Der Queue-Erbauer und seine edlen Hölzer

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Peter Ernst arbeite an einem Billard-Queue. Er stellt Einzelstücke zwischen 50 und 1500 Euro her. Foto: Stefan Fries

Peter Ernst übt einen sehr seltenen Handwerksberuf aus. Billard ist seine große Leidenschaft.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Peter Ernst spannt ein edles Stück Holz in seine Drehbank ein: Cocobolo aus Mexiko. Sehr beliebt im Kunsthandwerk. Ernst drückt einen Knopf und beginnt zu fräsen. Schon bald ist seine Hand mit rötlichem Cocobolo-Staub überdeckt. Für den Laien ist bereits deutlich sichtbar, an was der 49-Jährige arbeitet: ein Billard-Queue. Peter Ernst ist einer von rund zehn Queue-Bauern, die es in Deutschland gibt, und beliefert von seinem Geschäft an der Hauptstraße 88 in Cronenberg aus Kunden im In- und Ausland.

Ernst ist selbst begeisterter Billard-Spieler. Er sieht die Lage so: „Mit dem Rauchen kann man aufhören. Mit dem Billard aufhören, das wird schwer.“ Seit er als Heranwachsender in einer Kneipe die ersten Kugeln mit seinem Vater eingelocht hat, spielt sich für Ernst das Wesentliche im Leben auf grünem Tuch ab. Besonders die Präzision des Sports fasziniert ihn.

Der Queue ist für ihn eine Wissenschaft für sich und muss zu 100 Prozent zum Spieler passen. Mitte der 90er Jahre – zur Spitze des Billard-Hypes – entschied Peter Ernst bei der Queue-Suche für sich: „Das was ich haben will, muss ich mir wohl selber bauen.“ Und so tat er das. Zunächst werkelte der Wuppertaler 1996 im eigenen Keller. 2004 zog er an die Hauptstraße und hält für interessierte Kunden dort inzwischen ein Sortiment von rund 100 Queues bereit.

Billardtisch aus einem Weltkulturerbe wird hier repariert

Auch Tische repariert und montiert Ernst. In seinem Laden lagern derzeit ein paar Banden eines Tisches aus dem 19. Jahrhundert und warten auf eine Restauration. „Der Tisch steht eigentlich in einem Weltkulturerbe am Rhein. Mehr darf ich nicht verraten“, gibt sich Ernst geheimnisvoll. Viele Kunden kommen gerade deshalb zu dem Profi – der 2018 bei der Deutschen Meisterschaft bei den Senioren den fünften Platz belegte – weil sie etwas Besonderes suchen. Ernst sagt: „Die Leute packen ihren 3000-Euro-Queue aus und am nächsten Tisch hat jemand genau den Gleichen. Das will man nicht.“

Ernst fertigt daher Unikate an. Während er für Anfänger auch die 50-Euro-Variante im Angebot hat, baut er Spitzenspielern Präzisions-Sportgeräte für 800 bis 1500 Euro. „Genau in diesem Bereich bin ich besser als viele andere“, sagt der Queue-Bauer über sich. Natürlich gebe es auch Menschen, die sich einen Queue bis zu 60 000 Euro kosten lassen, weil sie einen berühmten Handwerker damit beauftragen, der seine Werke mit einer mehrjährigen Warteliste rar macht. Davon so Ernst, wird der Queue aber auch nicht viel besser. „Das ist eher so wie ein Gemälde kaufen.“ Peter Ernst nimmt ein Stück dunkles Ebenholz aus Afrika in die Hand: „Halten Sie mal, das ist leicht wie Plastik.“ Dem Billard-Liebhaber geht es bei seinen Anfertigungen besonders um die hohe Spielbarkeit.

Die inneren Werte zählen: Der Queue besteht aus 23 Teilen

Was ihn nicht davon abhält, ansprechende Queues mit einmaligen Ring-Verzierungen und interessanter Ledermaserung am Griff zu fertigen. „Das ist Seehund, schwarz“, sagt Ernst. Er betont allerdings, dass dafür kein Seehund sein Leben lassen musste. „Ich sage immer, das ist verkleidete Kuh.“ Mit der Maserung des echten Leders imitiert Ernst beispielsweise auch die Haut von Schlangen.

Doch Dekoration ist nur die Kür – auf das Innere kommt es an. Ernst legt eines seiner Werke auf den Tisch: „Dieser Queue besteht aus 23 Teilen.“ Einige sieht man gar nicht. Das sind die Schrauben und das Gewicht im Inneren, die für das richtige Spielgefühl entscheidend sind.

Für Peter Ernst ist Billard eine anspruchsvolle Tätigkeit. Frei nach Albert Einstein erfordere sie das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten. Da stört es den Experten schon, dass der Sport in Filmen noch immer in erster Linie in ranzigen Kneipen praktiziert wird: „Am Billardtisch treffen sich im Fernsehen eigentlich immer die Drogendealer und im Grunde ist er dazu da, dass nach einer Schlägerei jemand drauf fallen kann.“

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