Bergische Universität

Rektor: „Weitergehende Pläne gibt es noch nicht“

Prof. Dr. Lambert T. Koch ist seit 2008 Rektor der Bergischen Universität Wuppertal. Archivfoto: Anna Schwartz
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Prof. Dr. Lambert T. Koch ist seit 2008 Rektor der Bergischen Universität Wuppertal.

Prof. Dr. Lambert T. Koch wird 2022 nicht mehr für eine weitere Amtszeit an der Bergischen Uni Wuppertal zur Verfügung stehen.

Das Gespräch führte Katharina Rüth

Wuppertal. In der Sitzung des Uni-Senates hat Lambert T. Koch in der vergangenen Woche angekündigt, sich nicht erneut zur Wahl zu stellen. Seine Amtszeit endet 2022.

Herr Prof. Koch, Sie sind seit 2008 Rektor der Bergischen Universität. Jetzt haben Sie angekündigt, nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Was haben Sie vor? Werden Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit wieder intensivieren? Werden Sie Aufgaben in Gesellschaft und Politik übernehmen?

Lambert T. Koch: Von Jugend an habe ich Persönlichkeiten Respekt gezollt, die ein öffentliches Amt aus freien Stücken zurückgegeben haben, wenn sie ihr Haus ordentlich bestellt hatten. Die einen traten wieder ins zweite Glied zurück, andere packten nach einer schöpferischen Pause neue Herausforderungen an. Ich habe mich entschieden, dies ebenso zu halten. Doch weitergehende Pläne gibt es noch nicht. Mal abwarten, was sich ergibt. Anders gesagt, fest steht, dass es im September 2022 exakt 14 Jahre sein werden, die ich als Rektor unserer tollen Universität wirken durfte. Für diese Zeit bin ich schon jetzt überaus dankbar. Anschließend habe ich die Option, wieder meinen ursprünglichen Aufgaben als Wirtschaftsprofessor nachzugehen. Um in diese Arbeit auch fachlich zurückzufinden, steht mir ein längeres Sabbatical zu. Davon würde ich möglicherweise Teile im Ausland verbringen.

Haben die Einschränkungen des universitären Betriebs und speziell für Ihre Tätigkeit durch die Corona-Pandemie bei der Entscheidung eine Rolle gespielt?

Koch: Nein, gar nicht! Wie gesagt, die Arbeit in unserem großartigen Führungsteam ist nach wie vor sehr erfüllend – ohne jede Beschönigung. Überhaupt haben wir in allen Bereichen der Universität, die mittlerweile 3600 Beschäftigte zählt, inspirierende Persönlichkeiten, mit denen es stets eine Freude ist, etwas voranzubringen. Meine Entscheidung, die über anderthalb Jahre reifte, mag angesichts dieser guten Rahmenbedingungen für Außenstehende schwer nachvollziehbar sein. Doch bin ich jetzt auch schon länger im Amt als der mit elf Jahren bislang am längsten gediente Rektor der Bergischen Universität, Prof. Rainer Gruenter. Zwei weitere Vorgänger waren acht und die beiden anderen je vier Jahre an der Spitze der BUW. Dass ich den Gremien meine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt mitgeteilt habe, erlaubt es, rechtzeitig einen guten Übergang zu planen und zu gestalten.

Bleiben Sie in Wuppertal?

Koch: Wuppertal ist unsere Heimat geworden. Wir haben keine Umzugsabsichten, leben sehr gerne im Bergischen und wissen darum, wie wertvoll die hier gewonnenen Freundschaften sind. Außerdem habe ich manche Ehrenämter übernommen, die ich – wenn gewünscht und gebraucht – unabhängig vom Rektorat weiterführen möchte.

Wie blicken Sie auf die Zeit als Rektor zurück?

Koch: Zunächst einmal blicke ich nicht schon jetzt zurück, sondern zwei weitere Jahre nach vorn. Ich habe mir gemeinsam mit meinem Rektoratsteam und unseren Hochschulgremien noch viel vorgenommen. Beispielsweise die Vorbereitung unseres Jubiläums zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2022. Wenn überhaupt ist erst dann die Zeit, ein persönliches Resümee zu ziehen.

Wie können Sie in Corona-Zeiten überhaupt arbeiten?

Koch: Das vergangene halbe Jahr gehörte zu den anstrengendsten in meinem gesamten bisherigen Berufsleben. Wir haben versucht, einerseits die rund 25 000 Menschen an unserer Universität bestmöglich vor einer Coronainfektion zu schützen und glücklicherweise war die Zahl der Ansteckungen bislang tatsächlich sehr gering. Anderseits wollen wir erreichen, dass unsere Studierenden keine Zeit vertun und, trotz aller Einschränkungen, in ihrem Studium vorankommen. Das ist aktuell ein schwieriger Balanceakt. Um hierfür jeweils gute gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, darf ich als Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz in NRW eng mit der Politik zusammenarbeiten. In Wuppertal geht es uns, jenseits der Pandemiebewältigung, darum, weiter an Attraktivität zu gewinnen. Die Studierendenzahl ist seit 2008 um 75 Prozent gewachsen und die Summe der Drittmittel hat sich bald verdreifacht. Das ist schön, aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Durch die vielen zusätzlichen Menschen und Projekte platzen wir aus allen Nähten, so dass wir beispielsweise weiter bauen müssen und gerade an der Anmietung zusätzlicher Flächen arbeiten. Ein anderes ist, dass wir die Vernetzung mit Nachbaruniversitäten – vor allem denen in Köln und Düsseldorf – nochmals intensivieren, um gemeinsam weitere große nationale und internationale Forschungsprojekte einzuwerben. Ausruhen ist also nicht meine Sache. Ich werde bis zum letzten Arbeitstag meine Pflicht als Rektor erfüllen und, wie schon bisher, mit Freude für unsere Bergische Uni da sein.

Zur Person

Lambert T. Koch (55) leitete 1999-2008 an der Bergischen Uni den Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaft, insbesondere Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung“. Als Dekan verantwortete er die Profilierung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zur „Schumpeter School of Business und Economics“. 2008 wurde er zum Rektor gewählt. Seit 2018 ist er Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz NRW. Viermal zeichnete ihn der Deutsche Hochschulverband als Rektor des Jahres aus.

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