Naturschutz

Ein Paradies für Insekten

Armin Dahl gilt als ausgewiesener Experte in Sachen Hirschkäfer. Dies ist ein präpariertes Exemplar. Foto: Stephan Köhlen
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Armin Dahl gilt als ausgewiesener Experte in Sachen Hirschkäfer. Dies ist ein präpariertes Exemplar.

Armin Dahl setzt sich für Wildblumenbeete in der Haaner Innenstadt ein.

Von Bernd Schuknecht

Haan. Gut 20 Jahre hat Armin Dahl benötigt, seine ökologisch geprägte Vorstellung vom Garten Eden im Haaner Spörkelnbruch zu realisieren. 1998 ermöglichte es ein Zufall, dass der engagierte Umweltschützer, der in Tübingen Biologie studiert hat, gemeinsam mit seiner Frau das Haus samt 4500 Quadratmeter Grund erwerben konnte. Das in der Luft liegende Grundrauschen könnte in der Einbildung als ferne Meeresdünung wahrgenommen werden, in Wirklichkeit ist es jedoch der niemals abreißende Verkehr auf der Autobahn 46. Der untere Teil des Grundstücks grenzt an ein Naturschutzgebiet, das zu Hilden gehört. Konsequent trägt Dahl dem Umweltschutz auf seinem Grundstück Rechnung.

Zu seinem Haus gehört ein eigener Trinkwasserbrunnen sowie eine Kläranlage, und Solarzellen sorgen für Warmwasser. Lediglich Strom und Kommunikationsleitungen kommen noch von außen. „Ich bin nun jetzt kein klassischer Selbstversorger, aber was man machen kann als Ökologe, das wird dann schon gemacht“, sagt Dahl, der auch als Gutachter in ökologischen Fragen tätig ist. Nicht gemacht, jedenfalls nur bedingt von Menschenhand, wird die ausgedehnte Grünfläche, eine vor blühender Vielfalt strotzende Blumenwiese.

Mal ist es die Schafgarbe, mal ist es der Löwenzahn, der Insekten anlockt. Äpfel, Quitten, Zwetschgen und Birnen hat der Obstgarten im Angebot. Neun Schafe übernehmen den Mäh-Job. Ein Zaun rund um den Obst- und Gemüsegarten verhindert, dass der Feinschmeckersinn der Wolltiere den Johannisbeeren schadet.

„Ich bin nun jetzt kein klassischer Selbstversorger, aber was man machen kann als Ökologe, das wird dann schon gemacht.“
Armin Dahl, Biologe

Die Blütenvielfalt ist ein wahres Eldorado für Schmetterlinge und Nachtfalter. „Seit 15 Jahren bin ich damit beschäftigt, dass Vorkommen von Nachtfaltern in meinem Garten, das schätzungsweise rund 700 Arten umfasst, zu fotografierten und zu bestimmen“, erklärt Dahl, der auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan (Agnu) regelmäßig seine wissenschaftlich fundierten Analysen zum Zustand von Flora und Fauna in der Region veröffentlicht.

Unter dem Titel „Flower Power in the City“ wirbt er dafür, dass in der Innenstadt statt aufwendig zu pflegender Monokultur-Beete mehr Flächen für die Anlage von Wildblumen genutzt werden. „Eine Analyse der Technischen Universität Darmstadt hat ergeben, dass auf diese Weise mehr als 200 Prozent mehr bedrohte Insekten eine Heimat finden würden, und die Unterhaltskosten für das öffentliche Grün bis zu fünfmal niedriger kalkuliert werden könnten“, sagt Dahl in Richtung Politik.

Im Ittertal existiert eine große Population von Hirschkäfern

Insekten haben es ihm besonders angetan. „Als ich vor mehr als 15 Jahren meinen Sohn zur Kita brachte, fand ich auf dem Weg einen toten Hirschkäfer und dachte zunächst, es sei ein seltenes Exemplar“, berichtet Dahl, der fortan seine Hirschkäfer-Forschung aufnahm.

Vor mehr als 15 Jahren begann die Agnu damit, die Hirschkäfer in der Region zu kartieren. Daraus wurde der „Hirschkäfer-Steckbrief der Agnu Haan“. Insbesondere im Ittertal zwischen Solingen-Wald und Hilden gäbe es eine große Population dieser Käferart, die seit der Eiszeit überlebt hat. „Der Käfer findet in Haan gute Überlebenschancen, da auf manchem Villengrundstück wegen der freien Sicht Bäume gefällt wurden, das Wurzelwerk jedoch im Boden belassen wurde, wo Käferlarven beste Lebensvoraussetzungen finden“, freut sich der Hirschkäfer-Experte, dessen Expertise mittlerweile bundesweit gefragt ist.

Seine Hirschkäfer-Meldungen gibt Armin Dahl heute an einen Kollegen weiter, der schon seine Doktorarbeit über die Hirschkäfer geschrieben und einen eigenen Verein gegründet hat, der sich mit dem Insekt beschäftigt.

Lebensraum

Seit 2017 hat die Agnu eine acht Hektar große Fläche, die in Ober-Haan als Ausgleichsfläche für ein Industriegebiet entstanden ist, gepachtet. Seit 2018 ist dort eine Wildwiese entstanden. Durch sie soll die Artenvielfalt an Pflanzen und Insekten erhalten, oder besser noch, sogar gesteigert werden.

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