autofahrer durch herabfallenden Ast schwer verletzt
Rekordherbst am Flughafen: Ist Flugscham ein Thema?
Rekordherbst am Flughafen: Ist Flugscham ein Thema?
Einige "Erstis" benehmen sich daneben
Einige "Erstis" benehmen sich daneben
Brand in Gebäude-Anbau: Polizei geht von Brandstiftung aus
Brand in Gebäude-Anbau: Polizei geht von Brandstiftung aus

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren