Nachhaltige Mobilität

Der Zug für die Nordbahntrasse als Bahnstrecke ist abgefahren

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Die Nordbahntrasse – hier ein Foto in Richtung Germanenstrasse aufgenommen – ist als Rad- und Fußweg ein Erfolgsmodell.

WUPPERTAL Dass die Rheinische Strecke wiederbelebt wird, scheint ausgeschlossen — und das ist auch gut so, sagen die Stadt Wuppertal und Wuppertalbewegung.

Von Manuel Praest

Jogger, Spaziergänger, Hundehalter oder Radler – das sind aktuell die Nutzer der Nordbahntrasse. Wenn es nach der Allianz Pro Schiene und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) geht, könnte sich das aber wieder ändern. Sie haben kürzlich eine Liste von 186 ehemaligen Bahnstrecken vorgestellt, die aus ihrer Sicht deutschlandweit reaktiviert werden könnten. Mit dabei: die Rheinische Strecke, heute bekannt als Nordbahntrasse. Eine Idee, die nicht nur im Wuppertaler Rathaus allerdings auf wenig Gegenliebe stößt. „Der Zug ist im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren“, sagt Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Die Idee kommt 20 Jahre zu spät.“ Die Nordbahntrasse habe Wuppertal weit über die Grenzen der Stadt bekannt gemacht, vielfach gab es Auszeichnungen für das Projekt. „Sie ist aus Wuppertal gar nicht mehr wegzudenken.“ Zumal der Umbau auch mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde.

Wieso geriet aber ausgerechnet dieses Vorzeigeprojekt in den Fokus von Pro Schiene und VDV? Die Reaktivierung von Bahnstrecken sei aus Umweltgründen sinnvoll, hieß es Mitte Mai in Berlin, als die Liste präsentiert wurde. „Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung eine Verdopplung der Fahrgastzahlen vorgenommen. Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir den langjährigen Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen und ihn an geeigneten Stellen rückgängig machen“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann damals.

Doch auch, wenn der Vorschlag zur Nordbahntrasse in den Sozialen Netzwerken eifrig diskutiert wurde und Eisenbahnfans, die schon seit Jahren für eine Wiederbelebung der Rheinischen Strecke zum Beispiel für die S-Bahn plädierten, sich bestätigt fühlten, kam schnell der Verdacht auf, dass die Verbände möglicherweise gar nicht auf dem Schirm haben, was aus der ehemaligen Bahnstrecke mittlerweile geworden ist.

Wuppertalbewegung verweist auf den ökologischen Wert der Trasse

„Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen“, sagt Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung, die hinter dem Projekt Nordbahntrasse steht. Es sei ökologisch nicht sinnvoll, dort wieder Bahnen fahren zu lassen. „Und ökonomisch sowieso nicht“, führt Gerhardt aus und verweist zum Beispiel auf die veränderten baulichen Gegebenheiten. Die Gleise sind abmontiert, einige Streckenbereiche mittlerweile überbaut worden. Und Viadukte müssten neu errichtet werden, ist er sicher. Zudem sei die Nordbahntrasse gar nicht mehr als Bahnstrecke gewidmet, sondern offiziell als Straße – als Dr.-Werner-Jackstädt-Weg.

Auch die Mär, dass die Nutzung als Rad- und Fußweg ja nur „übergangsweise“ sei, bis wieder Bedarf für eine Bahnstrecke besteht, widerlegt die Stadt als Eigentümer. „Sie muss als Verkehrsweg erhalten bleiben.“ Und das sei mit der Nordbahntrasse ja eindrucksvoll gelungen. Unter anderem gab es 2015 dafür den Deutschen Fahrradpreis.

Also keine Chance für den Vorschlag von Pro Schiene und VDV? Es ist unstrittig, „dass wir mehr Kapazitäten brauchen, um die Verkehre von heute und morgen zu bewältigen“, so ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung. Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen liege im ureigensten Interesse der DB. „Wenn Leistungen in einem Umfang bestellt werden, die dem Infrastrukturbetreiber einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen, kann durchaus eine Reaktivierung in Erwägung gezogen werden“, heißt es allgemein aus der DB-Pressestelle. Zu einer Perspektive für Wuppertal wolle man sich aber nicht äußern und verwies ans Land.

Im Verkehrsministerium sehe man „in der Reaktivierung von Schienenstrecken ein großes Potenzial“, so eine Sprecherin. Vor allem durch die Reduzierung von Emissionen im Verkehrssektor. Jede Reaktivierung müsste als Einzelfall betrachtet werden. Das gelte auch und gerade für Strecken, „die in der Zwischenzeit zu Rad- und/oder Wanderwegen umfunktioniert worden sind“. Dafür müssten die Aufgabenträger, laut Ministerium Zweckverbände für SPNV-Maßnahmen oder Städte für kommunale Schienenmaßnahmen, die Projekte für den ÖPNV-Bedarfsplan anmelden. Aber, so klingt durch, wäre der Aufwand schon ein gewaltiger.

Andreas Mucke jedenfalls hält die Rückkehr der Rheinischen Strecke für „unvorstellbar“. Reaktivierungen von Bahnstrecken seien grundsätzlich durchaus sinnvoll, aber nicht in diesem Fall. „Da hat jemand die Rechnung ohne den Wirt gemacht.“ Zumindest mit der S 28, die aktuell gerade nach Wuppertal verlängert wird, gebe es ja ein Projekt in diese Richtung.

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