Zeitreise in restaurierter Bahn

Museumsbahn bleibt ein voller Erfolg

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Viele Familien nutzten den gestrigen Sonntag für einen Ausflug in die Kohlfurth: Die Museumsbahn hatte ihren letzten Fahrtag.

Nostalgiker kommen beim letzten Fahrtag des Jahres genauso auf ihre Kosten wie der Nachwuchs.

Von Thomas Rademacher

Wuppertal/Solingen. Für die einen ist es eine Kindheitserinnerung, für die anderen etwas völlig Unbekanntes: Wenn der Triebwagen der Bergischen Museumsbahn sich im Tal an der Kohlfurther Brücke hinauf Richtung Wuppertal-Cronenberg in Bewegung setzt, beginnt eine kleine Zeitreise. Es rumpelt und quietscht, während die komplett restaurierte Straßenbahn durch den Wald fährt. Das Flair ist einzigartig. So kommen regelmäßig nicht nur Fans, sondern auch vielen Familien zum Ausflug am Sonntagnachmittag.

Von April bis Oktober verkehrt die Bahn zwischen der Kohlfurther Brücke an der Solinger Stadtgrenze und Greuel in Wuppertal-Cronenberg jeweils am zweiten und vierten Sonntag im Monat. Dazu findet am kompletten Pfingstwochenende Fahrbetrieb statt. „Damit kommen wir in diesem Jahr auf insgesamt 16 Fahrtage“, bilanziert Guido Korff vom Verein Bergische Museumsbahnen. Zusammen mit 286 Mitgliedern kümmert sich der Schatzmeister liebevoll um die Erhaltung der alten Straßenbahnen. Die Fahrtage gehören freilich zu den Höhepunkten der Saison.

MUSEUMSBAHN

NIKOLAUSFAHRT Die regulären Fahrtage beginnen erst wieder im April 2019, doch für Kinder steht der Saisonhöhepunkt noch bevor. Am 8. und 9. Dezember bietet der Verein insgesamt 20 Nikolausfahrten an. Auf die Kids wartet an der Strecke der Nikolaus mit Geschenktüten. Tickets kosten 15 Euro und müssen vorbestellt werden. www.bmb-wuppertal.de

Das zieht Einwohner des bergischen Städtedreiecks genauso an wie Fans von überall her. „Sogar aus dem Ausland kommen viele“, weiß Korff. „Weil es eben doch etwas Einzigartiges ist.“ Es gibt zwar andere Museen mit ebenfalls hohem Nostalgiefaktor. „Aber da fährt man dann teilweise durch brachliegende Industriegebiete. Bei uns geht es auf einer authentischen Strecke schön durch den Wald.“ Zehn- bis fünfzehntausend Besucher waren auch in dieser Saison wieder dabei. „Genau kann ich es noch nicht sagen, aber wir sind mit den Zahlen sehr zufrieden“, meint der 61-Jährige. Nur an den ganz heißen Sommertagen seien die Leute lieber ins Freibad gegangen. „Ansonsten hatten wir einen sehr guten Zulauf – selbst an Regentagen.“

So ist auch am letzten normalen Fahrtag wieder viel los. Sogar ein Reisebus fährt in der Kohlfurth vor – die Museumsbahn ist attraktiv. „Ich finde es besonders interessant, wie hochwertig die Bahnen ausgestattet sind“, sagt Christoph Ziegler. „Wenn man sieht, wie schnell und günstig heutzutage alles gehen muss, ist es schön zu sehen, wie viel Arbeit früher auch in die Innenausstattung der Bahnen gesteckt wurde.“ Der Wuppertaler ist gemeinsam mit Ehefrau Christiana und Enkelkind Joris gekommen. „Joris hat eh bei uns übernachtet. Meine Frau hat zufällig gelesen, dass heute ein Fahrtag ist, so dass wir beschlossen haben, einen Ausflug zu machen.“

Während beim 64-Jährigen Kindheitserinnerungen hochkommen, ist die Fahrt für sein Enkelkind eine ganz neue Erfahrung. „Wir saßen auf der Fahrt zurück ins Tal direkt hinter dem Fahrer. Das hat ihm sehr großen Spaß gemacht“, berichtet Ziegler, der sich dunkel erinnert, schon mal im Museum gewesen zu sein: „Als meine eigenen Kinder noch jung waren.“

Seit 1992 fahren die Museumsbahnen im Linienbetrieb

Der Fahrbetrieb ist und bleibt damit seit vielen Jahren ein voller Erfolg. Seit 1967 existiert der Verein, seit 1992 befinden sich die Bahnen regelmäßig im Linienverkehr. „Wir sind Deutschlands kleinster konzessionierter Straßenbahnbetrieb“, weiß Guido Korff. „Und seit 27 Jahren unfallfrei.“ Der Verein verfügt auf seinem Betriebshof über 30 Triebwägen. Fünf davon sind fahrbereit und befinden sich regelmäßig auf der Strecke. Das liegt auch an der professionellen Ausbildung der Fahrer. Die meisten arbeiten auch in ihrem normalen Job in für Verkehrsbetriebe. „Sie wissen genau, was zu tun ist, sollte es mal zu einem Problem kommen.“

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