Osterholz: Kritik an Waldbewässerung

Die Waldbewässerungsaktion der Kalkwerke Oetelshofen im Osterholz mit David Schuster und Till Iseke (v.l.). Archivfoto: Köhlen
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Die Waldbewässerungsaktion der Kalkwerke Oetelshofen im Osterholz mit David Schuster und Till Iseke (v.l.). Archivfoto: Köhlen

Forstwirt Elmar Stertenbrink sorgt sich um das Gehölz – Forstamt solle eingreifen

Von Sarah Dietel

Haan Wie Forstwirt Elmar Stertenbrink das Osterholz einordnet? „Als wertvolles Kleinod, als vielseitiges und naturbelassenes Waldstück voller erhabener Bäume, wie es sie nur noch selten gibt.“ Bedeutend sei die Frage, was im Osterholz geschieht – dort, an der Grenze zwischen Wuppertal und Haan, in einem der wertvollsten Waldgebiete der Region.

Die Interessen dort scheinen kaum vereinbar: Die Kalkwerke Oetelshofen planen eine neue Halde und wollen Wald roden, die Initiative „Osterholz bleibt“ setzt sich gegen die Baumfällung ein. Bei einem Waldspaziergang der Initiative war Stertenbrink als einer von gut 70 Besuchern zugegen. Er erklärt, warum die Waldbewässerung, zu der die Kalkwerke alle zwei Wochen einladen, dem Wald langfristig eher schadet als nützt und sieht die Schutzwirkung, die das zuständige Forstamt Gummersbach ausüben müsste, als nicht gewährleistet an.

„Das Osterholz an sich ist wahrscheinlich Jahrtausende alt.“

Elmar Stertenbrink

Auch das Osterholz leidet unter der Trockenheit Das Osterholz leide, wie der Wald generell, unter Trockenheit. „Diese beobachten wir Forstwirte seit etwa zehn Jahren, und zwar vor allem daran, dass die Wälder zehn permanente Mastjahre hinter sich haben.“ Diese Jahre sind benannt nach den reichen Jahren, in denen Landwirte in früheren Zeiten ihre Schweine in den Wald trieben, damit ihr Schinken aufgrund der Nahrungsfülle besonders wohlschmeckend würde. Im Gegensatz zu anderen Pflanzen, die jährlich Früchte tragen, liegen zwischen diesen Mastjahren bei Bäumen normalerweise drei bis fünf Jahre. Die Trockenheit bewegt sie aber dazu, in einem ungeheuren Kraftakt jährlich Früchte zu tragen, um sich angesichts drohender Dürreperioden möglichst rasch fortzupflanzen – woran sie selbst ausgezehrt zu Grunde gehen.

„Bäume opfern sich, um die Erhaltung ihrer Art zu sichern“, so Stertenbrink. Für die Nachkommen muss die Trockenheit nicht so nachteilig sein wie für ihre Vorfahren, da der Wald seit Jahrmillionen gelernt hat, mit klimatischen Veränderungen umzugehen. So geben die Mutterbäume an ihre Sprösslinge weiter, wie sie mit weniger Wasser überleben können: Die Baumkinder werden nicht so groß, damit sie ihr Blattwerk mit weniger Feuchtigkeit gut versorgen können.

„Wenn nun aber durch Bewässerung in diese Informationen eingegriffen wird, schadet man dem Wald langfristig eher, als das ihm das Wasser nützt.“ Dies haben Untersuchungen des renommierten Thünen-Institutes ergeben, bei denen Zöglinge, die der mittlerweile vorhandenen Frühjahrstrockenheit ausgesetzt sind, besser zurechtkamen als solche, deren Mutterbäumen Wasser zugeführt wurde. Die Natur helfe sich stark selber.

Wer die Trockenheit eines Waldes einschätzen wolle, müsse auf den Boden schauen, nicht in die trockenen Baumspitzen. „Wenn dort neues Grün wächst, ist der Wald noch nicht verloren. Und er muss nicht gewässert werden.“ Buchenkinder beispielsweise können in Bodennähe in einer Art Wartestellung verharren, bis die große Buche stirbt und Platz, Licht und damit Wachstum ermöglicht.

„Diese Information beruhigt mich einerseits, da mein Herz sehr am Wald hängt“, so Stertenbrink. „Dennoch ist die Geschwindigkeit, mit der der Mensch, der erst so kurz auf dieser Erde weilt, dem Planeten große klimatische Veränderungen zuführt, erschreckend. Dieser Geschwindigkeit sollten wir uns entgegenstellen. Wir dürfen dem Wald nicht zu viel abverlangen.“

Bei allem Verständnis für unternehmerische Interessen stelle sich in so finalen Fragen die Frage, ob eine Rodung für temporäre menschliche Interessen tatsächlich vertretbar sei. „Die ältesten Buchen dort sind ungefähr 90 Jahre alt. Das Osterholz an sich ist aber viel älter, wahrscheinlich Jahrtausende alt.“

Elmar Stertenbrink sieht das Forstamt Gummersbach in der Pflicht, dies kritisch zu prüfen und den Wald zu schützen, was bisher nicht ausreichend geschehen sei.

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