Landgericht

Prozess um Missbrauch einer Zwölfjährigen

Vor dem Landgericht begann jetzt der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs. Foto: dpa
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Vor dem Landgericht begann jetzt der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs.

Der Angeklagte stellt das Geschehen in seiner Wohnung als einvernehmlich dar.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs muss sich seit Montag ein 29-Jähriger vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Er soll Geschlechtsverkehr mit einem zur Tatzeit zwölfjährigen Mädchen gehabt haben, das er zufällig am Bahnhof Oberbarmen kennengelernt hatte. Die Zwölfjährige gehörte zu einer Gruppe Mädchen, die aus einem Wohnheim weggelaufen waren.

Die Anklage wirft dem Mann vor, im Sommer 2016, vor vier Jahren, die Gruppe Mädchen getroffen und mit ihnen in einem Park Marihuana konsumiert zu haben. Anschließend sollen alle zusammen in seine Wohnung gegangen sein. Die Zwölfjährige soll er mit einem Vorwand ins dunkle Schlafzimmer gelockt und sie dort zum Geschlechtsverkehr aufgefordert haben, den er anschließend auch vollzog.

Angeklagter will das Mädchen für 16 gehalten haben

Zu Beginn der Verhandlung erläuterte die Vorsitzende Richterin dem Angeklagten und seinem Verteidiger ausführlich, dass ein komplettes Geständnis, das dem Mädchen eine erneute Aussage erspart, eine Strafmilderung um ein Drittel bewirke. In seinem Fall könne das Gericht zu einer Strafe kommen, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Nachdem der Angeklagte und sein Verteidiger sich noch einmal besprochen hatten, räumte der Anwalt für seinen Mandanten das Geschehen grundsätzlich ein. Nach dieser Darstellung soll die Initiative zu den sexuellen Handlungen aber von dem Mädchen ausgegangen sein.

Der Verteidiger erklärte, sein Mandant habe die Mädchengruppe über einen Bekannten kennengelernt. Dieser habe mit der Gruppe am Bahnhof Oberbarmen gesessen. Eines der Mädchen habe er auch schon mal beim Billardspielen getroffen.

Entgegen der Aussage des Mädchens habe er es auf dem Weg zu seiner Wohnung noch nicht angefasst oder gar geküsst: „Wir haben eher Spaß gehabt“, sagte der Anwalt für den Angeklagten. Beim Gespräch in der Wohnung habe sich die Zwölfjährige an ihn gekuschelt, sei sogar mit dem Kopf auf seinem Oberkörper eingeschlafen. Als sie später wieder wach wurde, habe er für sie eine Pizza in den Ofen geschoben, dabei habe sie die Initiative ergriffen und ihn sexuell befriedigt. Dann seien sie ins Schlafzimmer gegangen. Die übrigen Mädchen und sein Bekannter hätten bald darauf die Wohnung verlassen. Und als er am Morgen aufwachte, sei auch die Zwölfjährige verschwunden gewesen.

Dass sie erst zwölf Jahre alt war, habe er nicht gewusst. Weil sie so spät noch unterwegs war, habe er sie für 15 oder 16 Jahre alt gehalten. Über ihr Alter hätten sie auch nicht gesprochen. Die Richterin hielt ihm ein Foto von dem Mädchen in der Akte vor. „Das hier ist ein pausbäckiges Mädchen in der Pubertät. Sie waren 25 Jahre alt und wussten, wie Mädchen in unterschiedlichen Altersstufen aussehen.“

Richterin: Geschlechtsverkehr mit Zwölfjährigen ist auch bei Einvernehmen strafbar

Sie ließ Zweifel an der Darstellung des Angeklagten erkennen. Dass sich das Mädchen an ihn gekuschelt habe, stehe jedoch auch in der Akte. Die Richterin hatte bereits zuvor betont, dass Geschlechtsverkehr mit Zwölfjährigen auch bei Einverständnis strafbar sei. Nach seiner Aussage sagte sie, die Kammer sehe „ein „billigend in Kauf Nehmen“, dass das Mädchen zu jung sein könnte.

Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt, ein Urteil könnte die Strafkammer am Wuppertaler Landgericht womöglich bereits am 30. Oktober sprechen.

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