Alte Tierrassen

Patenhuhn Carlotta bringt Kindern viel bei

Tom Rocholl mit dem Patentier seiner Klasse: das Deutsche Sperberhuhn Carlotta.
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Tom Rocholl mit dem Patentier seiner Klasse: das Deutsche Sperberhuhn Carlotta.

Auf dem Biohof Rocholl in Höhrath leben alte Tierrassen, die es heute kaum noch gibt.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Bergisches Land. Schon wenn man auf den Parkplatz auf dem idyllisch gelegenen Biohof Rocholl fährt, sieht man jede Menge Hühner auf einer großen Wiese herumspazieren, gackern, scharren – und eben das tun, was Hühner gerne machen. Den Hof von Kathy Rocholl und ihrem Mann Sven gibt es seit knapp acht Jahren. „Damals haben wir ihn als Reitanlagen übernommen – ich bin Reitpädagogin und Motopädin. Auf dem Reithof habe ich dann zunächst Reittherapie angeboten“, sagt die 39-Jährige.

Allerdings seien mit den Jahren immer mehr und andere Tiere dazugekommen. Und dann begann Anfang 2020 die Corona-Pandemie. „Damals hatten wir die ersten Ideen, um auch das Thema Landwirtschaft mit einzubringen“, sagt Kathy Rocholl. Darum würde sich vor allem ihr Mann kümmern, sie um den pädagogischen Bereich des Hofs. „Wir haben Eier, Geflügel- Lamm- und Schweinefleisch, dazu dann Wolle – und vielleicht irgendwann auch Ziegenmilch. Das ist aber im Moment noch in der ferneren Zukunft.“ Was hingegen gar nicht in ferner Zukunft liegt, ist eine Umstellung des Hofs zum sogenannten Arche-Hof.

Wir wollen das Thema der vom Aussterben bedrohten alten Rassen nach draußen bringen.

Kathy Rocholl

Dabei sollen ursprünglich in Deutschland gehaltene Tierrassen, die aus Gründen der mangelnden Wirtschaftlichkeit nach und nach aus den Ställen und von den Feldern verschwunden sind, wieder angesiedelt werden. Und so tummeln sich mittlerweile nicht nur ganz „normale Hühner auf dem Biohof in Höhrath, sondern auch das Deutsche Sperberhuhn. „Dazu haben wir das Husumer Sattelschwein, die Thüringer Waldziege und das rauwollige Pommersche Landschaf auf unserem Hof“, sagt Kathy Rocholl. Als Nächstes sei dann die Frage aufgekommen, was sonst noch möglich wäre. „Wir haben lange überlegt, was wir machen können. Es sollte eben nicht nur ein Streichelzoo sein“, sagt sie weiter.

Als Idee sei dann das Thema der Tierpatenschaften aufgekommen. „Wir wollten das Thema der vom Aussterben bedrohten alten Rassen nach draußen zu den Menschen bringen. Sie sollten die Unterschiede zwischen dem klassischen rosa Ferkel und einem Husumer Sattelschwein kennen, und den zwischen dem Sperberhuhn und einer klassischen Henne“, sagt Kathy Rocholl. Die ersten Patenschaften sind von Familien übernommen worden. „Das ist ganz gut angekommen“, sagt die 39-Jährige.

Der nächste Schritt geht nun in Richtung der Schulen. „Mein Sohn Tom besuchte im vergangenen Schuljahr in die erste Klasse in der Grundschule Reinshagen. Die Pinguinklasse ist auch schon hier gewesen, als erste Schule überhaupt, und hat sich ein Patentier ausgesucht – das Sperberhuhn“, sagt Kathy Rocholl.

„Sie hat mich angesprochen und gefragt, ob ich Interesse an einer Tierpatenschaft hätte“, sagt Lehrerin Christina Matthes. „Die Kinder waren natürlich Feuer und Flamme“, sagt Matthes und lacht. Die Grundschüler hätten über das Tier abgestimmt, für das sie die Patenschaft übernehmen wollten. „Mich hat allerdings ein wenig überrascht, dass sie sich für das Huhn entschieden haben“, sagt die Lehrerin.

Nach dem Besuch haben sich die Schulkinder mit den Tieren im Unterricht beschäftigt. „Es ist natürlich Teil des Sachkunde-Unterrichts, kann aber auch fächerübergreifend behandelt werden“, sagt Christina Matthes. Die Klasse hätte von Kathy Rocholl ein liebevoll zusammengestelltes Heft mit Informationen sowie ein Foto von Patenhuhn Carlotta bekommen, mit dem sie sich das Schuljahr über beschäftigten.

„Sie bekommen allgemeine Infos über Hühner, aber auch ganz spezielle zum Sperberhuhn. Anschließend kamen sie wieder auf den Hof. Bei einem zweistündigen Besuch, bei dem sie nicht nur die Sperberhühner, über die sie so viel gelernt haben, noch einmal sehen konnten – sondern auch den restlichen Hof kennenlernten“, sagt die 39-Jährige. Das Angebot kostet 200 Euro inklusive der Materialien und der Besuche auf dem Biohof. „Es gab mehrere Anfragen für voriges Schuljahr“, sagt Kathy Rocholl.

Landwirte wollen Alternativen der Tierhaltung aufzeigen

Neben einem weiteren wirtschaftlichen Standbein für den Biohof, gehe es ihr vor allem darum, Alternativen in der Tierhaltung aufzuzeigen. „Natürlich waren es ursprünglich wirtschaftliche Gründe, warum diese alten Rassen nicht mehr genutzt wurden. Und es sind die Zahlen, die es deutlich machen: Ein Husumer Sattelschwein muss vor der Schlachtung mindestens ein Jahr alt sein, außerdem bekommt es seltener Ferkel als das heute vor allem gezüchtete Schwein – und das ist auch schon nach drei bis sechs Monaten schlachtreif“, sagt Kathy Rocholl.

Auch die Zahl der pro Jahr gelegten Eier eines Sperberhuhns liegt mit 120 bis 180 Stück etwa um die Hälfte niedriger als bei einem normalen Huhn. Dass hier das Tierwohl nicht an erster Stelle stehen kann, ist dabei noch einmal eine ganz andere Geschichte.

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