Preise sind in vier Jahren um 52 Prozent gestiegen

Durchschnittlich 171,55 Euro pro Quadratmeter Bauland mussten Käufer in Wuppertal im Jahr 2019 zahlen. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Durchschnittlich 171,55 Euro pro Quadratmeter Bauland mussten Käufer in Wuppertal im Jahr 2019 zahlen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Nach aktuellen Zahlen des DGB liegt der Preis pro Quadratmeter Bauland in Wuppertal im Durchschnitt bei 171,55 Euro

Von Martin Lindner

Wuppertal Es ist eine Zahl, die erstaunt und nicht minder viele Fragen aufwirft. Die Preise für Bauland sind in Wuppertal zwischen 2015 und 2019 um 52 Prozent gestiegen, informiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Wuppertal. Mit diesem Anstieg befinde sich die Bergische Metropole in den Top 10 aller Kreise und kreisfreien Städte in NRW. Durchschnittlich 171,55 Euro mussten Käufer von Bauland im Schnitt pro Quadratmeter im Jahr 2019 zahlen. Damit liegt Wuppertal auch über dem Mittelwert in unserem Bundesland, den der DGB bei 143,57 Euro aus Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW errechnet hat.

Nachgefragt beim Gewerkschaftsbund, relativiert der Pressesprecher, dass das derzeitige Niveau ungefähr dem des Jahres 2014 entspreche. Der Preis für Bauland sei von rund 215 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2014 auf fast die Hälfte, nämlich 112 Euro im Jahr darauf abgestürzt. Grund könnten Besonderheiten sein, wie dass in diesem Jahr Grundstücke in noblen Vierteln den Eigentümer gewechselt haben oder ein teures Wohnprojekt verkauft wurde. Anschließend ist der Preis für Bauland wieder nach oben geklettert. In Wuppertal komme es für Bauland je nach Stadtteil und auch innerhalb der Stadtteile zu drastischen Preissprüngen.

Ricarda Baltz, Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Wuppertal, bestätigt, dass die Preise für Bauland besonders in den letzten Jahren stark angestiegen seien. Den Fall der Preise um fast die Hälfte im Zeitraum 2014/15 verneinte sie aber. Vielmehr sei ein konstanter Zuwachs der Preise zu beobachten, den man sich ähnlich einer „Sinuskurve“ vorstellen könne. Der Gutachterausschuss erhebt seine Daten aus Kaufverträgen für baureife Flächen, die von Notariaten kommen, und wertet sie einmal im Jahr statistisch aus. Corona habe dem Boom im Grundstücksmarkt keinen Dämpfer verpasst, sondern die Preise hätten 2020 noch einmal angezogen, was teilweise auch den günstigen Zinsen geschuldet ist, so Baltz.

Viele Menschen von außerhalb haben Wuppertal „entdeckt“

„Das Geld ist günstig“, erklärt sie. Außerdem seien die Baulandpreise in Wuppertal noch deutlich geringer als in Städten wie Düsseldorf oder Köln. So hätten auch viele Menschen von außerhalb „Wuppertal entdeckt“, meint sie. „Im Westen, Richtung Rheinschiene, sind Stadtteile wie Vohwinkel interessant für Leute, die in Düsseldorf arbeiten. Da ist die Fahrt dann auch nicht mehr so weit.“

Bauland sei aufgrund der Wuppertaler Tallage rar gesät, so die Expertin. Dennoch ist Wuppertal als Großstadt noch relativ günstig, verglichen mit anderen Städten.

„Gerade in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt ist das größte Problem für den Bau bezahlbarer Wohnungen günstiges Bauland“, erklärt Stefan Körzell vom geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB. „In manchen Gegenden entfallen auf die Gesamtkosten für Neubauwohnungen über die Hälfte der Kosten auf das Bauland. Auf teurem Grund kann keine bezahlbare Wohnung entstehen.“ Deswegen fordert Körzell eine sozial gerechte Bodenpolitik. Wichtig sei, dass die Kommunen bessere Kontrolle über den Grund und Boden in ihrer Gemeinde bekommen. „Sie brauchen ein preislimitiertes Vorkaufsrecht und die finanziellen Ressourcen, um einen Bodenfonds auflegen zu können. Zudem muss gewährleistet sein, dass Flächen im kommunalen Besitz auf Dauer für eine soziale und ökologische Stadtentwicklung genutzt werden“, so das DGB-Vorstandsmitglied. Maßgeblich dafür sei auch das Baugesetzbuch, das gerade überarbeitet werde. Der kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Gesetzentwurf, der aktuell im Bundestag diskutiert wird, reiche aber nicht aus, um die Spirale der weiter steigenden Bodenpreise zu durchbrechen, kritisiert Körzell. „Da muss noch nachgebessert werden.“

Um die Nachfrage nach Bauland zu bedienen, hat der Wuppertaler Stadtrat im Dezember 2017 die Verwaltung dazu aufgefordert, kurzfristig 110 Hektar zusätzliches Baugebiet für den Haus- und Wohnungsbau auszuweisen. 110 Hektar entsprechen etwa 220 Fußballfeldern. Die Verwaltung ist in der Bergischen Metropole noch immer auf der Suche.

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