Rasssismus-Debatte

Mohrenstraße: Politiker verschieben Entscheid

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Die Mohrenstraße in Heckinghausen – heißt erst einmal weiter wie sie seit 1873 heißt.

Die Stadt hätte alle Anlieger und Eigentümer einladen müssen - zur Diskussion mit Parteien kamen nur zehn Anwohner.

Von Martin Juhre

Wuppertal. Die Diskussion um den Straßennamen „Mohrenstraße“ hat auch in Wuppertal Fahrt aufgenommen. Nachdem in Berlin die U-Bahn-Station „Mohrenstraße“ künftig anders heißen soll, geht es auch in Wuppertal darum, ob die dortige Mohrenstraße umbenannt werden sollte. Die Mohrenstraße in Heckinghausen heißt seit 1873 so. Seit einer Zeit, kurz bevor Deutschland Kolonialmacht wurde.

In der Bezirksvertretung wurde nun das Thema Mohrenstraße zusammen mit den beiden Änderungsanträgen für einen neuen Namen auf unbestimmte Zeit verschoben. Das hat zwei Gründe. Zum einen meldete Christoph Schirmer (FDP) noch mehr Beratungsbedarf an. Zum anderen waren die Bezirksvertreter in ihrem Vorgehen wohl doch ein wenig zu eilig gewesen. Zwar hatten CDU, Grüne und Freie Wähler in einer Briefkastenaktion die Anwohner zu einem Gespräch eingeladen. Dazu seien aber nur zehn von 112 Parteien gekommen. Außerdem hätten nicht Bezirksvertreter, sondern die Stadt zu einer Bürgeranhörung einladen müssen, so Bezirksbürgermeister Christoph Brüssermann (CDU). Eine solche Einladung sei zudem nicht nur an die Bewohner sondern auch an die Hauseigentümer der Mohrenstraße zu richten.

Die Bezirksvertretung hat also beschlossen, die Stadt zu bitten, entsprechend tätig zu werden. Auf jeden Fall muss ein offizielles Anhörungsverfahren durchgeführt worden sein, bevor sich die BV abschließend der Namensfrage annehmen kann. Zu welcher Sitzung das sein könnte, ist jetzt noch nicht abzusehen. Renate Warnecke (SPD) sprach von „schweren Bedenken der Menschen, die dort wohnen“. Und Heiko Meins (SPD) sagte: „Der Bürgerwille zählt. Er ist entscheidend.“ Einige Anwohner hätten, so war zu hören, von dem Treffen nichts gewusst. Obwohl Guido Mengelberg (Grüne) sagte: „Ich habe alle Briefkästen versorgt. Auch die hinter verschlossenen Türen.“ Auch an Bezirksvertretern war das Treffen vorbeigegangen. Heiko Meins: „Mir war nicht bekannt, dass diese Veranstaltung war. Ich selbst hatte keine Einladung.“

Das Gremium verzichtete gegen den Wunsch von Hans-Joachim Vogler (Die Linke) darauf, schon einmal über die beiden Namens-Änderungsvorschläge zu diskutieren. Da ist zum einen ein Antrag (Die Linke), die Mohrenstraße in Willy-Spicher-Straße umzubenennen. Willy Spicher, der viele Jahre in Heckinghausen gelebt hat, sei bereits 2012 auf die Vorschlagsliste für Straßennamen gesetzt worden. Er saß als Abgeordneter der KPD im Reichstag, saß im Nationalsozialismus im KZ Kemna, war im Stadtrat und im Nordrhein-Westfälischen Landtag.

Im anderen Antrag – von CDU, Grünen und Freien Wählern – wird vorgeschlagen, „Am Gaskessel“ oder „Zum Gaskessel“ zu wählen. Mohr sei die Charakterisierung eines Menschen anhand seiner Hautfarbe, was nicht dem Menschenbild der Antragsteller entspreche. Darüber hinaus gebe es keinen Bezug des Namens Mohrenstraße zu Heckinghausen. Mit dem Aufgreifen des Gaskessels „wird das stadtbildprägende, denkmalgeschützte Monument der Industriegeschichte Wuppertals hervorgehoben. Ebenso wird die Umbenennung der überregionalen Bedeutung des in einzigartiger Weise umgebauten Gaskessels gerecht sowie auch den stadtentwicklerischen Maßnahmen des aktuellen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts“.

Die Verschiebung wurde mit großer Mehrheit beschlossen. Denn: „Das Ganze hat keine große Eile“, wie einer der Vertreter erklärte.

Hintergrund

Debatte: Im Zuge der Rasssismus-Debatte nach dem Tod von George Floyd gerieten auch Namen wie Mohrenstraße (Berlin, Köln) sowie Mohren-Apotheken und Mohren-Häuser (nach Fassadenfiguren benannt) in den Blick.

Wuppertal: In Wuppertal-Heckinghausen ist ein Zusammenhang mit den Kolonien des Kaiserreiches denkbar, so wie bei den Kolonialwarenläden. Die Wuppertaler Straße heißt seit 1873 so – also kurz bevor Deutschland Kolonialmacht wurde.

Berlin: Die bekannteste Mohrenstraße, die Berliner, bekam ihren Namen dagegen bereits 1707.

Deutung: Eine Deutung legt die Verschleppung von Afrikanern zugrunde, die Kurfürst Friedrich Wilhelm veranlasste. Sie wurden in Berlin als Militärmusikanten, Hof- und Kammerdiener eingesetzt und sllen in einem Haus an der Mohrenstraße untergebracht worden sein.

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