Interview

In der Pandemie kommt die Hantelbank per Post

In Ronsdorf werden die Pakete täglich automatisiert sortiert und den zuständigen Fahrern zugeordnet. Fotos (2): Jessica Balleer/DHL
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In Ronsdorf werden die Pakete täglich automatisiert sortiert und den zuständigen Fahrern zugeordnet.

Holger Schalk, Leiter der mechanisierten DHL-Zustellbasis in Ronsdorf, über die Paketflut und Knöllchen für Zusteller.

Das Gespräch führte Daniel Neukirchen

Wuppertal. Vor fünf Jahren ging die mechanisierte DHL-Zustellbasis in Ronsdorf ans Netz. Seitdem haben den Standort – einer von vier in Wuppertal – rund 15 Millionen Pakete durchlaufen. Jährlich werden es mehr. Auch weite Teile Remscheids werden von hier aus mit Paketen versorgt. Unsere Redaktion sprach mit Holger Schalk, Leiter des DHL-Standorts in Ronsdorf, über den Trend zu mehr Paketen und die damit verbundenen Herausforderungen.

Um die Weihnachtszeit werden normalerweise so viele Pakete verschickt wie zu keiner anderen Jahreszeit. Kam in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie der Ansturm viel früher?

Holger Schalk ist Leiter des DHL-Standorts in Ronsdorf.

Holger Schalk: Die tägliche Sendungsmenge liegt aktuell bei 12 500 Paketen am Tag, im Starkverkehr rund um Weihnachten können es bis zu 20 000 Pakete werden. So viel waren es jetzt in der Coronazeit nicht, aber seit Beginn der Pandemie fahren wir schon fast unter vorweihnachtlichen Bedingungen. Man merkt: Die Leute bestellen mehr online und verschicken auch mehr. Zum Beispiel an die Familie, weil man sich nicht mehr so häufig besuchen konnte.

Haben die Wuppertaler durch die Infektionswelle auch andere Dinge online bestellt als vorher?

Schalk: Zu Beginn der Pandemie hat man es ganz stark gemerkt, dass die Leute sich selbst Dinge wie Gartenmöbel haben liefern lassen, obwohl die Gartenmärkte ja noch geöffnet hatten.

Welche ungewöhnlichen Sendungen gab es noch?

Schalk: Wir hatten im Sommer unzählige Fahrräder in der Zustellung. So etwas habe ich noch nie erlebt. Gerne genommen wurden auch Hantelbänke, Rudergeräte oder Laufbänder.

Und die Räder und Laufbänder transportieren die Zusteller dann auch bis an die Haustüre?

Schalk: Wir stellen grundsätzlich an der Wohnungstür zu. Bei ganz sperrigen Dingen wird geklingelt und mal gefragt, ob man es vielleicht auch zu zweit hochtragen kann. Meist kennen die Kunden ja auch die Zusteller. Das ist unser Riesenvorteil. Ich glaube, wenn sich jetzt jemand sein neues Rad bestellt, sagt der einfach seinem Zusteller, wo er es hinhaben möchte.

Wird das zum Problem, wenn immer mehr Leute schwere und sperrige Dinge bestellen?

Schalk: Was heißt Problem? Das ist unsere Aufgabe. Die meistern meine Zusteller seit Monaten vorbildlich. Die Gewichtsgrenze für unsere normale Zustellung liegt bei 31,5 Kilo.

Da bleibt man als Zusteller sicher fit.

Schalk: Das ist quasi Workout ohne Fitness-Studio.

Auf der Straße haben es die Zusteller im innerstädtischen Bereich nicht leicht, weil sie dort halten müssen, wo eigentlich kaum Platz ist. Wie handhabt das die DHL mit Knöllchen, die da sicherlich immer mal anfallen?

Schalk: Wir merken schon, dass wir vonseiten der Behörden auf viel Verständnis stoßen. Da werden gerade im innerstädtischen Bereich nicht sofort Knöllchen verteilt. Ansonsten handhabt die DHL das aber so wie andere Firmen auch. Wenn ich geblitzt werde oder falsch parke, muss ich dafür selber aufkommen. Nur in Einzelfällen wird das übernommen.

Gibt es Ideen, wie man diesem Verkehrsproblem Herr werden kann?

Schalk: Es kommen bei der Post in bestimmten Gebieten, wo es eng wird, Streetscooter, E-Bikes oder E-Trikes zum Einsatz. Die Krux ist nur, dass ja die Pakete vielfach sperriger und größer werden. Die hundertprozentige Lösung ist da noch nicht gefunden.

In der Ronsdorfer Zustellbasis, in der die Sendungen maschinell vorsortiert werden, sind rund 150 Mitarbeiter beschäftigt. Sind das weniger als in einer Basis, in der noch von Hand sortiert wird?

Schalk: Nein. An nicht mechanisierten Standorten sortieren die Zusteller die Pakete von Hand. Bei uns geht der Prozess einfach nur schneller und ist ergonomischer. Es ist nicht so, dass an dieser Stelle durch Automatisierung Arbeitsplätze weggefallen sind.

Die Zahl der Sendungen steigt Jahr für Jahr. Steht dann schon bald wieder eine Erweiterung in Wuppertal an?

Schalk: Ob es weitere Pläne vonseiten des Konzerns gibt, weiß ich nicht. Der neue mechanisierte Standort an der Schwesterstraße ist ja erst vor ein paar Monaten ans Netz gegangen. Was auf jeden Fall geplant ist: das Netz der Packstationen weiter auszubauen und mehr DHL-Paketshops anzubieten. In Wuppertal gibt es rund 40 DHL-Packstationen. Die Zahl wird steigen.

Die Packstationen liegen im Trend, oder?

Schalk: Ja, eindeutig. Das ist ein riesiger Boom. Die Packstation ist kostenlos, zeitlich flexibel und die meisten sind 24/7 erreichbar. Deutschlandweit sind mittlerweile 6000 am Netz.

Wenn ich will, dass mein Paket zu Weihnachten pünktlich ankommt, bis wann muss ich es spätestens verschickt haben?

Schalk: Am 19. Dezember für ein Paket innerhalb Deutschlands und am 22. Dezember für einen Brief - natürlich vor der Leerung. Dann sollte es hinhauen. Allerdings sehen wir auch diese wahnsinnigen Mengen an Sendungen. Daher: Jeder Tag zusätzlicher Puffer, den man seiner Sendung gibt, macht es realistischer, dass das Geschenk wirklich an Heiligabend unterm Baum liegt.

Zahlen

Die mechanisierte Zustellbasis der DHL in Ronsdorf versorgt den Bereich von Barmen, Elberfeld, Cronenberg und Ronsdorf über Remscheid, Lennep und Lüttringhausen bis nach Wermelskirchen und Radevormwald. Die Zusteller beliefern – je nach Paketaufkommen – bis zu 92 Zustellbezirke. Im Jahr 2016 durchliefen die Zustellbasis gut drei Millionen Päckchen und Pakete. 2019 lag die Zahl bei rund vier Millionen.

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