Wildgehege

Neuer Stall für Neandertal-Wisente

Ein Wisent im Neandertal. Archivfoto: Dietrich Janicki
+
Ein Wisent im Neandertal.

Zucht im Eiszeitlichen Wildgehege der vom Aussterben bedrohten Tiere

Von Sandra Grünwald

Mettmann. Im März vergangenen Jahres begannen die Bauarbeiten für die geräumige Wisentzuchtanlage nahe der Hauptstraße Erkrath-Hochdahl. Um die Anlage im Neandertal möglichst sicher und Wisent-gerecht zu gestalten, holte der Kreis Mettmann den Rat von Experten des Wuppertaler Zoos ein. Der massive Stall verfügt über eine Stahlkonstruktion und wird nicht nur kranken Herdentieren als Rückzugsort dienen, sondern auch kalbenden Kühen.

Denn das Ziel der Wisentanlage ist es, diese bedrohte einheimische Wildtierart durch Zucht zu erhalten. Der Wisent, der auch Europäischer Bison genannt wird, bevölkerte noch bis ins Mittelalter die Wälder in Zentral-, West- und Südosteuropa. In den 1920er Jahren war der Wisent jedoch bereits so gut wie ausgestorben.

„Mit der Ankunft der Tiere kann im August gerechnet werden.“

Mettmanns Kreissprecherin Daniela Hitzemann

Es ist der Initiative von Zoos und Privatpersonen zu verdanken, dass es mittlerweile wieder freilebende Wisentherden im polnisch-weißrussischen Bialowieza-Nationalpark, aber auch im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge gibt. Alle heute lebenden Wisente stammen von zwölf in Zoos und Wildgehegen gehaltenen Wisenten ab. Mit der Wisentzuchtanlage des Neandertalhofes will der Kreis Mettmann ebenfalls einen Beitrag zum Erhalt dieses beeindruckenden Landsäugetiers leisten. Dafür nahm er insgesamt 1,1 Millionen Euro in die Hand.

Neben dem Wisentstall ist auch ein Gebäude für Maschinen und Werkzeuge entstanden. Aktuell stehen letzte Arbeiten an.

Außer dem stabilen Stall wurde ein Gebäude für Maschinen und Werkzeuge gebaut. Nun werden letzte Arbeiten verrichtet. Eigentlich war geplant, dass die jungen Wisentkühe im Mai einziehen können. Dieser Plan konnte jedoch nicht eingehalten werden. „Lieferschwierigkeiten bei Zaunelementen, insbesondere der Außentore zum Gehege, verzögern die Inbetriebnahme des Wisentstalls noch, so dass mit der Ankunft der Tiere erst im August gerechnet werden kann“, sagt Kreissprecherin Daniela Hitzemann. Erwartet werden drei Jungkühe im Alter zwischen einem und eineinhalb Jahren. „Zwei kommen aus Hardehausen, eine aus Springe.“

Da die Tiere sehr sensibel sind, sollen sie eine Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Jahren bekommen, bevor ein Jungbulle einzieht und die Zucht beginnen kann. Nach der Fertigstellung der Wisentzuchtanlage soll es an den Bau des dritten Gebäudes des Neandertalhofes gehen. Derzeit werde an den Plänen für das Umweltbildungszentrum gearbeitet. Ob der Baubeginn noch 2021 sein wird oder sich auf 2022 verschiebt, steht noch nicht fest.

Auch, was die zukünftige Nutzung des Kalksteinbruchs Neandertal betrifft, steht immer noch nichts fest. Ideen für den Steinbruch schließen neben der Rekultivierung einiger Bereiche auch eine ökologische Bildungsstätte sowie Angebote für Freizeitsportler ein. Außerdem ist eine Jugendherberge im Gespräch. Das Problem ist, dass bisher noch kein Konzept vorgelegt wurde, das den Anforderungen der Landes- und Regionalplanung gerecht wird. „Vorgabe der Landesplanung ist der Freiraumschutz“, erklärt Mettmanns Baudezernent Kurt Werner Geschorec. „Daher sind alle Nutzungen, die nicht nur dort erfolgen können, also keinen konkreten Bezug zum Neandertal haben, dort schlicht nicht zulässig beziehungsweise umsetzbar.“

Hintergrund

Neandertalhof: Wisentkühe sind wesentlich leichter als Bullen. Die Jungkühe, die noch dieses Jahr im Neandertalhof einziehen werden, werden wohl um die 180 Kilo auf die Waage bringen.

Zucht: Nach ihrer Eingewöhnungszeit im Gehege werden sie dann um die 400 Kilo wiegen, ein Bulle kann bereits 500 Kilo auf die Waage bringen. Im Gehege gehaltene Tiere werden schwerer als freilaufende.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Supagolf lockt an den Mirker Bahnhof
Supagolf lockt an den Mirker Bahnhof
Supagolf lockt an den Mirker Bahnhof
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Treibgut drückt gegen Brücken
Er ist „Bademeister“ aus Leidenschaft
Er ist „Bademeister“ aus Leidenschaft
Er ist „Bademeister“ aus Leidenschaft
Auf der Spur der „verlassenen Orte“ in Wuppertal
Auf der Spur der „verlassenen Orte“ in Wuppertal
Auf der Spur der „verlassenen Orte“ in Wuppertal

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare