Kriminalität

Opfer der Gucci-Bande ist Pflegefall - „Meinen Vater so zu sehen, ist schwer“

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Ecevit Polat ist nach der brutalen Attacke auf seinen Vater wie die ganze Familie schockiert. 

WUPPERTAL Ecevit Polat, der Sohn des 70-jährigen Opfers der „Gucci-Bande“ trauert. Sein Vater bleibt zeitlebens ein Pflegefall.

Von Katharina Rüth

„Mein Vater war ein ziemlich lebendiger Mensch“, sagt Ecevit Polat. Jetzt ist davon nicht mehr viel übrig. Denn sein Vater ist das Opfer des Angriffs der beiden 14-jährigen Jungen, die seit Freitag in Wuppertal vor Gericht stehen. Sie sollen seinen Vater, einen 70-jährigen Rentner, in Heckinghausen zusammengeschlagen haben. Jetzt ist Polats Vater ein Pflegefall. Der Sohn und die zweite Ehefrau schildern, wie es dem 70-Jährigen und seiner Familie geht.

„Er kann nicht mehr reden, er kann auf einem Auge nichts mehr sehen, er kann nicht mehr schlucken“, beschreibt Ecevit Polat den Zustand seines Vaters. Eine Seite sei gelähmt, die Hände könne er nur teilweise bewegen. Er sei bettlägerig, brauche Hilfe beim Anziehen, beim Toilettengang, im Rollstuhl müsse er festgebunden werden, damit er nicht herausfällt.

Wie viel sein Vater mitbekommt, wissen sie nicht, denn er kann nicht sprechen. „Er versteht nur ein bisschen“, sagt der Sohn. Seine Stiefmutter, die zweite Frau seines Vaters, sagt: „Manchmal denke ich, er erkennt mich nicht.“ Von dem Überfall wisse er nichts mehr, er wisse oft nicht einmal, ob er am Tag zuvor Besuch gehabt habe.

Dabei sind sie ständig bei ihm, Ehefrau, Kinder und Schwiegerkinder wechseln sich ab. „Wir wollen ihn nicht allein lassen und wir wollen ihn motivieren“, sagt Ecevit Polat. Die Ehefrau sagt, Physio- und Ergotherapie hätten ein wenig Besserung gebracht. Doch jetzt habe er eine Lungenentzündung, das werfe ihn zurück. „Er ist nicht motiviert“, sagt der Sohn.

Dabei sei sein Vater sein ganzes Leben lang sehr fleißig gewesen. „Er war der erste türkische Gemüsehändler in Wuppertal.“ Ab 1980 hatte er ein Geschäft am Wichlinghauser Markt, später an der Gathe und der Kölner Straße. Mit 67 habe er sich zur Ruhe gesetzt. „Wir hatten beschlossen, nicht so viel zu sparen, sondern einfach das Leben zu genießen“, sagt die Ehefrau. Sie hätten so viel gearbeitet und gekämpft. Reisen wollten sie, für nächsten Monat war eine Reise nach Marokko geplant.

Der Vater will nach Hause, aber das ist nicht möglich

Wie es jetzt weitergeht, ist noch nicht klar. „Wenn wir uns von ihm verabschieden, zeigt er uns mit der Hand, dass er mitgehen will“, berichtet Ecevit Polat. Aber in seinem jetzigen Zustand könne der Vater nicht nach Hause. Er brauche eine barrierefreie Wohnung. „Wir wollen auf keinen Fall, dass er in eine Einrichtung kommt“, sagt der Sohn, der auch darüber nachdenkt, für den Vater Platz in seinem Haus zu machen.

„Wir fühlen uns allein gelassen“, sagt Ecevit Polat. Sie hätten sich zudem mehr Unterstützung gewünscht. Beim Weißen Ring hat er jetzt einen Antrag auf Opferentschädigung gestellt.

Als Strafe für die Jungen fänden sie Haftstrafen gerecht. „Das sind Intensivtäter, die kann man nicht so schnell resozialisieren“, sagt Ecevit Polat. Und: „Die haben unser Leben zerstört.“

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