Fotos und Videos

Pina Bausch: Umfassendes Archiv geht online

Zu den zentralen Aufgaben von Archivleiter Ismaël Dia gehört die Digitalisierung des Werkes von Pina Bausch. Foto:
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Zu den zentralen Aufgaben von Archivleiter Ismaël Dia gehört die Digitalisierung des Werkes von Pina Bausch.

Stiftung hat etwa 1000 Fotos und 30 Videos aufgearbeitet.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Die Verführung ist groß. So schlank die Navigation mit ihren Stichworten Archiv, Personen, Pina Bausch, Stücke und Themen auch ist. Dahinter verbergen sich unendliche Welten, die geschickt miteinander verknüpft sind und einen lange vermissten Informationsreichtum aus faszinierenden Bildern, Texten, Filmen und Interviews ausbreiten. Über Programmhefte zu Uraufführungen geht es zu Tänzern und deren Schaffen, über diese zu Aufnahmen von Proben mit Angaben zu Musik und Kostümen und von dort wieder zu ihrer Verwendung in Stücken. „Der Spaziergang ins Archiv“ kennt kein Ende.

Die neue Website der Pina-Bausch-Foundation ist jetzt online und damit erstmals ihr Online-Archiv. „Mit dieser Website verbinden wir gestern, heute und morgen. Wir verfügen über einzigartige Originalquellen und wollen diese weltweit zugänglich und nutzbar machen. Es gibt einen ganzen Kosmos zu entdecken und ich wünsche mir, dass er Menschen weltweit berühren und inspirieren wird“, freut sich Salomon Bausch, der als Gründer und Vorstandsvorsitzender der Foundation treibende Kraft des Unterfangens ist.

Und nach coronabedingten Verzögerungen, Serverproblemen, Umzug und umfangreichen Rechteklärungen zusammen mit dem Archivleiter Ismaël Dia und dem Foundationteam diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näher kommt. 2010 wurde die Digitalisierung gestartet, nun seien etwa 1000 Fotos und 30 Videos im Netz, so Dia. Bei ihrer Präsentation wird auf leicht verständliche Texte geachtet, die in englischer, deutscher und hin und wieder auch französischer Sprache verfasst sind – bei den Interviews gibt es entsprechend Übersetzungen. Es gibt eine Version in leichter Sprache, Barrierefreiheit ist im Aufbau, ein Screenreader soll eingesetzt werden können.

„Wir wollen nicht nur Experten erreichen. Ihre Stücke sind ja auch zugänglich.“

Salomon Bausch, Bausch-Stiftung

„Wir wollen nicht nur Experten erreichen, nicht Mauern aufbauen. Pina Bauschs Stücke sind ja auch sehr zugänglich“, beschreibt Salomon Bausch und ergänzt, dass das Archiv kostenfrei und ohne Anmeldung zu nutzen sei.

Da sitzt sie, vertieft in ihre Arbeit an einem Tonbandgerät, vor einem raumhohen Spiegel. Der Besucher trifft zuerst auf dieses so intime Schwarzweißfoto der Choreografin. Informationen erhält er am Anfang zu drei Stücken, „Fritz“, „Café Müller“ und „Palermo Palermo“, zu fünf Tänzerinnen und Tänzern (Dominique Mercy, Jan Minarík, Nazareth Panadero, Finola Cronin und Marlis Alt) sowie zu den langjährigen Begleitern Rolf Borzik, Matthias Burkert, Marion Cito, Peter Pabst und Ulli Weiss. Die Auswahl der Tänzer entspreche dem Versuch, die Verbindung zu den Anfängen Pina Bauschs herzustellen, was die Zeit vor dem Tanztheater einschließt, und eine Brücke in die 1990er Jahre zu schlagen.

Zu „Café Müller“ gibt es mehrere Aufnahmen, die das Stück mit verschiedenen Besetzungen und Bühnenbildern erleben lassen, das eingescannte Programmheft zur Uraufführung von 1978 nennt Pina Bausch (noch) nicht, was den Schluss erlaubt, dass diese ihre Mitwirkung damals zumindest offenlassen wollte.

Auch wenn längst nicht alle Arbeit getan ist – das Archiv umfasst mehr als 300 000 Fotografien und 9000 Videos – sei nun „ein Teil, aber ein schöner Teil“ anklickbar, so Dia, „vieles, was vorher nicht gesehen werden konnte“. Das Ziel ist groß und weit, schließlich sollen alle Stücke der Choreografin – auch die vor der Tanztheaterzeit – mit umfangreichen Informationen unterfüttert werden. Um das Werk lebendig und sichtbar zu machen, sollen die Stücke auch von internationalen Compagnien einstudiert werden – ein für Salomon Bausch zentrales Anliegen. Dabei geben Ältere Wissen über und Erfahrungen mit ihren Rollen an Jüngere weiter, werden ganze Stücke weitergereicht. So wurde „Das Frühlingsopfer“ mit einem neu gebildeten Ensemble mit Tänzern aus 13 afrikanischen Ländern einstudiert.

Gerade entsteht außerdem ein Film, bei dem Semperoper Ballett und Ecole de Sable zusammenarbeiten. 2022 soll er in die Kinos kommen. Im Juli 2022 soll das Stück „Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört“ erstmals vom Ballet de l’Opéra de Lyon aufgeführt werden.

Salomon Bausch: „Indem wir Berührungspunkte mit dem Werk meiner Mutter schaffen, wollen wir eigene sinnliche und tänzerische Erfahrungen fördern.“

Hintergrund

Reihe: Eigentlich sollte die Reihe Utopina, die zum Austausch über Pina Bauschs Kunst einladen sollte, in der Jubiläumsspielzeit 2019/2020 starten. Die Pandemie kam dazwischen, nun fanden erste Veranstaltungen in Kopenhagen und Luxemburg statt, wann es in Wuppertal losgeht, ist derzeit noch nicht spruchreif.

Internet: Das Archiv ist Teil der neuen Website der Pina Bausch Foundation.

pinabausch.org

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