Platzreduzierungen

Oper cancelt zwei Termine, Schauspiel vor 34 Gästen

Eine Szene aus der beliebten „Die Zauberflöte“-Inszenierung der Oper. Zwei Termine am Wochenende mussten kurzfristig abgesagt werden. Foto: Jens Grossmann
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Eine Szene aus der beliebten „Die Zauberflöte“-Inszenierung der Oper. Zwei Termine am Wochenende mussten kurzfristig abgesagt werden.

Platzreduzierungen aufgrund der Corona-Regelungen treffen auch die Wuppertaler Spielstätten hart.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Mozarts „Die Zauberflöte“ ist eine rätselhafte Oper, Bernd Mottl hat daraus eine spritzige Inszenierung für die Wuppertaler Oper gezaubert, die verschiedene Medien, Locations und Zeiten erfrischend durcheinandermischt. Sehr zur Freude der Zuschauer. Im September wurde Premiere gefeiert, seither gab es zwar wenige, aber ausverkaufte Aufführungen. Die Coronakrise hatte schon Vorbereitungen und Probenarbeit stark beeinträchtigt, nun unterbindet sie den Kunstgenuss vorerst gänzlich. Die beiden Aufführungen am kommenden Wochenende mussten nun kurzfristig abgesagt werden.

„Es passiert nichts, warum differenziert die Politik nicht?“
Intendant Thomas Braus

In der neuen Wuppertaler Verfügung vom 21. Oktober nun sind nur noch 100 Zuschauer oder 20-prozentige Auslastung erlaubt, es sei denn, es gibt ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept, das dem einzelnen Zuschauer rundherum 1,50 Meter Abstand sichert. Um das einzuhalten, müsste das Platzkonzept der Oper, das bislang jede Reihe nutzt, überprüft und geändert werden. Die Geschäftsleitung der Bühnen wollte sich gestern nicht dazu äußern, betonte jedoch, dass es fairer sei, die Aufführungen erstmal abzusagen.

Opern-Intendant Berthold Schneider reagiert enttäuscht: „Große Opernaufführungen mit vielen Beteiligten auf und hinter der Bühne sind bei dem extrem limitierten Platzangebot nicht mehr sinnvoll durchführbar.“ Dabei gehörten Theater derzeit zu den sichersten Orten überhaupt. Er fordert: „Durch den Verzicht auf Theateraufführungen wird es uns nicht gelingen, die Pandemie einzudämmen. Vielmehr müssen wir die unterschiedlichen Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens differenziert nach ihrem Infektionsrisiko betrachten.“

Außerdem wird an der konzertanten Premiere vom „Barbier von Sevilla“ festgehalten. „Die Zauberflöte“ steht dann wieder für den 8. November an. Neue Aufführungstermine werden zwar gesucht, aber die Möglichkeiten sind wegen der Belegung der Bühne begrenzt.

Etwa, weil hier auch das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch auftritt. Ab 21. November soll für sieben Tage „Das Stück mit dem Schiff“ aufgeführt werden. Aktuell wird mit der Stadt über Auslastung und Schutzkonzepte gesprochen.

Die Stadthalle hat gerade beim 2. Sinfoniekonzert erlebt, wenn sich hundert Zuschauer im Großen Saal „verlieren“. Nun passt Geschäftsführerin Silke Asbeck die Bestuhlung an die geforderten Abstände von 1,50 Meter an. Dafür müsse man keine erweiterte Rückverfolgung gewährleisten – heißt nachweisen, wer wo bei einer Veranstaltung gesessen habe. Dennoch „können wir über die Karten lückenlos aufklären“. Viele Veranstalter sagten dennoch ab. „Wir haben bis zum Jahresende fast nur noch das Sinfonieorchester im Haus“.

Theater gehören zu den sichersten Orten in der Pandemie

Aus eins macht zwei ist ein Schritt, den auch das Schauspiel geht, um große Nachfrage und reduzierte Platzzahl überein zu kriegen. „Benefiz“ von Ingrid Lausund wird am Sonntag um 17 und 20 Uhr aufgeführt, dafür entfällt der Termin um 18 Uhr. Bei aktuell 34 Zuschauern, nachdem die Spielzeit zuvor schon mit 50-prozentiger Auslastung auskommen musste. Dennoch, so Intendant Thomas Braus, habe er alle Stücke des Spielplans retten können, biete soviel wie nie an und erfahre eine entsprechend große Nachfrage.

Die Reduzierungen kann er nicht verstehen, „weil es bisher keinen einzigen Nachweis dafür gibt, dass ein Theater ein Hotspot ist“. Braus verweist auf das gute Hygienekonzept: Beide Bühnen seien gut durchlüftet, das Publikum trage Mundschutz, rede nicht. Begegnungen der Zuschauer werden durch ein ausgefeiltes Ein- und Auslasssystem minimiert, bei „Atlas“ von Thomas Köck auf die zur Inszenierung gehörende Podiumsdiskussion verzichtet. Die Zuschauer fühlen sich sicher, so Braus: „Es passiert nichts, warum differenziert die Politik nicht?“ Das Schauspiel müsse auch deshalb bislang keine Aufführungen canceln, weil es einen geringeren Aufwand betreiben müsse als das Musiktheater.

Natürlich weiß der Intendant um die geringeren Einnahmen, die auch bei 50-prozentiger Auslastung zu verzeichnen waren. Er sorgt sich um die Kunst, deren Systemrelevanz mal wieder faktisch in Frage gestellt werde. Und fragt sich, wie es weiter geht: „Die Reduzierungen sind schon hart. Aber wir spielen weiter.“

Karten

Premiere: Die Premiere für „Der Barbier von Sevilla“ ist am 31. Oktober. Karten gibt es unter Tel. (0202) 563 76 66.

Kartenrückgabe: Die Karten für die beiden abgesagten Aufführungen der Zauberflöte werden storniert, gezahlte Tickets rückerstattet. Die Buchungen für die „Benefiz“-Aufführung am Sonntag, 18 Uhr, werden storniert und erstattet, der Neuverkauf für die neuen Vorstellungen um 17 und 20 Uhr beginnen am 22. Oktober 10 Uhr:

wuppertaler-buehnen.de

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