Bestand stark gestiegen

Neue Pächter verjagen Wildschweine

Frank Sobkowiak (l.) mit Lotte und Torsten Bertram mit Alma sind seit vergangenem Jahr die Jagdpächter im Gelpetal. Foto: Stefan Fries
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Frank Sobkowiak (l.) mit Lotte und Torsten Bertram mit Alma sind seit vergangenem Jahr die Jagdpächter im Gelpetal.

Wuppertal. Erleichterung im Cronenberger Gelpetal – im vergangenen Jahr hatten die Tiere viele Schäden angerichtet.

Von Katharina Rüth

Anfang 2020 war der Frust im Unter- und Oberdahl noch groß: Immer wieder fanden Anwohner ihre Gärten zerwühlt vor, erschreckten sich Kinder: Wildschweine besuchten regelmäßig die Gärten der Hofschaft in Cronenberg. „Jetzt haben wir eine sehr entspannte Situation“, stellt Anwohner Alexander Küpper erfreut fest. Er ist dafür den beiden neuen Jagdpächtern Torsten Bertram (54) und Frank Sobkowiak (59) sehr dankbar.

Der Schädlingsbekämpfer und der Baumschulbetreiber, beide aus Hilden, haben das Jagdrevier Gelpetal vor einem Jahr übernommen und erstmal 34 Hochsitze gebaut. Auf denen haben sie dann viele Abendstunden verbracht. Das Ergebnis: Die Wildschweine sind aus der Grünfläche zwischen Ober- und Unterdahl verschwunden und zeigen sich auch sonst seltener im Gelpetal. Die Grünfläche sei von drei Seiten von Bebauung umgeben, erklärt Bertram mit Blick auf Bäume, Büsche und Wiese zwischen Einfamilienhäusern. Hier habe es sich eine Rotte aus drei Muttertieren mit ihren Jungen, bis zu 18 Tiere, häufig gemütlich gemacht.

„Schweine sind schlau, die wissen, wo sie Feuer kriegen.“

Landwirt Frank Gietenbruch

Deshalb sei so mancher Anwohner Wildschweinen begegnet. „Das war Gefahr für Leib und Leben“, sagt Küpper. Sein Sohn sei mal von einem Wildschwein verfolgt worden. An ihrem Grundstück hätten die Tiere Zaun und Einfahrt zerstört, sogar Terrassenplatten angehoben und die Wiese umgegraben, und 10 000 Euro Schaden verursacht. „Kein Mensch kommt dafür auf“, klagt Küpper. Dann fanden sich die neuen Pächter.

Bertram und Sobkowiak jagten schon länger zusammen, hätten sich zu der gemeinsamen Pacht entschlossen. Von den Problemen mit den Wildschweinen haben sie gewusst. Als Jagdpächter müssen sie zwar nicht für Wildschäden bei Privatleuten aufkommen, aber für die bei Landwirten. Auch die gab es, etwa bei Frank Gietenbruch, dessen Pferdeweiden regelmäßig von den Wildschweinen aufgewühlt waren. Für ihn seien die Schäden durch die Tiere existenzbedrohend gewesen. Denn der Schadenersatz decke nicht alle Verluste.

Bertram und Sobkowiak sind mehrmals in der Woche in ihrem Revier, verbringen viele Stunden auf den Hochsitzen. „Man muss schon zehn bis 15 Stunden sitzen, bevor man etwas schießen kann“, erläutert Bertram. „Das ist aber auch Entspannung.“ Mit diesem „steten Ansitzen“ hätten sie das Wildschwein-Problem in den Griff bekommen, etwa die Rotte aus dem Areal zwischen Ober- und Unterdahl vertrieben. „Die riechen uns und haben dann keine Lust mehr.“ Sie haben aber auch im Jahr 2020 insgesamt 19 Wildschweine erlegt und so den Bestand reduziert. Landwirt Gietenbruch sagt dazu: „Schweine sind schlau, die wissen, wo sie Feuer kriegen.“

Den beiden Pächtern helfen noch vier weitere Jäger, die einen „Begehungsschein“ für das Revier haben und einen Teil der Tiere schießen dürfen. Sie helfen den Jagdpächtern auch bei weiteren Aufgaben, etwa dem Entfernen von überfahrenen Wildtieren, dem Aussäen von Kräuterwiesen für das Wild oder der Einpinselung von Jungpflanzen mit Bitterstoff, um diese vor dem Anknabbern durch Wild zu schützen. Manchmal müssen sie auch Hundehalter ansprechen, ihre Hunde auf den Wegen zu halten. Einige ließen ihre Vierbeiner auf landwirtschaftliche Flächen wie etwa Wiesen, auf denen Hundekot in die Nahrungskette gelangen würde. Und, so mahnt Bertram: „Wir haben Brut- und Setzzeit“, viele Tiere hätten gerade Junge. „Dann gilt Leinenpflicht.“

Im Gelpetal scheinen die Wildschweine keine Probleme mehr zu machen. Andre Geier von der Unteren Jagdbehörde bestätigt, er habe von dort lange keine Meldung mehr über Schäden erhalten. In anderen Revieren gibt es aber noch Ärger: So berichtet etwa Claudia Hohn von der Königshöhe, dass dort erst kürzlich wieder Wiesen aufgewühlt waren.

Bestand

Der Bestand an Wildschweinen ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Die Tiere haben keine natürlichen Feinde, zudem lassen milde Winter und ein reichliches Nahrungsangebot viele Jungtiere überleben. Wildschweine wühlen die Erde auf, weil sie nach Regenwürmern und Engerlingen als Eiweißnahrung suchen. Das brauchen sie besonders in der Zeit, in der sie Junge säugen, so die Experten.

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