Zukunft des Einkaufszentrums

Allee-Center in Remscheid wird für 25 Millionen Euro modernisiert - Edeka und Aldi mieten einstige Real-Fläche

Der Entwurf fürs Untergeschoss zeigt: Wo bisher Reisebüro und Tabakladen waren, sind zukünftig die Eingänge zu Edeka und Aldi. Foto: ECE
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Der Entwurf fürs Untergeschoss zeigt: Wo bisher Reisebüro und Tabakladen waren, sind zukünftig die Eingänge zu Edeka und Aldi.

Besitzerin investiert 25 Millionen Euro: Großer Umbau im Allee-Center. Das 80er-Jahre-Flair soll verschwinden. Zwei Lebensmittelmärkte ziehen ins Untergeschoss. Es gab viele Fragen zur Zukunft des Allee-Centers in Remscheid - etliche kann Center-Manager Nelson Vlijt nun beantworten.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das Allee-Center wird in den kommenden Jahren aufwendig umgebaut, die Besitzerin der Immobilie wird dafür rund 25 Millionen Euro investieren. Außerdem ist die Zukunft des Untergeschosses, in dem bis letztes Jahr der Real-Markt untergebracht war, weitgehend geklärt. Dort ziehen ein Edeka- und ein Aldi-Markt ein.

Beide Nachrichten gab Centermanager Nelson Vlijt am Mittwoch bekannt – und betonte, dass dies gleich zwei deutliche Signale für die Zukunft des Einkaufszentrums seien. „Wir wissen um die Bedeutung des Centers, es ist für viele Menschen ihr Wohnzimmer in der Innenstadt.“ So seien diese Entscheidungen wichtig für das Allee-Center und dessen Mieter, aber auch für ganz Remscheid: „Wir setzen einen Impuls für die gesamte Innenstadt.“

Gerade die beiden neuen Lebensmittelmärkte im Untergeschoss (mehr dazu unten) dürften für viele Remscheider eine lang ersehnte Neuigkeit sein. Vor bald einem Jahr, Ende Oktober 2020, hatte Real dort seine Türen geschlossen, seither war die Lebensmittelversorgung in der Innenstadt sehr übersichtlich. Erst die Eröffnung des Penny-Markts Mitte Juli hatte die Situation etwas entspannt. Auch der Handel könnte dadurch belebt werden.

Allee-Center in Remscheid: DWS-Fonds plant großen Umbau - Shoppen in neuem Ambiente

Doch Nelson Vlijt machte auch deutlich, wie dankbar er für die Entscheidung der Immobilienbesitzerin sei, kräftig ins Center zu investieren: „Das ist gerade in der jetzigen Zeit alles andere als selbstverständlich.“ Und zeige, dass auch die Eigentümerin an die Zukunft des Centers glaube. Eigentümerin des Gebäudes ist ein Immobilienfonds der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Vielen solcher offenen Immo-Fonds sind in den vergangenen Jahren angesichts niedriger Zinsen große Mengen Geld zugeflossen, die es nun zu investieren gilt.

Im Allee-Center soll das vor allem in einem völlig veränderten Erscheinungsbild geschehen, auch um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. „Es ist halt aus den 80ern“, gibt Vlijt zu bedenken. Im ganzen Center werde es einen neuen Fliesenboden geben, dazu ein neues Lichtkonzept, neue Wand- und Deckenverkleidungen, erklärt der Centermanager. Farblich sollen Naturtöne dominieren, auch in den Lounge-Bereichen, die mit verschiedenen Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen und durch Holzfliesen gekennzeichnet sind.

„Wir wissen um die Bedeutung des Centers, es ist für viele Menschen ihr Wohnzimmer in der Innenstadt.“

Centermanager Nelson Vlijt

Doch auch funktionell werde sich das Einkaufszentrum weiterentwickeln, sagt dessen Manager: Der neue Boden soll nicht nur gut aussehen, sondern auch leicht und vor allem geräuscharm mit Einkaufswagen befahrbar sein. In den Lounge-Bereichen sind Anschlüsse zum Laden von Smartphones geplant und auch das Beschilderungskonzept werde überarbeitet. „Langfristig wünsche ich mir, dass damit auch auf interessante Punkte außerhalb des Centers hingewiesen wird, das Rathaus zum Beispiel.“

Umbau des Allee-Centers: Start Anfang 2022 - so soll es im Untergeschoss bald aussehen

Dauern soll das Ganze eineinhalb bis zwei Jahre, dabei sollen die Arbeiten auf der ehemaligen Real-Fläche und die im restlichen Center parallel stattfinden. Der Start sei für Anfang 2022 geplant, „vorbehaltlich der Baugenehmigung“, wie Vlijt betont. Ein Jahr später könnten die Arbeiten dann abgeschlossen sein. Würden die Lebensmittelmärkte schneller fertig, könnten diese auch früher öffnen: „Da werden wir und auch die Mietpartner jede Chance nutzen.“

So soll das Erdgeschoss des Allee-Centers bald aussehen: Ein neuer Boden, verkleidetet Wand- und Deckenbereiche, natürliche Farbtöne, gemütliche Lounge-Bereiche, hinterleuchtete Beschilderungssystem.

Dass die Arbeiten „Konsequenzen für den Betrieb“ haben werden, also Kunden zeitweise mit Einschränkungen rechnen müssen, sei klar, räumt Nelson Vlijt ein. Wie genau die Renovierungen ablaufen werden, stehe noch nicht fest. „Da laufen derzeit die Fachplanungen.“ Zudem gebe es bereits Ausschreibungen. Man werde aber versuchen, die Besucher so gut wie möglich mitzunehmen, durch Informationen über den Fortschritt der Arbeiten, Gucklöcher und Baustellenführungen.

Nach der herausfordernden Zeit der Pandemie komme nun die spannende Zeit des Umbaus, sagt Vlijt: „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt dafür.“ Doch auch danach könne man sich nicht entspannt zurücklehnen: „Fertig sind wir ja nie.“ So suche man nach wie vor Mieter für einige leerstehende Ladenlokale.

Das gilt auch für den Teil der ehemaligen Real-Fläche, die nicht von Aldi und Edeka genutzt wird. Rund 2500 Quadratmeter würden dort noch zur Verfügung stehen, sagt Nelson Vlijt. „Darüber führen wir auch schon Gespräche.“ Unterschrieben sei jedoch nichts. Denkbar seien Anbieter aus dem Bereich Wohnen und Deko oder auch ein Spielzeughändler. „Außerdem wünschen wir uns ja nach wie vor eine Post fürs Center.“

Und auch für die Fassade des Allee-Centers hin zum Rathausplatz gebe es konkrete Konzepte für eine Modernisierung. Priorität hätten derzeit aber das Untergeschoss und die Neugestaltung der Innenbereiche. Gleich nebenan steht ebenfalls ein großer Umbau an: Für den Friedrich-Ebert-Platz und die Elberfelder Straße gibt es jetzt einen Bau- und Zeitplan.

Edeka und Aldi ersetzen den Real

Dass die rund 8000 Quadratmeter, die Real bis Ende letzten Jahres im Untergeschoss des Allee-Centers gemietet hatte, nicht nur einen neuen Mieter finden würden, war klar. Jetzt steht fest: Dort ziehen ein Markt von Aldi-Nord, rund 1600 Quadratmeter groß, und einer von Edeka mit etwa 3000 Quadratmetern ein. Was vor einigen Jahren noch nahezu undenkbar war, Supermarkt und Discounter in unmittelbarer Nachbarschaft, ist inzwischen ein bestens erprobtes Konzept, das sich in Remscheid zum Beispiel auch in Hasten oder im ehemaligen Hertie in Lennep findet.

Wie dort werden sich die beiden Lebensmittelhändler wohl auch im Allee-Center die Einkaufswagen teilen, berichtet Centermanager Nelson Vlijt. Ansonsten ist über den Betrieb der beiden Märkte bisher wenig bekannt. Zum Beispiel ob der Edeka, so wie die Märkte in Hasten und Lennep, an einen selbstständigen Händler vor Ort übergeben werden oder als Regiebetrieb geführt wird.

Am 31. Oktober 2020 hatte Real in Remscheid seinen letzten Verkaufstag. Damit endete im Allee-Center eine Ära.  Wie ist weitergeht war lange unklar. Jetzt steht fest: Edeka und Aldi Nord werden einen Großteil der bisherigen Real-Fläche mieten. 

Klar ist hingegen schon, dass der bisherige Real-Eingang für die neuen Lebensmittelmärkte nicht mehr genutzt wird. Stattdessen kommen der Edeka- und Aldi-Eingang direkt nebeneinander an die Stelle, an der sich bis vor kurzem noch das Reisebüro und der Tabakladen am Fuß der Rollsteige im Untergeschoss befanden. Dadurch ist auch der Weg zum Parkhaus kürzer.

Dazu würden die Fassaden der beiden Geschäfte zurückgebaut und die Sitzplätze des Eiscafés verlegt, erklärt Vlijt. So ergebe sich am unteren Ende der Steige eine große kreisförmige Fläche, die einen geordneten Zugang zu den beiden Märkte ermögliche. Zudem ist dort ein Lounge-Bereich wie im Erdgeschoss geplant. Einen Bäcker wird es hingegen an dieser Stelle nicht mehr geben.

Am 31. Oktober 2020 hatte Real in Remscheid seinen letzten Verkaufstag. Damit endete im Allee-Center eine Ära. Wie ist weitergeht war lange unklar. Die Versorgungslücke, die dadurch in der Stadtmitte entstand, wurde erst durch den Penny auf der Allee-Straße geschlossen. Im Frühjahr war ein Auto aus dem Parkhaus des Allee-Centers gestürzt.

Hintergrund: Das ist das Allee-Center in Remscheid

Das Allee-Center Remscheid wurde 1986 eröffnet. Mitte der 1990er Jahre und in den Jahren 2008 und 2009 wurde das Einkaufszentrum modernisiert und erweitert. Heute befinden sich dort rund 100 Ladenlokale mit zusammen etwa 30 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Zudem gibt es rund 2000 Quadratmeter Büro- und Praxisfläche und ein Parkhaus mit 950 Plätzen.

Standpunkt: Alles andere als tot

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Malls, so heißen Einkaufszentren wie das Allee-Center ja inzwischen, sind längst kein einfaches Geschäft mehr. Bei einigen kann man geradezu zugucken, wie sie in eine Abwärtsspirale geraten, bis sie irgendwann halbleer stehen. Dabei gibt es zwei untrügliche Anzeichen: Wenn sich sogenannte Ankermieter, also große Frequenzbringer, verabschieden und man keinen Ersatz findet. Und wenn Betreiber und/oder Besitzer nicht mehr bereit sind zu investieren. Beide Sorgen ist das Allee-Center nun erstmal los. Und das ist eine gute Nachricht für die Stadt, weil die City auch und vor allem vom Center getragen wird. Remscheid ist halt, trotz des ewigen Gemaules im Internet und an andere Stelle, alles andere als tot. Ein Immobilienfonds aus Frankfurt, ein Mall-Betreiber aus Hamburg und zwei Lebensmittelhändler aus Essen und Moers haben das offenbar erkannt. Jetzt müsste nur noch der eine oder andere Remscheider nachziehen.

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