Historisch

Nach 30 Jahren kommt Wagen 76 nach Hause

Der Schwebebahn-Wagen 76 wartete 2020 in Siegen nach seiner Abhängung auf seinen neuen Käufer. Nun kehrt er nach Wuppertal zurück.
+
Der Schwebebahn-Wagen 76 wartete 2020 in Siegen nach seiner Abhängung auf seinen neuen Käufer. Nun kehrt er nach Wuppertal zurück.

Wuppertal. Die Bahn aus der Baureihe von 1950 stand vor zwei Jahren im Internet zum Verkauf.

Von Katharina Rüth und Christian Töller

Am Wuppertaler Hauptbahnhof soll ein alter Schwebebahnwagen der Hingucker werden – das sind die Pläne von Investor Markus Bürger, die vergangene Woche vorgestellt wurden. Die rot-gelbe Bahn ist zwar kein echter „Kaiserwagen“ aus der ersten Baureihe, auch wenn Bürger ihn immer noch gern so nennt, sondern Wagen 76 aus der Baureihe ab 1950. Und er hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Dass er nun nach Wuppertal zurückkehrt, ist ein „Glücksgriff“, findet der Investor. Die Sanierungspläne für die Bahnhofsgebäude hatte Markus Bürger fertig, „aber das i-Tüpfelchen hat gefehlt“, erinnert er sich. Er habe überlegt, was typisch für Wuppertal ist, und sei natürlich auf die Schwebebahn gekommen. „Ich habe dann bei Google ,Schwebebahn kaufen‘ eingegeben“, erzählt er. Er erhielt in der Bildersuche ein Foto des Wagens, der als „Kaiserwagen“ zum Verkauf angeboten wurde. Dahinter steckte eine Ebay-Anzeige.

Dieses Internetangebot war damals bereits Gesprächsthema in der Stadt: Sabine und Jonas Powell aus Siegen boten den Wagen 76 Anfang 2020 an, der 13 Jahre in ihrem Second-Hand-Geschäft „At Home Factory“ gehangen hatte, Ort für Geburtstage und Fotoshootings war. Weil sie den Wagen aber immer seltener nutzten und mehr Platz im Geschäft brauchten, boten sie ihn für 30 000 Euro im Internet an.

In Wuppertal entstand nach Bekanntwerden des Angebots eine Diskussion darüber, ob dieser Wagen auf dem Platz hinter dem Primark-Gebäude aufgestellt werden soll. Denn die Pläne für eine Fahrradgarage an dieser Stelle hatten sich gerade zerschlagen. Der damalige Oberbürgermeister Andreas Mucke fand: „Ein historischer Schwebebahnwagen vor einem historischen Bahnhof – das passt.“ Auch der damalige Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius war begeistert, das „wäre eine echte Aufwertung des Platzes und ein Blickfang ohnegleichen“, sagte er. Aber im Juni 2020 beschloss der Rat mit den Stimmen von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern, dass auf dem Platz acht Plätze für Taxis entstehen sollen. Umgesetzt ist das bisher noch nicht. Zuletzt hieß es: Vorrang habe der „Wupperpark Ost“.

Markus Bürger ließ sich damals den Wagen erst einmal nur reservieren – denn sein Angebot für die Hauptbahnhof-Sanierung war lediglich in der ersten Auswahlrunde. Als er in die zweite Runde kam, machte er Nägel mit Köpfen und kaufte ihn für eine fünfstellige Summe, konkreter will er zum Preis nicht werden. „Das war Pokern“, gibt er zu. „Es war ja nicht klar, wer die Ausschreibung gewinnt.“ Aber er glaubt auch, dass die Schwebebahn ein wichtiger Teil seines Konzepts war, um die Jury zu überzeugen.

Er selbst ist von dem Gedanken begeistert, dass die Bahn „zurück nach Hause“ kommt. Immerhin habe sie eine lange Reise hinter sich. Nach Recherchen unserer Zeitung war sie 24 Jahre in Wuppertal unterwegs, wurde 1974 an die Tennisabteilung des WSV verkauft. 1984 kaufte die Weinhandlung Bayreuther Straße den Wagen, 1993 wurde daraus das Lokal „Bel Air“ in Köln. Als dessen Betrieb eingestellt wurde, kam die Bahn in eine Gewerbehalle, bis sie 2005 nach Siegen ging.

In Wuppertal soll sie jetzt einen noch spektakuläreren Auftritt als hinter dem Primark-Gebäude erhalten: Zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Nebengebäude soll sie hinter einer Glasfassade aufgehängt werden. „Das wird ein Alleinstellungsmerkmal wie die Freiheitsstatue in New York“, ist Bürger überzeugt. Besucher würden sich den Kopf verrenken nach dieser Sehenswürdigkeit. Die auch begehbar sein soll: Markus Bürger stellt sich vor, dass die Gastronomie im Haus den Wagen für Feiern oder Trauungen vermieten kann.

Wagenreihe

Dass es sich nicht um einen „Kaiserwagen“, einen Wagen der Baureihe von 1900, handelt, stört Martin Bang, Chef von Wuppertal Marketing, nicht: „Das macht den Kohl nicht fett. Es ist ja trotzdem ein tolles Bild, wenn dort ein Schwebebahnfahrzeug frei hängt.“ Die Bahn, in der ab 2023 im Museum am Werth virtuelle Fahrten angeboten werden, stammt jedoch aus der 1900-Baureihe.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Hildener Fußgängerzone: Zufahrten sollen geschlossen werden
Hildener Fußgängerzone: Zufahrten sollen geschlossen werden
Hildener Fußgängerzone: Zufahrten sollen geschlossen werden
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Feuerwehr rettet Bewohner aus brennendem Mehrfamilienhaus
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht
Mehrere Baustellen sorgen tagelang für Zugausfälle in Wuppertal - eine Übersicht
Kind stürzt aus der „Krake“: Das ist die Ursache
Kind stürzt aus der „Krake“: Das ist die Ursache
Kind stürzt aus der „Krake“: Das ist die Ursache

Kommentare