Gericht

Räuber gefährdeten Leben ihres Opfers

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Der Rentner Carl K. mit Anwalt Dr. Rüdiger Deckers (hinten) rettete sich von der Terrasse seines Hauses, das Täter in Brand gesetzt hatten. Am Prozess beteiligt sich der Mann als Nebenkläger. 

WUPPERTAL/ HAAN Im Prozess zu dem Haaner Fall ist unklar, ob den Angeklagten Brandstiftung nachweisbar ist.

Von Dirk Lotze

Die Täter eines brutalen Raubs in einem Haaner Wohnhaus riskierten durch Brandstiftung das Leben eines 83 Jahre alten Rentners, ihres Opfers. Das erklärte ein Polizist Montag im Zeugenstand des Landgerichts Wuppertal. Den Aussagen des Seniors folgend gehe er davon aus, dass die Angreifer den Mann entkleideten, mit einer Flüssigkeit besprühten und auf seiner Terrasse zurückließen. Das Feuer im Haus hätten sie an mehreren Stellen gelegt, das ergebe sich aus den Spuren.

Das Verfahren des Landgerichts richtet sich gegen vier Angeklagte (35 bis 45 Jahre alt). Ihrer Version zufolge hätten sie sich an einem Einbruch beteiligt, der eskalierte. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt sie vorläufig der Beihilfe zu Raub und Brandstiftung, weil ungeklärt ist, wer von ihnen bei dem Überfall am Nachmittag des 31. Mai 2017 im Haus war und damit Haupttäter sein könnte. Das könnte auf zwei Personen zutreffen. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt ein früherer städtischer Mitarbeiter, gegen den ein anderes Verfahren läuft. Er soll den Tatort unter dem Vorwand seiner Arbeit im Tiefbauamt ausspioniert haben.

Der 83-jährige Geschädigte bestätigte die Anklage, wonach ihn Unbekannte im Haus angegriffen haben. Er habe eine Person mit Maske wahrgenommen. Dann hätten ihn die Angreifer gefesselt, geknebelt und ihm die Sicht genommen, indem sie ihm eine Tasche über den Kopf zogen. Dennoch sei einmal eine Hose mit weißer Naht zu sehen gewesen. Einen „osteuropäischen“ oder „russischen“ Akzent habe er gehört.

Aus den Wortwechseln im Haus ergibt sich die Zahl von mindestens zwei Tätern im Haus. Sie haben womöglich mit weiteren Personen telefoniert. Von den vier Angeklagten benannte der Rentner niemanden direkt.

Todesdrohung gegen das Opfer

Offen ist, wie die Haupttäter in die Räume gelangten. Dem 83-Jährigen zufolge nahmen die Räuber ihm einige hundert Euro und eine Uhr ab, schlugen ihn und forderten mehr Geld. Sie hätten angekündigt, ihm Finger abzuschneiden. Es habe sich bis zur Drohung gesteigert: „Wir schneiden dich in der Mitte durch. Die eine Hälfte schicken wir unserem Chef, die andere lassen wir hier.“

ANKLAGE

NACHWEIS Die Anklage geht davon aus, dass keinem der vier Angeklagten nachzuweisen ist, dass sie in dem Haus des Opfers waren. Sie seien bei der Tat im Zweifel nur Gehilfen des Drahtziehers gewesen. Das kann zu milderen Strafen führen.

MORDVERSUCH Setzten die Haupttäter das Leben ihres Opfers aufs Spiel, so könnte ihnen ein Mordversuch vorzuwerfen sein. Fraglich wäre, ob sie auf eigene Faust oder in Absprache mit Komplizen handelten.

Das Hin und Her im Haus dauerte womöglich mehrere Stunden. Der Rentner berichtete, er habe sich schließlich von der Terrasse aus eine Böschung hinabrollen lassen, als er das Knistern des Feuers und Hitze bemerkte. Gefesselt und mit verhülltem Kopf habe er weder weglaufen noch sehen können. Die Einrichtung des Hauses brannte aus, obwohl die Feuerwehr schnell vor Ort war. Laut Informationen unserer Zeitung verfolgte die Polizei Hinweise auf ein verdächtiges Auto bis zu dem städtischen Mitarbeiter und von diesem weiter zu den vier Angeklagten.

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