Energie

Photovoltaik: Wuppertal hinkt hinterher

Statistisch gesehen kommen in Wuppertal 92 Watt Peak aus Photovoltaikanlagen auf einen Einwohner.
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Statistisch gesehen kommen in Wuppertal 92 Watt Peak aus Photovoltaikanlagen auf einen Einwohner.

Nur neun statt 25 Projekte werden in diesem Jahr umgesetzt.

Von Anne Palka und Katharina Rüth

Wuppertal. In diesem Jahr will die Stadt neun neue Solaranlagen auf ihren Gebäuden installieren. Damit hängt die Verwaltung dem Ziel hinterher, das die Politik vorgibt. Der Rat hat im November 2021 eine „Solaroffensive für Wuppertal“ beschlossen: Ab 2022 sollen jährlich 25 weitere kommunale Gebäude oder Flächen mit Solaranlagen ausgestattet werden.

Derzeit betreibt das Gebäudemanagement (GMW) 20 Solaranlagen auf Häusern der Stadt, zum Beispiel auf den Dächern der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg, der Grundschule Nathrather Straße und der Max-Planck-Realschule. Alle 20 Anlagen zusammen haben eine Leistung von rund 447 kWp. Es wurden Förderanträge für acht weitere Anlagen mit einem Speicher bewilligt, die eine Leistung von 484 kWp haben werden. Außerdem soll es eine 28-kWp-Anlage auf dem Dach der denkmalgeschützten GMW-Werkstatt an der Münzstraße geben. Der Plan ist, dass die neun Anlagen in diesem Jahr installiert werden. Ganz sicher sei das aber noch nicht, sagt Sandra Langenbach, Klimamanagerin bei der Stadt: „Es gibt einige Unwägbarkeiten, zum Beispiel Materialknappheit, Lieferengpässe und Handwerkermangel.“

Von diesen Problemen berichten auch die Anbieter von Solaranlagen. Die Wartezeit von der ersten Anfrage bis zum ersten eigenen Sonnenstrom liege inzwischen bei einem Dreivierteljahr bis Jahr, sagt Alexander Wolff, Inhaber der Solarwerkstatt Wuppertal. Das Unternehmen gibt es seit 1988 und ist auf Planung, Montage und Wartung von Solaranlagen spezialisiert. „Die Nachfrage ist extrem groß.“

Dasselbe gilt für das Pachtangebot der Stadtwerke, den WSW Sonnenstrom, sagt Sprecher Rainer Friedrich: „Die Nachfrage ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen und wir rechnen damit, dass sie noch weiter steigt.“ Angesichts der steigenden Energiepreise werde die Möglichkeit, selbst Solarstrom zu produzieren, für viele Immobilienbesitzer immer interessanter.

Die WSW kümmern sich beim Pachtmodell um die Anträge für den Betrieb und die Einspeisung. „Ein Angebot erstellen wir nur, wenn die Wirtschaftlichkeit der Anlage gewährleistet ist. Dafür sollte der Eigenverbrauchsanteil des selbst produzierten Solarstroms möglichst hoch sein.“ Der Vertrag läuft über 18 Jahre, die Anlage wird durch einen Fachbetrieb installiert. Wenn der Kunde den Auftrag erteilt, liege die Umsetzungsdauer derzeit bei etwa drei Monaten.

Alle Solaranlagen müssen angemeldet werden, die Bundesnetzagentur erfasst sie im Marktstammdatenregister. Für Wuppertal sind darin 2272 Solaranlagen in Betrieb erfasst, 25 in Planung. Das Gebäudemanagement der Stadt ist bei 20 Anlagen als Betreiber angegeben, eine Privatperson bei 1950 Anlagen und ein Unternehmen oder Verein bei 302 Anlagen. Alle Anlagen zusammen haben laut dieser Liste eine Bruttoleistung von 33 158 kWp. Wie viele Anlagen derzeit beantragt sind, kann die Stadt nicht sagen.

Alle Solaranlagen, egal ob von der Stadt, einem Unternehmen oder einer Privatperson betrieben, fließen in den „Wattbewerb“ ein. Die Stadt macht bei dem deutschlandweiten Wettbewerb mit, bei dem es um den Ausbau der Solarenergie geht. Derzeit steht Wuppertal auf Platz 215 von 228, bei den Großstädten auf Platz 36 von 48. Derzeit ist eine PV-Leistung von 92 Watt Peak pro Einwohner installiert, in Krefeld sind es 219, in Remscheid 116. Die Stadt würde gern mehr Solaranlagen betreiben, sagt Andrea Stamm, Teamleiterin der städtischen Koordinierungsstelle Klimaschutz. Aber: „Es mangelt an Geld und es mangelt an Personal.“ Bevor eine Solaranlage installiert werden kann, müsse saniert werden, die Statik geprüft, Leitungen verlegt. „Auch die Beantragung von Fördergeld dauert. Wenn es Fördermittel gibt, ist die Frage, woher die Eigenmittel kommen.“

Bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen plane das Gebäudemanagement Solaranlagen als Standard ein, sagt Klimamanagerin Sandra Langenbach. „Daher ist über das laufende Vorhabenprogramm des GMW auch ein stetiger weiterer Ausbau der Photovoltaik-Anlagen sichergestellt.“

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