Tierdokumentation

Produzent setzt die Herrscher der Lüfte in Szene

Ein Blaubussard in all seiner Pracht. Tobias Lohf hat die Tiere professionell ausgeleuchtet, um möglichst viele Details aufs Foto zu bannen. 
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Ein Blaubussard in all seiner Pracht. Tobias Lohf hat die Tiere professionell ausgeleuchtet, um möglichst viele Details aufs Foto zu bannen. 

Wuppertal. Erst wurde Tobias Lohfs Adler-Doku bei Youtube zum Überraschungserfolg, jetzt legt der Kameramann einen Bildband nach.

Von Daniel Neukirchen

Vor neun Jahren ging das Youtube-Video „Vom Schlüpfen bis zum ersten Flug“ online. Es zeigt einen Steppenadler auf den ersten Stationen seines Lebens. Den ersten Flug dürfen die Zuschauer sogar aus der Adler-Perspektive erleben. Hinter der Kurzdoku steckt der Kameramann und Filmproduzent Tobias Lohf. Zeitweise habe er den Clip aus dem Jahr 2013 vergessen und war irgendwann überrascht, als die Bilder des Adlers und des Falkners Benjamin Aschmann plötzlich zum viralen Hit geworden waren. 17 Millionen Mal ist das Video aufgerufen worden, unter dem Beitrag stehen Kommentare in Englisch, Französisch und sogar in kyrillischer Schrift – der Film ging um die Welt.

„Eigentlich wollte ich als Kind immer Tierfilmer werden“, sagt Lohf. Als Heranwachsender überwog bei ihm hingegen das Interesse an Action und Fiktion vor der Kamera. Bekannt ist er inzwischen vor allem als einer der drei Gründungsmitglieder von „OutsidetheClub“. Die Wuppertaler Produktionsfirma wurde für die Youtube-Serie „Wishlist“ mit dem Grimmepreis ausgezeichnet und wirkte bislang in allen drei Staffeln der Netflix-Erfolgsserie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ bei den visuellen Effekten mit.

„Ich könnte mir vorstellen, auch andere Tiere zu begleiten. Affen beispielsweise.“

Tobias Lohf, Produzent

Tobias Lohf ist bei „OutsidetheClub“ der Mann fürs Visuelle, war etwa bei den beiden Wishlist-Staffeln der Kameramann. Doch die Liebe zur Tierdokumentation verblasste nie ganz. Lohf wuchs in der Nähe der Adlerwarte Berlebeck auf und kam dort bei einem Freizeitbesuch ins Gespräch mit Falkner Benjamin Aschmann. Der habe schließlich auch die Idee gehabt, einen Adler an seinen ersten Lebenstagen zu filmen. Es folgte später die 45-minütige Dokumentation „Der Falkenmann“ über Benjamin Aschmann, die als DVD im Souvenirshop der Warte zu erwerben ist.

Im Lockdown nahm sich Lohf dann ein neues Projekt vor und erinnerte sich an das hohe Interesse der Youtube-Zuschauer an den Greifvögeln. „Ich dachte, ich mache mal ein paar coole Fotos“, sagt er. Dabei setzte er die Tiere wie Fotomodels in Szene, ging mit der Kamera ganz nah dran und leuchtete sie professionell vor schwarzem oder weißem Hintergrund aus. Das Ergebnis sind faszinierende Detailaufnahmen von Greifvögeln und Eulen.

Mal inszeniert Lohf die majestätischen Vögel wie Weißkopfadler oder Blaubussard wie sie ihre beachtlichen Flügel spreizen, mal geht er mit der Kamera ganz nah dran und offenbart spannende Details. So wie die feinen Härchen im Federkleid des Steinkauzes oder die Schuppen am Fuß der Tiere, die an in der Nahaufnahme an Reptilien erinnern. „Ich wollte näher dran gehen, als man das in der Natur kann.“

So sind in dem 192-Seiten starken Buch auch einige Fotos von einem Steinadler-Baby beim Schlüpfen zu sehen. Das wurde vor allem auch deswegen möglich, weil die Adlerwarte auch eine Aufzuchtstation ist.

Aus den Fotos wurde mithilfe des Falkners Aschmann schnell eine populärwissenschaftliche Abhandlung über Greifvögel und Eulen. „Ich wollte schon immer mal ein eigenes Buch machen“, sagt Lohf und hält es stolz in den Händen. „Abgehakt“.

Produzenten haben zwei Filme und eine Serie in der Hinterhand

Die Tierdokumentation bezeichnet Lohf als „Hobby“. Er lacht: „Ich werde mich als Autor nicht selbstständig machen können. Wahrscheinlich werde ich am Ende nicht einmal den Mindestlohn für die Arbeit an dem Buch verdient haben, aber darum geht es ja auch nicht.“ Das Fotobuch sei eine Herzensangelegenheit – weitere sollen folgen. „Ich könnte mir vorstellen, auch andere Tiere am Anfang ihres Lebens zu begleiten. Affen beispielsweise.“

Hauptberuf bleibt für Lohf „OutsidetheClub“. Und dort gab es selbst in der Corona-Zeit noch alle Hände voll zu tun. „Wir haben uns ein zweites Standbein aufgebaut“, beschreibt Lohf die wichtige Phase nach dem Serienerfolg mit „Wishlist“. Die kreativen Köpfe um Autor/Regisseur Marc Schießer und Autor/Komponist Marcel Becker-Neu haben inzwischen vier Festangestellte im Team und unterstützen bereits laufende Produktionen mit visuellen Effekten.

So hatten sie nicht nur bei „How to Sell Drugs Online (Fast)“ die Finger im Spiel, sondern auch bei der neuen Sky-Serie „Die Wespe“. Auch die Effekte des ProSieben-Films Schattenmoor, für den Marc Schießer außerdem Regie führte, stammen aus der Wuppertaler Effektschmiede.

Doch wie steht es um die nächsten ganz eigenen Projekte? Lohf verrät: „Wir haben zwei Filme und eine Serie in der Pipeline, die wir vielversprechend finden.“ Die Corona-Zeit habe viel Zeit gegeben, um die Bücher zu konzipieren. Jetzt gehe es noch um die Finanzierung. Das sei aber kein einfacher Prozess und könne leider teils Monate und Jahre dauern. Man müsse häufig viele Akteure wie Sender, Geldgeber und Filmförderer alle zur gleichen Zeit von einem Projekt überzeugen, um grünes Licht zu bekommen. Doch genau dieses Ziel verfolge „OutsidetheClub“ gerade.

Dass die jungen Filmemacher noch immer viel Lust auf eigene Stoffe haben, davon können sich Wishlist-Fans auch auf Youtube überzeugen. Hier ist der Horror-Kurzfilm „Perfect Match“ erschienen. Außerdem lassen sich im „OutsidetheClub“-Kanal die Macher bei einigen ihrer Projekte in die Karten schauen und demonstrieren dort, wie visuelle Effekte – Explosionen oder Schneelandschaften – entstehen.

Reinschauen

Buch: „Vom Schlüpfen bis zum ersten Flug“ ist für 29 Euro im Buchhandel erhältlich. Die gebundene Ausgabe hat 192 Seiten.

Clips: Die gleichnamige Kurzdoku ist auf der Videoplattform Youtube verfügbar. Dort ist auch der Kurzfilm „Perfect Match“ zu sehen.

Serien: Beide Staffeln „Wishlist“ sind weiterhin gratis auf Youtube zu sehen. Netflix streamt „How to Sell Drugs Online (Fast)“, Sky „Die Wespe“.

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