Nach Unfall

600 Meter Kahlschlag in Bracken

Auf 600 Metern Länge sind ungefähr 200 Bäume in den vergangenen Wochen abgeholzt worden. Jeder Einzelne von ihnen hätte laut Regionalforstamt eine Gefahr dargestellt. Foto: Stephan Köhlen
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Auf 600 Metern Länge sind ungefähr 200 Bäume in den vergangenen Wochen abgeholzt worden. Jeder Einzelne von ihnen hätte laut Regionalforstamt eine Gefahr dargestellt.

Nachdem ein umstürzender Baum ein Kind nahe Haan lebensgefährlich verletzte, lässt das Forstamt fällen.

Von Peter Clement

Haan. Licht ist es geworden auf dem Wanderweg entlang der Düssel im Gruitener Bereich Bracken. Was bislang ein relativ üppig bewachsenes, im Sommer schattiges Waldstück war, macht jetzt einen rasierten Eindruck. Mehr als 200 Bäume hat das Regionalforstamt Bergisches Land hier nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen abgesägt:

„Wir haben jeden Baum auf Zustand und Standfestigkeit hin geprüft“, sagt Hermann Fröhlingsdorf, der zuständige Fachgebietsleiter. Alles, was jetzt der Säge zum Opfer gefallen sei, habe aus Gefährdungsgründen entfernt werden müssen. „Dabei hat natürlich auch eine Rolle gespielt, dass wir es hier mit einem Wanderweg zu tun haben, der gleichzeitig eine Straße darstellt, die von den Anwohnern in Bracken genutzt wird“, betont Fröhlingsdorf.

Junge lag lange im Koma – nun ist er außer Lebensgefahr

Auf dieser Straße war Mitte November ein zwölfjähriger Junge lebensgefährlich verunglückt, als er von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Er musste noch in derselben Nacht notoperiert werden, lag lange im Koma. Inzwischen befindet sich der Junge einer Polizeisprecherin zufolge auf dem Weg der Besserung. Er ist demnach aus dem Koma erwacht und schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Jetzt gehe es darum, ihn nach und nach wieder zu mobilisieren.

Der Unfall des Zwölfjährigen hatte Rufe nach einer vorübergehenden Sperrung des Weges und einer genaueren Untersuchung des Baumbestandes laut werden lassen. Anwohner berichteten, in den vergangenen zwei Jahren seien immer wieder große Bäume umgekippt. „Wir haben es hier vor allem mit Eschen zu tun, die von einem Pilz befallen sind“, berichtet Forstexperte Fröhlingsdorf. Hinzu komme, dass der private Waldbesitzer offenbar länger keine genauere Kontrolle durchgeführt habe: „Fest steht: Jeder Baum, den wir entfernt haben, hätte eine Gefahr dargestellt.“

Naturschutzwart zweifelt den Sinn der Fällaktion an

Eine Aussage, die Hans-Joachim Friebe nicht so ohne weiteres stehenlassen will. Der Gruitener ist ehrenamtlicher Naturschutzwart des Kreises Mettmann und hat Zweifel am Umfang der Fäll-Aktion. Die verdeutlicht er mit einem Beispiel: „Wenn Ihr Arzt bei Ihnen Fußpilz feststellt, amputiert er doch auch nicht gleich das ganze Bein“, argumentiert er. Die Natur sei nun einmal unberechenbar.

Den Kahlschlag empfindet der Umweltschützer deshalb als reichlich übertrieben, zumal – wenn das Argument des Regionalforstamts Bergisch Land tatsächlich stimme – weitaus mehr Flächen hätten abgeholzt werden müssen. „Schauen Sie mal in den Waldschadensbericht“, rät Naturschutzwart Achim Friebe: „Da werden Sie kaum noch eine gesunde Baumart finden.“

Waldbesitzer

Der Wald, durch den der beliebte Wanderweg der Entdeckerschleife Neandertal führt, ist laut Regionalforstamt Bergisches Land in viele Einzelparzellen unterteilt, die überwiegend Privatleuten gehören.

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