Großprojekt

Osterholz: Kalkwerke dürfen Halde erweitern

Moritz und Jörg Iseke im Steinbruch Oetelshofen. Archivfoto: Stefan Fries
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Moritz und Jörg Iseke im Steinbruch Oetelshofen.

Wuppertaler Bezirksregierung erteilt Oetelshofen Genehmigung – Kritik gibt es von einer Bürgerinitiative

Von Eike Birkmeier

Wuppertal. Die geplante Haldenerweiterung der Kalkwerke Oetelshofen und insbesondere die damit verbundene Fällung von rund 1000 Bäumen im Waldgebiet Osterholz bleibt umstritten. Seit Montag liegt die Genehmigung für das Großprojekt vor und befeuert die Auseinandersetzung erneut. Der entsprechende Planfeststellungsbeschluss wurde von der Bezirksregierung Düsseldorf an das Unternehmen übergeben. Danach sind die Kalkwerke zur Ablagerung von Nebengestein in einer Größenordnung von über zwei Millionen Kubikmetern auf einer Fläche von sieben Hektar berechtigt.

„Das Osterholz ist nicht der Hambacher Forst.“

Marcel Hafke (FDP)

„Allerdings hat die Betreiberin zum Schutz der Anwohner Staub- und Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen sowie Vorgaben für eine geregelte Oberflächenentwässerung der Halde umzusetzen“, heißt es in einem Schreiben der Bezirksregierung. Zur Berücksichtigung des Artenschutzes würden Nisthilfen für den Waldkauz aufgestellt und durch das Anlegen neuer Gewässer gefährdete Arten wie die Kreuzkröte geschützt.

Die Kalkwerke begrüßen den Planfeststellungsbeschluss. „Dadurch erhalten wir die rechtliche Möglichkeit, das geplante Vorhaben umzusetzen“, heißt es in einer Stellungnahme der Geschäftsführung. Durch das lange Genehmigungsverfahren und die detaillierte Ausarbeitung sehe sich das Unternehmen „fachlich und rechtlich optimal aufgestellt“. Zudem seien auch kritische Anmerkungen und Vorschläge berücksichtigt. Die entstehende Halde werde großflächig aufgeforstet, so dass es keinen Verlust an Waldfläche gebe. Bezüglich des Protests gegen die Pläne bemängeln die Kalkwerke „Polemik der Kritiker“ und das „Verbarrikadieren von Wander- und Rettungswegen im Osterholz mit Stacheldraht und Baumstämmen“, im vergangenen Frühjahr.

Till Iseke von der Oetelshofen-Geschäftsführung erklärt, dass die Haldenerweiterung nach dem Ende der Gehölzschnitt-Sperrfrist am 1. Oktober zeitnah umgesetzt werde. „Wir möchten einen offenen Konflikt vermeiden, werden das Vorhaben aber anhand der geltenden Gesetze durchsetzen“, stellt Iseke klar.

Die Bürgerinitiative „Osterholz bleibt“ übt Kritik an der Genehmigung. „Meine Fachaufsichtsbeschwerde wegen der artenschutzrechtlichen Prüfung, ist noch nicht bearbeitet worden. Der Artenschutz wird von der Unteren Naturschutzbehörde Wuppertal mit Füßen getreten. Die Stadt hat bis heute ihren Flächennutzungsplan nicht geändert. Was sich hier abspielt, ist ein Skandal“, so Sprecherin Marjolein Schlüter. Auch die Fraktion der Linken sei „entsetzt“. Gerd-Peter Zielezinski: „Wir finden es skandalös, dass weder die Untere Naturschutzbehörde noch der grüne Oberbürgermeister aktiv geworden sind, um den alten Buchenwald zu schützen.“

Dagegen sieht der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion Marcel Hafke die genehmigte Haldenerweiterung als „positives Signal für den Standort“. Er verweist auf Kalk als einen der wichtigsten Rohstoffe und würdigt die Kalkwerke als lokal verwurzelten Betrieb, der Verantwortung für Natur, Mensch und Region übernehme. „Das Osterholz ist nicht der Hambacher Forst und die Kalkwerke Oetelshofen sind nicht RWE.“

Grüne und SPD sind enttäuscht über die geplante Rodung

Enttäuscht über den Beschluss ist der umweltpolitische Sprecher der Wuppertaler Grünen, Ulrich-Timmo Christenn: „Für uns ist das ein herber Schlag“, betont er. Es habe Gespräche und Initiativen gegeben, um Lösungen zu finden, ohne dass Wald gerodet wird. „Im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft brauchen wir neue Geschäftsmodelle, die Ressourcen nicht vernichten, sondern wieder nutzbar machen.“ Ein Großteil der Halde wird auf Vohwinkeler Gebiet liegen. „Vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung passt eine Abholzung in dem Umfang sicher nicht mehr“, sagt Bezirksbürgermeister Georg Brodmann (SPD). Allerdings spreche die rechtliche Situation für die Kalkwerke. „Solange hier nicht grundlegende Parameter geändert werden, wird eine Bezirksvertretung in der Sache wenig ausrichten können.“

Die Bürgerinitiative will weiterhin für den Erhalt des Osterholz Waldes mit Demos am 12. und 17. Juni kämpfen.

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