PCB-Gift: WSW-Mitarbeiter warten auf Umzug

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Der Sitz der Stadtwerke am Carnaper Platz ist PCB-belastet. Archivfoto: Andreas Fischer

Solange es keine neue Zentrale gibt, sind die Beschäftigten der Wuppertaler Stadtwerke der Belastung weiter ausgesetzt.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Sieben Jahre ist es her, dass bei Umbaumaßnahmen giftige Stoffe im Verwaltungsgebäude der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) entdeckt wurden. Sie sind der Grund dafür, dass die Stadtwerke eine neue Zentrale suchen. Weil bisher noch nicht klar ist, ob neu gebaut wird oder die Mitarbeiter in bestehende Gebäude – wie etwa die ehemalige Bahndirektion – ziehen, ist auch nicht klar, wie lange die Mitarbeiter den Stoffen noch ausgesetzt sind. Eine Entscheidung darüber soll bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im Dezember fallen.

Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, wurden bis in die 70er/80er Jahre als Weichmacher in Dichtungen, Isolierungen und Kunststoffen verwendet. Sie sind nicht akut giftig, aber auf Dauer. Sie gelten als krebserregend und stehen unter anderem im Verdacht, Schäden am Immunsystem und am Hormonsystem zu verursachen, sind seit 2001 weltweit verboten.

Ihre Verwendung in den beiden Türmen der WSW-Zentrale fiel auf, als WSW-Mitarbeiter bei den Umbauarbeiten Materialien routinemäßig beprobt haben, „dabei wurden die hohen PCB-Belastungen entdeckt“, erläutert WSW-Sprecher Elmar Thyen. Die PCB kommen seiner Angabe nach vor allem aus Fugen zwischen den Betonteilen, außerdem kamen sie in Deckenplatten von Räumen und Fluren vor, die mit einer PCB-haltigen Farbe gestrichen waren. Und in einzelne Betonwände waren sie eingedrungen, weil die Verschalungsbretter mit PCB gestrichen waren.

Die belasteten Deckenplatten seien entfernt worden, aber bei den Fugenmassen sei das schwieriger: Der Austausch der Fugenmasse sei zwar theoretisch möglich, aber die giftigen Stoffe seien bis zu zehn Zentimeter in den Beton diffundiert, da „müsste auch der Beton abgetragen werden, was aus nachvollziehbaren Gründen statisch nicht möglich ist“, so Elmar Thyen.

Die Fugen seien daher in allen Räumen gasdicht abgeklebt worden. Zudem hätten sie eine Tiefen-Reinigung aller Räume durchgeführt, um belastete Stäube zu entfernen. „Jedes Büro hat einen Lüftungsplan“, berichtet. Damit „wird sichergestellt, dass die Werte dauerhaft durch Luftaustausch gesenkt werden“.

Schwangere erhalten sofort einen Arbeitsplatz in anderen Gebäuden

Als präventive Maßnahme könnten alle Mitarbeiter an einem Biomonitoring mit Blutuntersuchungen teilnehmen. Schwangere, die in den Verwaltungstürmen arbeiten, erhielten sofort Arbeitsplätze in anderen Gebäuden.

Bei besonders hohen Belastungen würden Büros direkt gesperrt und einer Intensivreinigung unterzogen sowie eventuell zusätzlich Schutzanstrichen vorgenommen, um die PCB-Belastung zurückzudrängen. „Erst wenn das Büro wieder deutlich unter dem Wert für Sofortmaßnahmen liege, werde es wieder freigegeben. „Sämtliche Maßnahmen sind mit der Berufsgenossenschaft und der Bezirksregierung als zuständiger Aufsichtsbehörde abgestimmt“, versichert Elmar Thyen.

Durch alle diese Maßnahmen sei eine Reduzierung der Belastung erreicht worden: Anfang hätten die Werte bei 450 bis 4400 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter gelegen – also durchaus auch über dem Grenzwert von 3000 ng, bei dem Sofortmaßnahmen nötig sind. Heute lägen sie in Haus 1 unter 1000 ng, oft bei 200 bis 600 ng. In Haus 2 lägen die Werte wegen einer höheren Fugenbelastung geringfügig höher als 1000 ng.

Gewerkschaft: Mitarbeiter verärgert über Warten auf Neubau

Messungen der Raumluft hätten anfangs im Quartalsrythmus stattgefunden, „aufgrund der langjährigen Erfahrungen wird aktuell alle vier Monate gemessen“. Die Beschäftigten seien zufrieden mit dem verantwortlichen Umgang des Unternehmens, sagt Silke Iffländer, stellvertretende Geschäftsführerin der Gewerkschaft Verdi Bezirk Düssel-Rhein-Wupper, nach Rücksprache mit dem Betriebsrat. Den Mitarbeitern sei bewusst, dass sich das Problem nicht von heute auf morgen lösen lasse. „Was den Ärger verursacht, ist, dass es beim Thema Neubau nicht voran geht“, berichtet sie. Denn nur so lasse sich das Problem lösen.

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