Für die einen Tradition, bei den anderen schon ein Notfall

Weihnachtsbaum-Kauf last minute: Wer kommt da noch auf den letzten Drücker?

Auf den letzten Metern zugeschlagen: Dennis Westmeier (r.) verkauft einen der letzten Bäume des Jahres an RGA-Fotograf Michael Schütz. Foto: tl/mis
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Auf den letzten Metern zugeschlagen: Dennis Westmeier (r.) verkauft einen der letzten Bäume des Jahres an RGA-Fotograf Michael Schütz.

Einige Wochen hatten sie nun geöffnet - jetzt sind die letzten Stunden der Weihnachtsbaum-Verkäufer angebrochen. Der RGA war zu Besuch.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Auf dem Schützenplatz kommt ein junges Pärchen an. Zielsicher geht es zu Dennis Westmeier. Ein Baum zum Fest soll es sein. „Da sind sie aber spät dran“, flachst der Weihnachtsbaumverkäufer. Nein, nein, entgegnet man ihm: Seit vier Wochen stehe ja bereits ein Weihnachtsbaum in der Wohnung – doch das Produkt der Marke Massenware habe das Ende seines Lebenszyklus unerwartet schon vor dem Fest erreicht.

Ein klassischer Fall, sagt Westmeier, der für Kira-Baum aus Radevormwald den Verkauf auf dem Schützenplatz durchführt: „Am Tag vor Weihnachten hört man oft, dass der früh gekaufte Baum schon eingegangen ist. Oft kommt der Baum irgendwo aus dem Ausland, dann rieseln in der warmen Wohnung ruckzuck die Nadeln.“

Über 100 Bäume haben wir hier am besten Tag verkauft.

Verkäufer Dennis Westmeier

Dieses Problem habe man mit den Bäumen, die hier verkauft werden, nicht: „Die legen hierher keine 20 Kilometer zurück.“ Ein Anruf bei Chef Lothar Kirschsieper in Rade, und schon kommt Nachschub auf dem Hänger. Aber nicht am Tag vor Heiligabend. Heute folgt nur der Abverkauf. Ein einsamer Tag für Westmeier: Kunden kommen gewöhnlich kaum noch. Außer, wie beschrieben, ihnen ist der Baum schon eingegangen. Oder, so Westmeier weiter, es ist eine Familientradition den Weihnachtsbaum spät zu kaufen und gemeinsam zu schmücken.

Kunden „auf den letzten Drücker“ hat auch Wolf Hasenclever – die verfahren aber in der Regel bewusst so. Der Forstwirt betreibt das Forstgut Ehringhausen in fünfter Generation. Und das ist selbst heute, am 24. Dezember, von 10 bis 17 Uhr an der Burger Straße 247 geöffnet. Viele Kunden erwartet er da aber nicht mehr: Es sind vor allem Stammkunden, die eine Familientradition daraus gemacht haben, am Heiligen Morgen einen Baum auszusuchen.

Immer wieder, wenn auch vereinzelt, würden zudem Leute kommen, „die die ganze Woche unterwegs waren, jetzt aber noch rasch einen Baum besorgen müssen“. Viel Auswahl gibt es diesmal am Ende der Verkaufsperiode nicht mehr: „Es lief hervorragend. Am letzten Wochenende mussten wir sowohl Samstag als auch Sonntag nachhauen.“

Lothar Kirschsieper betreibt elf Verkaufsstände, die meisten davon im Bergischen Land. Die zwei in Remscheid – neben dem Schützenplatz stand Kira-Baum noch auf dem Jahnplatz in Lennep – liefen gut (siehe unten). „Ob wir auch kommendes Jahr wieder auf dem Jahnplatz verkaufen können, das konnte man uns wegen des Outlets nicht sagen.“

Eine Handvoll Kunden zählt Westmeier bis mittags. Beim RGA-Besuch herrscht langanhaltende, gähnende Leere. Die verkaufsstärksten Tage sind längst rum. „Über 100 Bäume“, sagt Westmeier, seien am letzten Samstag vor Weihnachten verkauft worden. Da habe es acht Stunden keine Pause gegeben. Der Tag vor dem Fest bietet das genaue Gegenteil. Die allermeisten Remscheider, haben ihren Baum am 23. Dezember längst gekauft: Last-Minute-Käufer gibt es kaum. Dafür den ein oder anderen, der in den letzten Tagen feilschen will. Weder Hasenclever noch Westmeier lassen sich darauf ein: Zu viel Arbeit und über ein Dutzend Jahre Aufzucht stecken in einem Baum.

Westmeier selber hat auch bereits einige Tage seinen Baum stehen. „Futtern, Familie, Weihnachtsbaum“, sagt er, „diese Traditionen gehören einfach dazu.“

Hintergrund

Überbleibsel: Die Bäume, die nicht verkauft werden, werden kompostiert. Wolf Hasenclever berichtet von seinem Forstgut: In diesem Jahr gibt es nichts zu kompostieren.

Verkäufe: Nicht nur das Forstgut und Kira-Baum von Lothar Kirschsieper verzeichnen ein gutes Jahr. So vermeldete das Garten-Center Kremer in Lüttringhausen: „Ausverkauft!“ Bereits zu Wochenbeginn war mit dem Abbau begonnen worden.

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