Nach dem Starkregen

Staugefahr: Morsbach wird vom Unrat befreit

Holz, Äste und entwurzelte Bäume hindern den Durchfluss des Morsbachs in Gockelshütte. Foto: Norbert Schmitz
+
Holz, Äste und entwurzelte Bäume hindern den Durchfluss des Morsbachs in Gockelshütte.

Nach dem Hochwasser gibt es in der Tallage viel zu tun – Wupperverband schickt Bagger nach Gockelshütte

Remscheid/Solingen. Die Schäden des Starkregens vom 14. Juli an Häusern und Natur werden noch lange sichtbar sein. Sie finden sich auch da wieder, wo die Flut ihren Ausgang nahm. In Remscheid hat sich der Morsbach zwar längst wieder beruhigt, aber an einigen Stellen ist der Durchfluss durch abgebrochene Bäume, Äste und Holzteile so verstopft, dass der Bach beim nächsten richtigen Guss wieder über die Ufer treten könnte. So wie in Gockelshütte, wo der CDU-Ratsherr Norbert Schmitz eine solche Gefahrenstelle entdeckte.

Schmitz, auch Vorsitzender des Vereins Die Morsbacher, ist oft in der schwer getroffenen Tallage und hat die vielen problematischen Stellen in Bildern dokumentiert. „Eigentlich hätte hier direkt nach dem Unwetter ein Krisenstab durchmarschieren und Maßnahmen ergreifen müssen. Das ist nicht geschehen“, sagt Schmitz: „Dass jetzt gehandelt wird, kommt viel zu spät.“

Wupperverband wird in Gockelshütte aktiv

In Gockelshütte wird der Wupperverband nun aktiv. Zuvor hatte Norbert Schmitz seinen Parteikollegen Bernd Quinting informiert. Der kontaktierte Anfang der Woche als Mitglied des Verbandsrates des Wupperverbandes dessen Vorstand. Georg Wulf versprach Abhilfe und einen Bagger rauszuschicken, um den Bach an der Stelle von Unrat zu befreien. Quinting nahm es mit Erleichterung auf: „Bei erneutem Starkregen würde sich das Wasser sonst aufstauen.“

„Eigentlich hätte hier direkt nach dem Unwetter ein Krisenstab Maßnahmen ergreifen müssen.“

Norbert Schmitz, CDU-Ratsherr

In einer internen Aufarbeitung der Ereignisse hatte der schwer in die Kritik geratene Wupperverband Anfang August das Fazit gezogen, dass die Regenmengen zwischen 120 und 160 mm oder Litern pro Quadratmeter flächendeckend weit über den vom Deutschen Wetterdienst genannten lokalen Regenspitzen gelegen hätten. Der Wasserzulauf in die Wupper-Talsperre hätte nach einer ersten Einschätzung in der Spitze bis zu 230 Kubikmeter pro Sekunde erreicht.

Damit lag der Zufluss bei mehr als dem Dreifachen des bisherigen Spitzenwerts (70 Kubikmeter pro Stunde). Die Wupper-Talsperre ist für ein Hochwasser so konstruiert, dass eine Zuflussmenge von 168 Kubikmetern pro Sekunde ohne Probleme hätte abgeführt werden können. Der Wupperverband will jetzt in vielerlei Hinsicht Konsequenzen ziehen.

Stauinhalt der Wupper- und Bevertalsperre wird gesenkt

Kurzfristig soll der Stauinhalt der Wupper- und Bevertalsperre gesenkt werden. So sei in der Wupper-Talsperre momentan ein freier Stauraum von rund fünf Millionen Kubikmetern geschaffen worden, stellt der Wupperverband fest. Bei den Nebengewässern der Wupper will der Verband die von Anwohnern vermisste „bauliche Hochwasservorsorge“ verstärkt angehen. Weil aber an einigen neuralgischen Punkten diese Vorsorge nicht möglich sei, will der Wupperverband mit den Kommunen Konzepte zum Rückhalt von Niederschlägen in der Fläche entwickeln und umsetzen.

Darüber hinaus plant der Verband, die Verfügbarkeit von Pegeln zu verbessern, um Ausfälle bei Hochwasser künftig zu vermeiden. Nachholbedarf sieht er bei den Vorwarnungen. Der Automatisierungsgrad müsse erhöht, die Informationen eindeutiger sein, damit es später zu keinen Missverständnissen oder Interpretationsspielräumen bei den Empfängern der Meldungen käme.

Der Verband will Abläufe verbessern, diese mit den Beteiligten üben. Der Adressatenkreis der Katastrophenmeldungen sei so zu erweitern, dass die Betroffenen rechtzeitig alarmiert werden. Die gutachterliche Aufarbeitung des Hochwassers und seiner Schäden ist in einer Sondersitzung des Verbandsrates am 26. Juli in die Wege geleitet worden mit der Maßgabe zeitnaher Umsetzung.

Alle 10 000 Jahre

Der Hochwasserfall ist beim Wupperverband mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit „alle 10 000 Jahre“ so festgelegt, dass ein Zufluss von 168 Kubikmetern pro Sekunde problemlos abgeführt werden kann. Am 14. Juli lag dieser in der Spitze bei 230 Kubikmetern, die Abgabe aus der Sperre bei max. 190 Kubikmetern.

Lüttringhauser bringt Räder ins Flutgebiet.

Hochwasserkatastrophe: Helfer befürchten harten Winter an der Ahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare