Verkaufsverbot wegen der Pandemie

Hersteller von Feuerwerk: Nico möchte Remscheider Standort halten

Durch das Verkaufsverbot von Feuerwerk wird es auch in diesem Jahr weniger farbenfroh am Himmel.
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Durch das Verkaufsverbot von Feuerwerk wird es auch in diesem Jahr weniger farbenfroh am Himmel.

Durch das Feuerwerksverbot fehlen den Herstellern das zweite Jahr in Folge die Einnahmen. Warum jetzt dennoch mehr zu tun ist als in normalen Jahren, erklärt das Unternehmen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Trotz des erneuten Feuerwerksverbots: Die Remscheider Niederlassung der Firma Nico Europe soll weiter existieren. Und mit ihr 21 Arbeitsplätze. „Wir haben letztes Jahr alle gehalten und das werden wir auch diesmal wieder schaffen“, sagt Nicolas Kandler, Prokurist des Feuerwerksherstellers. „Als mittelständisches Familienunternehmen ist es eines unserer wichtigsten Anliegen, unseren Mitarbeitern ein sicherer Arbeitgeber zu sein.“ Doch dafür benötige man staatliche Unterstützung.

Denn durch das Verbot, das die Krankenhäuser zum Jahreswechsel entlasten soll, entgeht dem drittgrößten deutschen Hersteller von Raketen und Co. das zweite Jahr in Folge nahezu das komplette Geschäft. „Wir machen 90 Prozent unseres Umsatzes mit Silvester-Feuerwerk“, erklärt Kandler. Der Rest seien Großveranstaltungen. „Aber die sind ja auch schon alle ausgefallen.“ Und auch den Werksverkauf am Firmensitz in Flügel, wo sonst an den letzten drei Tagen des Jahres die sprichwörtliche Hölle los ist, wird es wiederum nicht geben.

„Wir haben wieder ein Jahr voll durch gearbeitet für nichts.“

Nicolas Kandler, Nico Europe

Dabei schmerzen nicht nur die fehlenden Einnahmen, sondern auch zusätzliche Kosten, macht Nicolas Kandler deutlich: „Wir haben jetzt deutlich mehr zu tun, als wenn Feuerwerk erlaubt wäre.“ Die teils schon ausgelieferte Ware musste zurückgeholt und die kommissionierten Paletten abgepackt werden. Anschließend sollen die Feuerwerkskörper eingelagert werden.

Feuerwerk muss in speziellen Lagerhäusern eingelagert werden

Und zwar in speziellen Lagerhäusern. „Das ist ja Gefahrgut, das ist nicht ganz so einfach“, sagt Kandler. Allerdings würden geeignete Lagerflächen langsam knapp und damit teurer. Auch weil das Feuerwerksverbot in den Niederlanden viel früher als in Deutschland bekannt wurde – und sich holländischen Hersteller Kapazitäten im benachbarten Deutschland sicherten.

Das ist in Solingen zu Silvester erlaubt.

Die Ware, die nun wieder eingelagert wird, stammt größtenteils übrigens noch aus dem Vorjahr. Da habe man zwar, als das Verbot bekannt wurde, noch versucht, die Produktion zu stoppen, berichtet Kandler. Die meiste Ware sei aber geliefert worden. „Wir haben sehr lange Vorlaufzeiten.“ Also entschied man sich damals schon, die Feuerwerkskörper zu verwahren. „Das ist ja keine verderbliche Ware.“

Dass die Raketen nun erneut nicht zum Einsatz kommen, sei enttäuschend, gibt der Prokurist zu: „Wir haben wieder ein Jahr voll durch gearbeitet für nichts.“ Lange finanziert aus eigenen Mitteln. Denn die Überbrückungshilfen für die ausgefallene Saison seien erst vor einer Woche ausgezahlt worden. „Das ging auch nur, weil wir ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen sind“, sagt Kandler. Andere in der Branche habe es erwischt. So sei unter anderem ein Werk mit einer rund 300-jährigen Geschichte geschlossen worden: „Das ist wirklich traurig.“

Zumindest seien die nun ausgezahlten staatlichen Hilfen „in der Höhe ausreichend“, meint Nicolas Kandler. Gebe es im kommenden Jahr vergleichbare Mittel, könne das Unternehmen fortbestehen: „Davon gehen wir aus.“

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) habe entsprechende Signale aus Berlin erhalten. Und Nico-Mitbewerber Weco in Eitorf bei Bonn hatte unlängst Besuch von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, der ebenfalls Hilfe zusagte.

Rund 3000 Menschen sind nach Angaben des VPI in Deutschland in der Feuerwerksbranche beschäftigt. Nico Europe hat an seinen zwei Firmensitzen in Berlin und Remscheid zusammen rund 80 Angestellte. In Spitzenzeiten wachse die Belegschaft durch Saisonkräfte auf bis zu 150 Leute an, sagt Kandler. Normalerweise aber, um die Ware zu versenden. Und nicht, um sie wieder einzulagern.

Wegen neuerlicher Kontaktbeschränkungen und des Verkaufsverbots von Feuerwerk geht die Stadt in diesem Jahr erneut von einer ruhigen Silvesternacht aus.

Hintergrund

Die heutige Nico Europe GmbH entstand 2015 aus der Fusion der Berliner Pyro-Partner GmbH mit der Remscheider Nico-Lünig Event GmbH. Der bergische Part wiederum geht auf das 1865 in Elberfeld (heute Wuppertal) gegründete Pyrotechnische Laboratorium Carl Lippold zurück. Nico gehört zu den Gründungsmitgliedern des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI), der heute 21 Unternehmen in Deutschland vertritt.

Standpunkt: Nichts zu reagieren

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Ein Job dient im besten Fall nicht nur dem Broterwerb, sondern ist auch zumindest etwas sinnstiftend. Was es rein emotional für die Mitarbeiter von Feuerwerkherstellern bedeuten muss, die gleiche Ware, die man letztes Jahr schon nicht verkaufen durfte, nun wieder einzulagern, möchte man sich da noch nicht einmal ausmalen. Nun könnte man argumentieren, dass Corona hier nur eine ohnehin vorhandene Entwicklung beschleunigt, schließlich nahm der Umsatz der Feuerwerk-Branche schon vorher ab, allein von 2018 auf ´19 um rund elf Millionen Euro. Doch auf eine solche Entwicklung hätten die Firmen reagieren können, sie hätten sich neue Geschäftsfelder erschließen, neue Konzepte entwickeln können, Kosten reduzieren. Wenn zwei Jahre in Folge nahezu der komplette Umsatz wegbricht, ist da nicht mehr viel zu reagieren. Hier muss der Staat einspringen. Wenn schon nicht sinnstiftend, dann zumindest mit Geld und so zeitnah, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine echte Perspektive haben.

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