Werkzeugmuseum

Schwertschmied lieferte dem Kanzler einen Degen

Eberhard Paffenhof an seinem Schmiedehammer im Jahr 1989. Viele Tausend Klingen verließen seine Schmiede im Morsbachtal. Foto: Günther Konrad
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Eberhard Paffenhof an seinem Schmiedehammer im Jahr 1989. Viele Tausend Klingen verließen seine Schmiede im Morsbachtal.

Eberhard Paffenhof war einer der letzten seiner Zunft – dem Deutschen Werkzeugmuseum machte er ein besonderes Geschenk.

Von Axel Richter

Remscheid. Er schmiedete Klingen für den ägyptischen Präsidenten Anwar al Sadat, für schlagende Studentenverbindungen und Olympiafechter: Eberhard Paffenhof (82) war einer der letzten und besten Schwertschmiede des Bergischen Landes. Dem Deutschen Werkzeugmuseum in Hasten hat er nun ein besonderes Geschenk gemacht.

Viele Hundert Degen-, Florett- und Säbelklingen verließen in den 70er, 80er und 90er Jahren seine Schmiede am Gockelshammer. Das Handwerk hatte Eberhard Paffenhof von seinem Vater und Großvater erlernt. Die Paffenhofs schmiedeten Holzschnitzwerkzeuge für Bildhauer. 1972 übernahm Sohn Eberhard die Firma Wedi-Klingen in Solingen und spezialisierte sich auf die Herstellung von Klingen für Sportwaffen.

„Eberhard Paffenhof hat viel für seine Heimatstadt geleistet.“
Wilfried Milz

Oft kamen Schulklassen zum letzten Schwertschmied ins Morsbachtal und verfolgten, wie aus einem Stück Stahl unter dem Hammer eine 130 Zentimeter lange Klinge entstand. 1980 kam auch der RGA auf Besuch beim Klingenschmied vom Gockelshammer und die Reporterin geriet ins Schwärmen: „Das Feuer glüht, die Funken stieben“, schrieb sie: „Im Schein der roten Glut das konzentrierte Gesicht von Eberhard Paffenhof, landauf landab der einzige Vertreter eines Handwerks mit Seltenheitswert.“

Die Degen aus Paffenhofs Schmiede sollen in Sonderausstellungen zu sehen sein.

Tatsächlich wurden die allermeisten Klingen damals schon gewalzt und nicht mehr unter den Schlägen des Federhammers geformt. Doch Meister Paffenhof musste die Konkurrenz nicht fürchten.

Vor allem Burschenschaftler wussten die Fertigkeiten des Schmieds in Remscheid bald zu schätzen. Studenten in Marburg, Heidelberg, München und anderen klassischen Universitätsstädten kreuzten die Klingen aus dem Morsbachtal zur Mensur und dürften in dem ein oder anderen Studentengesicht den in Verbindungskreisen mit Stolz getragenen Schmiss hinterlassen haben.

Ein besonderes Stück trat mit Bundeskanzler Helmut Schmidt die Reise in den Nahen Osten an. Auf der Suche nach einem Gastgeschenk für den später bei einem Attentat ermordeten ägyptischen Präsidenten Asad war das Kanzleramt im Morsbachtal fündig geworden. Auf Staatsbesuch in Kairo überreichte Schmidt danach einen Säbel aus Paffenhofs Schmiede.

Heute, mit 82 Jahren, steht der letzte Schwertschmied, der sich seit seiner Jugend zudem in der Freiwilligen Feuerwehr Morsbach engagierte, nicht mehr an Esse und Amboss. Eine Auswahl seiner Schmiedekunst aber soll absehbar im Deutschen Werkzeugmuseum zu sehen sein. Zur Wiederöffnung nach der Corona-Zwangspause ließ Meister Paffenhof dem Haus einige seiner Degen zukommen. Museumsleiter Dr. Andreas Wallbrecht freut sich. Die blanken Waffen sollen bei späteren Sonderausstellungen zu sehen sein.

Eberhard Paffenhof zählt zu denen, die den Namen Remscheid als Werkzeugstadt in alle Welt getragen haben. „Er hat viel für seine Heimatstadt geleistet“, sagt Wilfried Milz, der den Paffenhofs seit langer Zeit verbunden ist. Für den heutigen Samstag hat er deshalb eine kleine Überraschung vorbereitet.

Eberhard und Reinhilde Paffenhof sind heute seit 50 Jahren verheiratet. Weil die große Goldhochzeitfeier in Corona-Zeiten ausfallen muss, haben sich die Nachbarn und Verwandten im Garten verabredet. Für ein Ständchen und auf ein Glas Sekt für einen der letzten seiner Zunft.

Geschichte

Das Bergische Land ist seit dem Mittelalter für seine Klingen bekannt. Das gilt insbesondere für die Stadt Solingen. Die Remscheider Unternehmen, die aus den Hämmern und Kotten hervorgingen, konzentrierten sich später stärker auf die Werkzeugindustrie.

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