Besuch im Tal

Palästinensische Jugendliche entdecken Wuppertal und die Region

Schüler der Gesamtschule Else Lasker-Schüler und des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau haben Besuch von zwei Schülergruppen aus Dura, Palästina.
+
Schüler der Gesamtschule Else Lasker-Schüler und des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau haben Besuch von zwei Schülergruppen aus Dura, Palästina.

Wuppertal. Für eine Woche sind in Wuppertal 13 Schüler aus dem Westjordanland zu Gast. Die Gruppe absolviert ein umfangreiches Besuchsprogramm.

Von Michael Bosse

Ein strammes Programm haben 13 Schülerinnen und Schüler aus dem palästinensischen Westjordanland noch bis kommenden Sonntag bei ihrem Besuch in Wuppertal zu absolvieren. Die Jungen und Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren und ihre zwei Lehrkräfte sind im Rahmen eines Schüleraustauschs für gut eine Woche gekommen und bei Gastfamilien von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Else Lasker-Schüler und des Johannes-Rau-Gymnasiums untergebracht worden. Wegen der Corona-Pandemie hatte der ursprünglich bereits für 2020 vorgesehene Besuch verschoben werden müssen. Bei der Betreuung leistet auch der palästinensische Freundschaftsverein Wuppertal Unterstützung.

Für die palästinensischen Jugendlichen wurde ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt: So besuchten die Jugendlichen unter anderem den Kölner Dom sowie die Ditib-Zentralmoschee, auch eine Bootsfahrt auf dem Rhein fand statt. Zudem schauten sie im Wuppertaler Rathaus vorbei und warfen via Sternwarte in Erkrath-Hochdahl einen Blick ins All. Auch ein Abstecher in den Müngstener Brückenpark und eine Fahrt in den Movie Park Bottrop-Kirchhellen waren geplant.

Weil aber auch etwas gelernt werden sollte, nahmen die palästinensischen Jugendlichen an einem Projekttag zum Thema „Nachhaltigkeit“ teil. „Da haben unsere Schüler etwas über die Wasserstoff-Busse der Stadtwerke oder das Müllheizkraftwerk erzählt“, sagt Daniel Flöper, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Gesellschaftslehre an der Gesamtschule Else Lasker-Schüler und einer der Betreuer der Gruppe. Die palästinensischen Schüler hätten im Gegenzug etwas über die Nutzung von Solarenergie in ihrem Land erzählt.

Die Schülerinnen kommen aus einer Mädchenschule in Hebron, die Schüler aus Dura, einer Nachbarstadt Hebrons. Die Verkehrssprache zwischen den palästinensischen und deutschen Jugendlichen ist Englisch, wo das gelernte Wissen nicht ausreicht, wird flugs die Übersetzer-App auf dem Handy konsultiert. Bei einer spontanen Umfrage unter den Jungen und Mädchen ist das Lob überschwänglich. Der Besuch in Wuppertal sei großartig („amazing“), erklärt die 16-jährige Meera. Sie habe jetzt guten Einblick in das Leben in Deutschland bekommen. Die 17-jährige Aseel lobt die „gute Erfahrung“, die sie durch die Fahrt nach Wuppertal gemacht habe.

Mohammad (16) findet den Besuch einfach nur „gorgeous“ (herrlich), wenn er sich auch an das wechselhafte Wetter hierzulande erst gewöhnen musste. Auch auf der deutschen Seite ist man von den Gästen aus dem Nahen Osten angetan. „Wir haben neue Leute und andere Kulturen kennengelernt“, sagt die 15-jährige Lena, Schülerin des Johannes-Rau-Gymnasiums. Das Programm sei allerdings mitunter „sehr anstrengend“ gewesen.

Nicht ganz einfach war allerdings die Anreise der palästinensischen Gruppe nach Deutschland. Da aufgrund der politischen Situation in Israel ein Direktflug von dort nach Deutschland nicht möglich war, musste die Gruppe via Jordanien in die Türkei fliegen und dort einen Anschlussflug nach Düsseldorf nehmen. Auch die Folgen der Corona-Pandemie erschwerten bis zuletzt die Einreise, wie Gesamtschuldirektor Silvio Geßner berichtet. Erst kurz vor dem geplanten Termin sei es gelungen, alle Visafragen zu klären.

Erste Kontakte wurden bei einer Videokonferenz geknüpft

Und im digitalen Zeitalter hatten sich die Jugendlichen aus dem Westjordanland und Wuppertal via Video-Telefonie im Vorfeld zumindest virtuell kennenlernen können. So gab es bereits Anfang April eine Videokonferenz, bei der Schülerinnen und Schüler erste Kontakte knüpfen konnten. Gäste und Gastgeber waren sich dann am vergangenen Wochenende bei der Begrüßung nicht mehr ganz so fremd. Betreuer Flöper lobt auf jeden Fall den Zusammenhalt in der Gruppe: „Die Stimmung zwischen den Jungen und Mädchen ist super!“

Programm

Das Austauschprogramm mit den palästinensischen Schülern hatte die Gesamtschule Else Lasker-Schüler im Jahr 2017 gestartet, bereits fünf Jahre vorher war ein Schüleraustausch mit dem israelischen Beer Sheva gestartet. Damit stellt sich die Gesamtschule in die Tradition ihrer Namenspatin, die der Ansicht war, dass es im Heiligen Land keinen Krieg geben darf und die Versöhnung zwischen den Völkern angestrebt werden sollte.    

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

„Streiks ziehen Kollateralschäden nach sich“
„Streiks ziehen Kollateralschäden nach sich“
„Streiks ziehen Kollateralschäden nach sich“
Von-der-Heydt-Museum senkt den Eintrittspreis
Von-der-Heydt-Museum senkt den Eintrittspreis
Von-der-Heydt-Museum senkt den Eintrittspreis
Bürger werden in Wuppertal zu Ersthelfern
Bürger werden in Wuppertal zu Ersthelfern
Bürger werden in Wuppertal zu Ersthelfern
Remscheid genießt bei Menschen aus der Ukraine einen guten Ruf
Remscheid genießt bei Menschen aus der Ukraine einen guten Ruf
Remscheid genießt bei Menschen aus der Ukraine einen guten Ruf