Uni-Vortrag

Klimaforscher spricht unbequeme Wahrheiten aus

Prof. Dr. Ralf Koppmann in seinem Labor am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung. Am kommenden Donnerstag spricht erklärt er in Lennep den Klimawandel, seine Zusammenhänge und Folgen. Foto: Axel Richter
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Prof. Dr. Ralf Koppmann in seinem Labor am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung. Am kommenden Donnerstag spricht erklärt er in Lennep den Klimawandel, seine Zusammenhänge und Folgen.

Vortrag von Prof. Dr. Ralf Koppmann über E-Mobilität, den Klimawandel und die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas.

Von Axel Richter

Remscheid. Er würde dem Kriegsherrn im Kreml nur zu gern den Öl- und Gashahn zudrehen. Und das nicht nur, damit Wladimir Putin keine weiteren Abermillionen Euro aus Deutschland erhält. Prof. Dr. Ralf Koppmann ist Atmosphärenforscher. Er weiß, was die Verbrennung fossiler Brennstoffe mit dem Klima unseres Planeten macht. Doch der Wissenschaftler ist Realist. Ein Verzicht auf die Brennstoffe aus Russland „ist nicht ansatzweise durchführbar“, sagt er. Nicht mit Blick auf die deutschen Unternehmen, die damit produzieren. Und nicht mit Blick auf die Millionen Haushalte, die damit heizen. „Ja, wir müssen weg vom Öl, vom Benzin und vom Gas“, sagt Ralf Koppmann. „Aber wir werden noch lange darauf angewiesen sein.“

Was das auch vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine bedeutet, erklärt der Chef des Instituts für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal am Donnerstag, 31. März, in der Klosterkirche in Remscheid-Lennep.

Aus Messreihen in aller Welt – am Boden, auf Schiffen, mit Zeppelinen, Flugzeugen, Raketen und Satelliten – weiß Ralf Koppmann, wie dramatisch sich das Klima verändert hat. Insbesondere durch den hohen CO2-Ausstoß. „Trotzdem werde ich in meinem Vortrag nicht in die schrillen Töne der radikalen Klimaaktivisten einstimmen“, sagt er, denn: „So einfach, wie viele glauben, ist das alles nicht.“

Neue Mobilität bedeutet neue Abhängigkeiten

Wer annimmt, das Klima sei mit E-Fahrzeugen zu retten, dürften an den Zahlen und Fakten des Wissenschaftlers deshalb keinen Gefallen finden. „Sie können zehn Millionen E-Autos anstelle von Verbrennern auf die Straßen bringen. Wenn Sie zugleich den Strommix nicht ändern, nutzt das allein gar nichts.“
Auch in der Serie „Natürlich nachhaltig“ dreht sich alles um den Klimawandel im Bergischen. Alle Teile finden Sie hier.

Im Gegenteil: Die Produktion der E-Mobile ist energieintensiv, die Rohstoffe selten und nur in Ländern zu bekommen, die Menschenrechte mit Füßen treten. „Darüber hinaus begeben wir uns in neue Abhängigkeit“, sagt Koppmann. Fazit: Was die Ökobilanz angeht, könne der viel geschmähte Euro 6 Diesel auf den ersten 100 000 Kilometern mit dem E-Mobil locker mithalten.

Ist das Klima überhaupt noch zu retten? „Ich bin skeptisch“, sagt Ralf Koppmann. Als sechstgrößter Emittent sollte Deutschland beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen, findet er. Die Herausforderung an die Zukunft sei die Anpassung an die bevorstehenden Veränderungen. „Hier ist das noch einfach“, schätzt der Professor. Die reichen Nationen verfügen über Technologien und Geld. Andere nicht.

Was das bedeutet? Rund um den Tschadsee leben 40 Millionen Menschen. Der Tschadsee trocknet aus. „Die Menschen werden sich auf den Weg machen“, sagt Ralf Koppmann. Die Flüchtlingsbewegungen, die wir heute erleben, erscheinen dagegen harmlos.

Menschengemachte Einflüsse auf den Klimawandel sollen aus 200 Kilometern Höhe gesucht werden

Um die physikalischen Veränderungen in der Erdatmosphäre zu verstehen, war der Klimaforscher vom Grifflenberg auf dem Forschungsschiff Polarstern im Südatlantik unterwegs. In Afrika spürte er den Folgen von Savannenbränden nach. Und rund um den Globus schickte er hochsensible Messgeräte im Forschungsflugzeug Halo in die dünne Luft der Stratosphäre, um dort nach den Spurengasen fossiler Brennstoffe zu suchen. Noch höher hinaus soll es Ende dieses Jahres gehen. Mit einer indischen Trägerrakete wollen Koppmann und sein 25 Köpfe zählendes Team dann hochsensible Messgeräte aus Wuppertal ins All schießen, um aus einer Höhe von bis zu 200 Kilometern neben den menschengemachten auch nach den natürlichen Einflüssen auf das Klima zu suchen. Die gibt es auch, das verschweigt der Wissenschaftler nicht. Allerdings überlagen die menschengemachten Einflüsse die natürlichen bei weitem.
An der Uni Wuppertal erforscht auch ein Atmosphärenforscher den Klimawandel

Kennt er einen Ausweg aus der Misere, auf die der Planet zusteuert? Die einzige Lösung liege im raschen Ausbau regenerativer Energien, was dem Westen im Konflikt mit Russland kurzfristig aber auch nicht weiterhelfe, sagt der Professor. Die Atomkraftwerke weiter am Netz zu behalten wie es die Belgier tun, hält er dagegen weder für wünschenswert noch für realistisch. „Es gibt dafür gar nicht mehr genug Brennstäbe“, stellt Ralf Koppmann nüchtern fest. „Und woher müsste das Uran kommen, um neue Brennstäbe herzustellen? Genau. Aus Russland.“

Uni-Vorträge

Prof. Dr. Ralf Koppmann: Er forscht seit 2006 am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität. Am Donnerstag, 31. März, spricht er in der Klosterkirche, Klostergasse 8, in Remscheid-Lennep über „Klimawandel und seine Auswirkungen – Zusammenhänge verständlich erklärt“. Beginn 19 Uhr, Eintritt frei, es gilt 2G und Maskenpflicht.

Termine: Im April wird die Uni-Vortragsreihe von Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger auch in Solingen fortgesetzt. Den Anfang macht Prof. Dr. Susanne Buch zum Thema Begabungsförderung: Montag, 25. April, 19 Uhr, Gründer- und Technologiezentrum, Grünewalder Straße 29–31. Weitere Termine hier.

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