Kurioser Fall

Polizei ermittelt im Wald-Diebstahl in Wermelskirchen

Für Polizeipressesprecher Christian Tholl ist die illegale Rodung auf einem 3500 Quadratmeter großen Areal in Bechhausen ein Fall, wie er ihn in seiner Dienstzeit noch nicht erlebt hat.
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Für Polizeipressesprecher Christian Tholl ist die illegale Rodung auf einem 3500 Quadratmeter großen Areal in Bechhausen ein Fall, wie er ihn in seiner Dienstzeit noch nicht erlebt hat.

Es gibt den Verdacht auf illegale Rodung eines Areals in Bechhausen. Das ist auch für die Polizei ein außergewöhnlicher Fall.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Polizeipressesprecher Christian Tholl steht auf einem rund 3500 Quadratmeter großen Areal im Bechhausener Wald an der Stadtgrenze von Wermelskirchen und Burscheid-Hilgen. Um ihn herum zeugen tiefe Furchen im Boden von dem Einsatz von schwerem Gerät. Aus dem Boden ragende Baumstümpfe erinnern daran, dass dort vor Kurzem noch Fichten gestanden haben. Diese sind gefällt, offensichtlich professionell abgeholzt.

Einen derartigen Fall habe er in seiner Dienstzeit noch nicht erlebt, sagt Christian Tholl und blickt sich um: „So etwas ist auch für die Polizei ein außergewöhnlicher Fall.“ Nach derzeitigem Stand ermittele die Polizei wegen Diebstahl, denn die im Verdacht stehende Firma habe den Nachweis über einen ordnungsgemäßen Auftrag zur Abholzung der Bäume noch nicht erbracht. „Die geschädigte Waldbesitzerin hat jedenfalls glaubhaft versichert, keinen Auftrag zur Abholzung erteilt zu haben“, sagt der Hauptkommissar.

Die Waldbesitzerin hatte am Freitagabend persönlich die Abholzung ihres Waldstücks entdeckt und die Polizei alarmiert. Die angerückte Streife konnte dann vor Ort gegen 19.30 Uhr einen mit Holz beladenen Lastwagen anhalten, die Personalien des Fahrers und die zugehörige Firma in Mönchengladbach feststellen.

Abgeholzter Wald in Wermelskirchen: Illegale Rodung oder ein Versehen? Die Polizei ermittelt

„Entweder ist das besonders dreist, oder es liegt schlicht und einfach ein Irrtum vor“, stellt Christian Tholl fest. Ein Versehen könnte beispielsweise dadurch entstehen, dass Grundstücksgrenzen nicht korrekt erkannt würden oder sich Kommunikationsfehler eingeschlichen hätten. „Bis auf Weiteres gehen wir von einer illegalen Rodung aus, und die Kriminalpolizei ermittelt. Eine Strafanzeige ist gestellt“, berichtet Christian Tholl.

Sämtliche ­Fichten wurden in den vergangenen Tagen fachmännisch abgeholzt.

Der Polizeipressesprecher weiß durchaus um die Kompliziertheit eines derart außergewöhnlichen Falles: „Die Kollegen der Streife vor Ort konnten natürlich nicht das Holz auf dem Lkw einwandfrei dem Waldgrundstück zuordnen.“ Für solch einen Vorfall habe die Polizei keine hauseigenen Gutachter. „Das kann problematisch werden“, blickt Tholl aus – denn: Die Geschädigte hat nicht nur den Schreck der ungewollten Abholzung erlebt, sondern muss im Zweifelsfall den entstandenen Schaden mühevoll nachweisen. Baumstümpfe auf einem Grundstück ließen sich zählen, aber wie hoch die jeweiligen Bäume gewesen wären, könne wohl nur anhand des Stammdurchmessers abgeschätzt werden, mutmaßt Christian Tholl. „Wenn es um die Höhe des Schadens geht, kann das ein problematisches zivilrechtliches Verfahren werden.“ Gemeint sind gegenseitig über- oder unterbietende Gutachten. „Und klar ist selbstverständlich auch: Die Aufforstung eines solchen Geländes dauert Jahre – das geht nicht von heute auf morgen“, sagt Tholl.

In Bechhausen wird derzeit viel Wald abgeholzt, um dem Borkenkäfe entgegenzuwirken

Wenige Fälle von irrtümlicher Abholzung von Bäumen sind dem Vorsitzenden der Wermelskirchener Forstbetriebsgemeinschaft, Robert Schmitz, bekannt: „So etwas passiert selten. Denn bei Zweifeln gibt es ja ein Handy für Rückfragen.“ Und weiter: „In der Regel werden solche Irrtümer vom Förster entdeckt und zu einer gütlichen Einigung geführt.“

Der Bereich in Bechhausen gehört laut Schmitz nicht zur Forstbetriebsgemeinschaft, weshalb er dazu nichts sagen könne: „Ich weiß aber, dass in diesem Bereich die einzelnen Grundstücke verhältnismäßig sehr klein sind.“ Wie auch anderswo in der Region wird ebenso in Bechhausen massiv abgeholzt, um insbesondere vom Borkenkäfer befallene Bäume zu entfernen. Große Baumstamm-Stapel, die auf den Abtransport warten, belegen das.

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