Vorbereitung

So bereitet sich die Feuerwehr in Remscheid auf einen möglichen Stromausfall vor

Bei Stromausfall ist die Versorgung Auf dem Knapp gewährleistet: Die Berufsfeuerwehr mit ihren Notstromaggregaten.
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Bei Stromausfall ist die Versorgung Auf dem Knapp gewährleistet: Die Berufsfeuerwehr mit ihren Notstromaggregaten.

Mehr Personal, 13 Anlaufstellen für Notrufe: Feuerwehr wappnet sich für mehrtägigen Stromausfall.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Wenn gar nichts mehr geht, sollen sie leuchten: 13 Leuchttürme im Stadtgebiet. So nennt Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan Gebäude, in denen Bürger Notrufe absetzen können – ein passendes Bild, denn diese Notfallanlaufstellen sind für ein Szenario gedacht, in dem die Stadt sonst dunkel ist: ein mehrtägiger Stromausfall, ein sogenannter Blackout.

Diese 13 Orte sind nur eine der Ideen, die Eul-Jordan in den neuen städtischen Krisenstab Energie einbringen wird. Ihm obliegt es, Lösungen im Bereich des Zivilschutzes zu erarbeiten. Eine der drängendsten Fragen: Wie erreichen Feuerwehr und Rettungsdienst Notrufe, wenn es keinen Strom mehr gibt? Die Lösung, die auch andere Städte zuletzt schon präsentierten, sollen über das Stadtgebiet verteilte Anlaufstellen sein. Erneut wird dafür der Begriff der Leuchttürme genutzt. Nun also 13 Anlaufstellen für den Fall eines Blackouts.

„Zum einen werden das die sieben Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr sein“, skizziert Eul-Jordan den bisher bekannten Teil des Plans, „darüber hinaus schweben mir sechs weitere Gebäude vor.“ Einige Verwaltungsgebäude hat er bereits im Blick – abgestimmt wird das bei der kommenden Krisenstabssitzung. Die Leuchttürme im Blackout-Szenario sind übrigens nicht identisch mit den Wärmestuben, die die Stadt einrichten will. Nur in Einzelfällen könne es Überschneidungen geben.

Eul-Jordan und die Feuerwehr sind auf dem Weg, einen kompletten Blackout-Notfallplan zu erarbeiten. Der soll den Ernstfall vorbereiten, wenn die Stadt tatsächlich mal mehrere Tage ohne Strom sein sollte. Eine bislang nicht ausgearbeitete Frage ist: Wann wird der Notablauf aktiviert, nach fünf Minuten oder zwei Stunden Stromausfall? Die Stadtwerke sind angebunden, berichtet Eul-Jordan: Sollte der Ernstfall eintreffen und eine schnelle Wiederherstellung der Versorgung nicht in Sicht sein, werde der Krisenstab informiert.

Die Bereiche, die mitgedacht werden, sind umfassend. Bereits jetzt werden Dienstpläne für den Ernstfall geschrieben, die die Truppenstärke der Berufsfeuerwehr verdoppeln und auf 12- statt 24-Stunden-Schichten umschalten. Schließlich würden die Feuerwehrleute, so die Einschätzung, im Blackout-Szenario einen erhöhten Bedarf haben, auch zu Hause mal nach dem Rechten zu sehen. Die Liegenschaften der Freiwilligen Feuerwehr würden als Leuchttürme dauerhaft besetzt sein. Dort sollen permanent Rettungswagen stationiert werden, um Tempo trotz verzögerter Notrufaufnahmen zu garantieren – Hilfsfristen würden ohnehin gerissen.

Die Feuerwache auf dem Knapp versorgt derweil ein Notstromaggregat, das den Betrieb problemlos eine Woche sicherstellen kann. „Der Flaschenhals hierbei ist der Treibstoff“, sagt Eul-Jordan. In anderen Bereichen kann besser gebunkert werden: Medikamente und Verbrauchsmaterialien sind auf Lager längst verdoppelt – eine Lehre aus den Lieferkettenproblemen der jüngeren Vergangenheit.

Die Feuerwehr geht also keineswegs unvorbereitet in die aktuellen Planungen. Den ersten Schub für einen erhöhten Fokus auf Katastrophenschutz hat die Flutkatastrophe geliefert. Eul-Jordan betont, dass das wichtigste aber erst einmal sei, „dass die Bevölkerung das Thema für voll nimmt, und zwar ohne, dass wir mit der Angstkeule schwingen“. Er appelliert abermals, dass sich die Remscheider eingehend und ernsthaft mit Vorsorgemaßnahmen beschäftigen. Denn bei einem Blackout komme es vor allem auf die Gesellschaft selbst an. „Wenn man jetzt die 112 wählt, hat man ein All-inclusive-Paket“, beschreibt es Eul-Jordan. Das sei im Notfall nicht zu gewährleisten: Dann wird klar priorisiert – bei deutlich erhöhtem Einsatzaufkommen.

Im Notfall sei Zusammenhalt das wichtigste Mittel

Eul-Jordan nennt als Schlagworte Patienten, die zu Hause beatmet werden; ältere Menschen, deren Sturzgefahr in dunklen Wohnungen steigt; Feuerstellenbaumeister in den eigenen vier Wänden; Pflegedienste, die wohl nicht mehr alle Patienten würden so versorgen können wie gewohnt. Daher klinge „Hilfe zur Selbsthilfe“ zwar abgedroschen, sei aber die allerwichtigste Maßnahme. „Wir müssen dafür ein Bewusstsein schaffen“, benennt der Feuerwehrchef die schwierigste Aufgabe, die fernab von Leuchttürmen oder Materialbeschaffung liege. Familien und Nachbarn müssten füreinander da sein.

Krisenstab

Der Krisenstab Ukraine ist inzwischen eine Koordinierungsgruppe, weil sich der städtische Krisenstab nunmehr der Thematik Energie widmet. Zu den vier Arbeitsgruppen gehört die Daseinsvorsorge, die auch im vorherigen Krisenstab Thema war: Die Gruppe baut also auf dort erarbeitete Ergebnisse auf. Die erste Sitzung fand am 28. September statt, am 19. Oktober tagt der Stab erneut in großer Runde. Die vier Arbeitsgruppen erarbeiten im Vorfeld Lösungen, im Krisenstab werden dann Entscheidungen getroffen.

Standpunkt von Timo Lemmer: Keine Gratwanderung

timo.lemmer@rga.de

Wie viel ist zu viel, ab wann wird Vorwarnen zur Panikmache? Funktionsträger der Stadt sehen sich mit dieser Frage konfrontiert: In allen Bereichen bereitet man sich darauf vor, dass es zu flächendeckenden, tagelangen Stromausfällen kommen könnte – und bearbeitet die Frage, wie dann die öffentliche Ordnung sichergestellt werden kann.

Bis dato undenkbare Situationen sind denkbar geworden. Ein flächendeckender Stromausfall ist Experten zufolge weiter unwahrscheinlich, aber eben nicht mehr ausgeschlossen. Das bringt das Problem mit sich, die Menschen auf das Undenkbare vorbereiten zu müssen. Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan untermauert, dass es in einer Notsituation mit über 72 oder mehr Stunden ohne Strom auf Selbsthilfe ankommen muss, weil Rettungskräfte priorisieren müssen. Daher wird gewarnt, gewarnt, gewarnt – weil es anders nicht geht.

Eine Gratwanderung? Vielmehr die Pflicht der Verantwortungsträger.

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