Klimaschutz

Modernes Ampelnetz soll bis Ende des Jahres die Luft verbessern

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Rund 4,2 Millionen Euro kosten die Maßnahmen

Wuppertal Städtische Verkehrstechniker arbeiten an der Umsetzung des „Green City Plans“.

Green City Plan

Kosten Rund 4,2 Millionen Euro kosten die Maßnahmen, der Bund übernimmt 1,9 Millionen Euro.

Apps Der Green City Plan umfasst auch die Entwicklung von Handy-Apps: Eine soll Autofahrern helfen, die grüne Welle zu erwischen. Und eine weitere App soll freie Parkplätze anzeigen. Sie soll Mitte des Jahres auf der Homepage der Stadt verfügbar sein.

„Wir werden die Mittelwerte 2020 einhalten.“ Rolf-Peter Kalmbach ist zuversichtlich. Er organisiert bei der Stadt die weitere Modernisierung des Ampelnetzwerks, die den Verkehrsfluss verbessern und damit zu besserer Luft führen soll. Dadurch soll Wuppertal auch endlich die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für Stickstoffdioxid unterschreiten.

Die umfassende Digitalisierung der Verkehrssteuerung durch Ampeln ist die größte Maßnahme im sogenannten Green City Plan zur Luftverbesserung, den die Stadt mit Geld des Bundes entwickelt hat. Der Verkehr soll künftig so gesteuert werden, dass er an den belasteten Straßen zügig abfließt.

Das Steuerungsnetz soll sowohl auf Verkehrsdaten als auch auf Umweltdaten reagieren.

 Dazu müssen aber noch zahlreiche Geräte installiert werden. Derzeit wartet Kalmbach dringend auf Steuerungsgeräte, die aber noch nicht lieferbar sind. „Uns wird gesagt, dass es in Kürze der Fall sein wird“, sagt Kalmbach.

Bis dahin arbeite sein Team parallel daran, mit „Adhoc-Maßnahmen“ kurzfristig Verbesserungen zu erreichen. Denn schon am 12. Februar muss die Stadt dem Oberverwaltungsgericht in Münster glaubhaft darlegen, dass sie die Grenzwerte in diesem Jahr einhalten wird.

Die Adhoc-Maßnahmen sind zunächst verbesserte Ampelschaltungen an Briller und Westkotter Straße, an Gathe, Steinweg und Haeseler Straße – ausnahmslos Straßen mit hoher Stickstoffdioxidbelastung. Die Ampelschaltungen sollen erreichen, dass Fahrzeuge vor allem möglichst gleichförmig bergauf fahren, es wenig Stopps und daraus folgende Anfahrten gibt, bei denen viele Schadstoffe ausgestoßen werden.

Wenn das nicht ausreicht, um die notwendigen Werte zu erreichen, gebe es auch die Möglichkeit, das Tempolimit auf diesen Straßen auf 40 herabzusetzen. Und wenn das auch nicht genug ist, den Zufluss auf die Straßen zu drosseln. Dann würde zum Beispiel auf den Steinweg und die Carnaper Straße nur eine bestimmte Zahl Autos gelassen, die dann zügig über eine grüne Welle zur Autobahn geführt würde. Das Risiko eines Rückstaus müsse dabei in Kauf genommen werden.

„Dabei müssen wir jeweils bedenken, welche Umfahrungen die Autofahrer dann nutzen“, schränkt Kalmbach ein. Es soll vermieden werden, dass es an anderer Stelle zu zu hohen Verkehrs- und Luftbelastungen kommt. Auch die Fußgänger müssten in dem System beachtet werden: Sie sollen nicht zu lang auf ein Grün warten müssen.

Gleichzeitig arbeiten die Verkehrstechniker weiter an der technischen Aufrüstung.

 Die ersten zehn „Road Side Units“, Kommunikationsgeräte für den Straßenrand, sind bestellt, die Ausschreibung für weitere läuft. Sie sollen den Verkehr beobachten, Umweltdaten aufnehmen sowie untereinander und mit der Zentrale Daten austauschen. In Zukunft können sie auch mit den Kommunikationssystemen moderner Autos Daten austauschen. Road Side Units und die erwarteten Steuerungsgeräte sollen bis Mitte des Jahres installiert sein.

Doch das ist nur der erste Schritt. In den Folgejahren soll Künstliche Intelligenz (KI) die Ampeln steuern, dafür arbeitet die Stadt mit dem Uni-Projekt „Bergisch Smart“ und unter anderem dem Unternehmen Aptiv zusammen. Die Software der KI wird den Verkehr und die Wirkungen der Ampelschaltungen beobachten und eigenständig weiter entwickeln. Getestet werden soll das bis Ende 2021 zunächst auf einer Pilotanlage, 2022 könnte es auf das gesamte Ampelnetz übertragen werden.

Möglich ist das nur, weil Wuppertal in Sachen Ampelvernetzung „jetzt schon in der Bundesligaspitze spielt“, sagt Rolf-Peter Kalmbach. Dass die Wuppertaler vergleichsweise wenig innerstädtischen Stau erleben, hätten sie dieser Vernetzung aller Ampelanlagen zu verdanken. In anderen Großstädten werde gerade erst darüber nachgedacht, alle Ampeln zusammenzuschalten.

Kalmbach denkt aber noch weiter. Die dann vorhandene Technik sei optimale Voraussetzung für autonom fahrende Autos. „Es ist erklärter Wille, dass Wuppertal Modellstadt für autonomes Fahren wird.“ Dafür arbeite die Stadt mit dem Uni-Projekt „Bergisch Smart“ zusammen. „Das ist eine Chance, Wuppertal als Technologiestandort nach vorn zu bringen.“

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