Döppersberg

Primark-Chef spricht über den neuen Standort

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Am 16. April soll Primark am Döppersberg eröffnen – kleiner, als ursprünglich geplant.

WUPPERTAL Bald wird am Döppersberg in Wuppertal eröffnet. Wolfgang Krogmann erklärt die Pläne für die Filiale und wehrt sich gegen Kritik.

Von Lothar Leuschen

Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Primark seine Filiale am Döppersberg wirklich noch eröffnet. Der Schriftzug des irischen Textildiscounters ziert bereits die bronzefarbene Fassade des Gebäudes. In den Fenstern weisen große Plakate darauf hin, dass es nun bald soweit ist. Und das börsennotierte Unternehmen hat jüngst selbst wissen lassen, dass es am 16. April soweit sein soll.

Nicht endlich, weil es aus Sicht der Essener Deutschlandzentrale nie anders geplant gewesen ist. „Das ist der geplante Termin“, sagt Wolfgang Krogmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist Deutschland- und Österreich-Chef von Primark. „Ich persönlich habe mir gewünscht, dass es vielleicht schon früher möglich ist. Aber vorgesehen war 2019.“

Wolfgang Krogmann findet den Wuppertaler Standort aus mehreren Gründen attraktiv.

Anders als zunächst abgesprochen, mietet Primark allerdings keine drei Etagen im sogenannten Investorenkubus am Döppersberg. Der Textildiscounter hat seine Planungen abgespeckt. Statt 4500 Quadratmetern Verkaufsfläche geht er lediglich mit 3200 Quadratmetern an den Markt. Und von den zunächst vorgesehenen 230 Stellen schafft Primark zumindest vorläufig nur 200. Krogmann schließt Wachstum am Standort Wuppertal nicht aus. Den überraschenden Schrumpfungsprozess erklärt er damit, dass das Unternehmen den Markt sehr genau beobachte und seinen Kunden zuhöre. „Von 100 Euro werden heute 25 Euro online umgesetzt“, sagt er. Aber Primark ist online nicht unterwegs.

Dass der Textil-Supermarkt im April seine dann 29. Deutschlandfiliale eröffnet, ist in Wuppertal nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Primark wird vorgeworfen, seine Waren in Dritte-Welt-Ländern wie Bangladesch unter unwürdigsten Bedingungen herstellen zu lassen. Die Diskussion darüber wurde durch die Katastrophe von Sabhar verstärkt, wo im Jahr 2013 durch den Einsturz einer Textilfabrik mehr als 1000 Menschen starben. Seither verlässt dieses Thema die Tagesordnung nicht mehr.

Und ebenso lange ist Primark bemüht, sein Profil als fairer Partner der Produzenten zu schärfen. In der Unglücksfabrik hat der Discounter nicht produzieren lassen. Dennoch seien die Anstrengungen verstärkt worden, dass die Produkte von Primark „unter möglichst guten Bedingungen“ hergestellt werden, sagt Krogmann. „Wir haben inzwischen mehr als 100 Leute beschäftigt, die sich die Produktionsstätten anschauen und auf Sicherheit überprüfen. Das sind Leute, die dort geboren sind und die Landessprache beherrschen. Die können auch zwischen den Zeilen lesen.“ Der Prüfprozess laufe permanent und sei alles andere als banal. Primark achte auf auskömmliche Löhne. Wo es Tarife gebe, wie etwa in Bangladesch, müssten die Arbeiter danach auch bezahlt werden.

„Die Frage nach dem Woher ist wichtiger geworden. Woher stammen die Textilien, die ich auf der Haut trage? Wie wurden sie hergestellt?“, erklärt Krogmann und begründet damit, warum sein Unternehmen so sehr darauf achtet, in einem teils schmutzigen Geschäft eine weiße Weste zu behalten.

Ex-Gewerkschaftssekretär lobt „Charme-Offensive“ von Primark

Das erklärt auch, dass die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Primark in Deutschland nicht grundsätzlich schlecht zu sprechen ist. Ein ehemaliger Wuppertaler Gewerkschaftssekretär würdigte gar die „Charme-Offensive“ des Konzerns, die in Deutschland dazu führe, dass das Unternehmen im Einzelhandelsverband sei und Tariflöhne bezahle, teils sogar etwas mehr als das. Das bestätigt Krogmann. Die Einkommensspanne in Wuppertal gibt er mit knapp 10 bis knapp 16 Euro an. Er verweist außerdem darauf, dass fast jede Filiale in Deutschland einen Betriebsrat habe. Entsprechend erfolgreich sei bisher die Rekrutierung für Wuppertal verlaufen. „Wir zahlen nach NRW-Tarif, der neben dem in Baden-Württemberg zu einem der höheren in Deutschland zählt.“

FILIALEN

NEUERÖFFNUNGEN Die Filiale in Wuppertal ist eine von vier neuen, die Primark in diesem Jahr eröffnen wird. Die anderen entstehen in Berlin, Bonn und Kiel. Pro Woche zählen die Häuser in Deutschland eine Million Besucher. „Primark ist hochprofitabel“, sagt Wolfgang Krogmann, Deutschland- und Österreich-Chef von Primark.

Das und der Standort Wuppertal scheinen gute Argumente für den neuen Standort am Döppersberg zu sein. Krogmann zufolge haben sich etwa 50 Mitarbeiter aus umliegenden Filialen nach Wuppertal beworben.

Der Deutschlandchef führt das einerseits auf kürzere Fahrtzeiten zurück, kann sich aber vorstellen, dass das auch mit dem neuen Konzept für den Standort und mit dem Haus zu tun hat, in das Primark Anfang April einziehen wird. „Dieses Gebäude ist bildschön“, sagt er und lobt auch das Umfeld der neuen Filiale in den höchsten Tönen. Die Architektur sei selbst in der Weltzentrale des Konzerns in Dublin auf helle Begeisterung gestoßen.

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