Gerichtsverhandlung

Angeklagter betrügt bei Drogentests mit Penis-Attrappe

+
Vor dem Amtsgericht in Wuppertal lief eine Verhandlung gegen einen Remscheider, der unter anderem bei Verkäufen übers Internet betrogen haben soll (Archivbild).

Ein 40-jähriger Remscheider stand vor Gericht, weil er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hatte.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Ein Angeklagter aus Remscheid hat bei Drogentests in Arztpraxen eine Penis-Attrappe aus Silikon benutzt, um Mitarbeiter zu täuschen und ihnen falschen Urin unterzuschieben. Das wurde in einem Prozess gegen den Mann vor dem Amtsgericht in Wuppertal bekannt.

Der Remscheider bestätigte im Gericht: Er habe über Monate unbemerkt Amphetamin konsumiert und damit gegen Bewährungsauflagen eines Gerichts verstoßen. Der Angeklagte Anfang 40 ist vorbestraft wegen Mordversuchs und Brandstiftung bei einem Anschlag auf eine Asylbewerber-Unterkunft im September 2000 in Wuppertal-Wichlinghausen – und er hat lange Haft verbüßt.

Im aktuellen Prozess ging es um Besitz von 500 Gramm Amphetamin für Eigenkonsum und Verkauf, um weitere Drogenverstöße, Fahrten ohne Führerschein mit unversicherten Autos, Diebstahl von Autokennzeichen und Betrug bei Verkäufen über das Internet.

Begangen habe er die Taten 2019, nachdem er im Januar 2017 aus einer Entziehungsklinik entlassen worden war. Der Anwalt des Mannes bestätigte für den Angeklagten die Vorwürfe und erläuterte: „Die Zeit im Entzug war für ihn eher trist. Freude empfand er beim Konsum von Drogen und auch beim Motorradfahren.“ Der Angeklagte fügte hinzu: Er habe einige Wochen nach seiner Entlassung einen Rückfall erlitten und einen Führerschein habe er nie besessen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung soll der Mann friedlich kooperiert haben.

Laut Aussagen einer früheren Freundin soll der Remscheider 400 bis 600 Euro pro Monat übrig behalten haben. Im Hinblick auf die Internet-Betrügereien bestätigte der Angeklagte: Er habe Ware verkauft, die er nicht hatte. Er habe Geld gebraucht, aber keine Gewalt anwenden wollen.

Angeklagter verzichtete auf die Rückgabe des Gerätes

Auf die Nachfrage des Gerichtspsychiaters nach dem künstlichen Penis reagierte der Mann zunächst sichtlich peinlich berührt. Nach kurzem Zögern erläuterte er dann doch: Er habe das Zubehör im Internet bestellt – inklusive Schweineurin in einem Beutel zum Umschnallen.

Der Angeklagte bestätigte: Zum Urinieren müsse man auf einen Knopf drücken: „Dann läuft das normal raus.“ Das Gerät zum Listenpreis von 150 Euro wurde sichergestellt. Auf die Rückgabe durch das Gericht verzichtete der Angeklagte während der Verhandlung.

Die Strafe für die neuen Taten beträgt drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Bewährung ist wegen der Höhe ausgeschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ab Juni steigen die Parkgebühren
Ab Juni steigen die Parkgebühren
Polizei löst Demo in Wuppertal auf
Polizei löst Demo in Wuppertal auf
Nach Kasalla kommen jetzt Brings
Nach Kasalla kommen jetzt Brings
Greenpeace richtet Spur für Radler ein
Greenpeace richtet Spur für Radler ein

Kommentare