Neues Denkmal macht nachdenklich

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Zur Einweihung des Denkmals kamen viele Gäste in den Ronsdorfer Stadtgarten. Foto: Andreas Fischer

Ein Mahnmal erinnert an hingerichtete Deserteure. Drei von ihnen waren auf dem Weg nach Solingen.

Von Andrea Bindmann

Wuppertal. Es war ein milder Frühlingstag im Jahr 1945. Herbert Schulz nutzte ihn zur Gartenarbeit, als er von drei Soldaten am Gartenzaun nach dem Weg Richtung Solingen gefragt wurde. Einer Ahnung folgend, riet der Ronsdorfer den Männern, einen anderen Weg einzuschlagen, um nicht in die Hände linientreuer Nazis zu fallen.

Doch die Männer schlugen seinen Rat in den Wind und folgten der Straße weiter, geradewegs in ihren Untergang. Ein Nachbar bemerkte die Soldaten, benachrichtigte die Feldjäger und kurze Zeit später wurden sie festgenommen.

Verbrieft ist: Am 28. März 1945 wurden die Männer vor einem Standgericht wegen Fahnenflucht verurteilt und gleich darauf auf dem Erbschlö hingerichtet. „Es wird berichtet, dass die Leichen direkt an der Straße abgelegt wurden und dort mehrere Tage verblieben. Wo sie bestattet wurden, ist bis heute unklar“, sagt Günter Urspruch vom Heimat- und Bürgerverein Ronsdorf.

Genau diese Geschichte war der Ursprung für die Idee, einen Weg zu finden, der Wehrmachtsdeserteure würdevoll zu gedenken. Schüler und Lehrer der Erich-Fried-Gesamtschule, die Begegnungsstätte Alte Synagoge und Historiker Florian Harms haben das umgesetzt.

Die Jugendlichen stellten fest, dass Deserteure durchaus unterschiedlich beurteilt wurden. „Zunächst haben wir mit Passanten gesprochen“, erinnert sich Till Sörensen, der zu der Arbeitsgruppe gehörte. Die Ergebnisse erschütterten die Jugendlichen: „Es gab Menschen, die auf der Straße geweint haben. Sie hatten als Kinder auf dem Erbschlö Patronenhülsen gesammelt und es war ihnen all die Jahre gar nicht bewusst, dass diese von Erschießungen herrührten.“ Doch auch Bürger, die die Soldaten als Verräter bezeichneten, sind ihnen begegnet.

Historiker korrigiert die Zahl der Hingerichteten von 8 auf 23

Im Zuge der Recherchen brachte der Historiker Florian Hans weitere Belege für erschütternde Schicksale ans Tageslicht. Zu Beginn der Arbeiten waren acht Deserteure namentlich bekannt, die auf dem Erbschlö erschossen wurden – inzwischen sind 23 belegt. Der Jüngste zählte 18 Jahre.

Seit Sonntag erinnert im Ronsdorfer Stadtgarten ein Denkmal an ihr Schicksal. Es besteht aus acht unregelmäßigen Quadern, deren Höhe sukzessiv ansteigt. Die Inschriften „Verflüchtigt, Verfolgt, Verhaftet, Verurteilt, Vernichtet, Verdammt, Verloren, Vergessen“ sollen den Werdegang eines Deserteurs beschreiben.

„Es ist beschämend, dass es so lange gedauert hat“, sagt Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Das Grundrecht ,Die Würde des Menschen ist unantastbar’ gilt auch für Deserteure.“ Das Denkmal solle zum Nachdenken anregen, „es soll impfen gegen die Keime des Rassismus“.

Mit dem Appell, nicht zu schweigen, sondern sich darauf zu besinnen, dass die Gegner dieser Strömungen ihren Protest laut äußern mögen, wurde schließlich das Denkmal enthüllt. Das Datum war nicht zufällig gewählt. Der Antikriegstag am 1. September erinnert an den deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939.

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