Innenstadt

Leerstand im Wuppertaler Luisenviertel

Im Luisenviertel ist abends viel los, häufig entstehen dabei nachts auch Auseinandersetzungen. Seit längerem wird deshalb diskutiert, ob es einen Nachtbürgermeister geben sollte, der die Konflikte schlichten könnte.
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Im Luisenviertel ist abends viel los.

Wuppertal. Es gibt Lücken im idyllischen Bild der Flanierstraße.

Von Alina Komorek

Schon morgens um 10 Uhr ist die Friedrich-Ebert-Straße eine der belebtesten in Wuppertal. Hin und wieder öffnet jemand eine Ladentür, die Tische der Cafés und Restaurants stehen für die ersten Gäste bereit und in den Schaufenstern warten Second Hand-Schätze und Spielzeuge aller Art auf ein neues Zuhause.

Allerdings gibt es auch Lücken im idyllischen Bild der Flanierstraße: Etwa ein halbes Dutzend Ladenlokale steht leer, darunter ein ehemaliger Feinkost-Markt, ein Pop Up-Store für Kunst, eine Apotheke und eine Bäckerei. Michael Kozinowski, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Friedrich-Ebert-Straße und Inhaber der Buchhandlung Mackensen, findet: „Jeder Leerstand ist natürlich erst einmal traurig.“ Die IG versuche bereits, eines der leer stehenden Häuser sauber zu halten – alles Weitere scheitere aber daran, dass sonst nichts mit der Immobilie passiere.

In der Hausnummer 54 war bis vor Kurzem ein Feinkost-Markt, der angibt, aus „privaten Gründen“ geschlossen zu haben. „Kundschaft gab es ja genug, da weiß man nicht so genau“, berichtet Kozinowski. Unter der Nummer, die der Inhaber selbst auf einem Schild an dem Ladenlokal angebracht hat, ist er nicht erreichbar gewesen. Auch Thomas Kring, Bezirksbürgermeister in Elberfeld und Inhaber eines Weinladens in der Luisenstraße, bedauert, dass der Feinkost-Markt habe schließen müssen. Er selbst habe dort hin und wieder eingekauft, Laden und Inhaber geschätzt. „Hier gibt es sicherlich gute Chance auf eine Nachfolge“, vermutet er. Kring fügt aber hinzu, dass dem Luisenviertel ein Discounter für die alltäglichen Einkäufe fehle. Zwar freue er sich über alle kleinen Geschäfte, würde sich aber über eine weitere, preiswertige Einkaufsmöglichkeit im Viertel sehr freuen – damit die Anwohnerinnen und Anwohner für den Einkauf im Viertel bleiben können. „Das könnte eine Stärkung und Ergänzung des Viertels sein“, sagt Kring.

Anna Marquardt führt die Tannenberg-Apotheke – und fühlt sich für die leeren Räume in Hausnummer 67 mit verantwortlich. „Den Leerstand finden wir auch nicht gut; wir versuchen, einen Untermieter zu finden.“ Die Räumlichkeiten hatte die Apotheke für ein Impf- und Testzentrum nutzen wollen, welches dann aufgrund der sich ändernden Bedingungen nicht hatte öffnen können.

Die Friedrich-Ebert-Straße brauche aus Sicht des Bezirksbürgermeisters – wie das gesamte Luisenviertel – eine Mischung aus Wohnen, Einzelhandel und Gastronomie. „Es ist aber auch ein Viertel für den inhabergeführten Einzelhandel – und ich würde mir in diesen Zeiten auch überlegen, ob ich ein Geschäft eröffne“, erklärt Kring mit Blick auf Preissteigerungen, Inflation und Sparmaßnahmen, die es dem Einzelhandel aktuell schwer machen.

Kozinowski von der IG wünscht sich neben dem breiten Gastronomie-Angebot auf der Friedrich-Ebert-Straße mehr Einzelhandel. Richtige Sorgen mache er sich noch nicht – aber auch er wisse, dass die Zeiten schwierig sind. Dass der Leerstand weniger wird, wünscht er sich auf der Straße dennoch: „Es geht einem gut, wenn es dem Nachbarn auch gut geht“, lautet ein Credo. Ihm sei alles willkommen in den leeren Lokalen: „Je bunter und ausgefallener, desto besser.“

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