Döppersberg

Mehr Mauer-Ärger: Empfangsgebäude läuft grün an

Thomas Lange zeigt, wo die Mauer am historischen Empfangsgebäude mit Algen überzogen ist. Fotos:
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Thomas Lange zeigt, wo die Mauer am historischen Empfangsgebäude mit Algen überzogen ist.

Wuppertaler Döppersberg: Feuchtigkeit zieht in die Steinplatten und sorgt für Algenbildung.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Die juristische Auseinandersetzung um die Döppersberg-Mauer ist noch nicht beendet, da entwickelt sich die neue Fassade am historischen Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofes zum nächsten Sorgenkind. Die unteren Steinplatten am Boden des Gebäudes sind dunkelgrün angelaufen. Das gleiche Phänomen ist auch im oberen Bereich der Mauer zu sehen, überall dort, wo sich Feuchtigkeit bilden kann. Naturstein-Experte Thomas Lange kann den unschönen Effekt erklären: „Dieser verbaute Stein saugt Wasser wie ein Schwamm.“

Die grüne, pelzige Schicht auf dem Stein sei das Ergebnis von Algenbildung. Diese dauerhafte Durchfeuchtung sei nicht gut für das Material. Langes Urteil zu dem verbauten Sandstein: „Für Mallorca ist der super. Aber für den vielen Regen in Wuppertal und die Temperatur-Schwankungen ist dieser Stein nicht gemacht.“

Verkürzte Lebensdauer bescheinigt

Sind am Döppersberg zwei verschiedene – jeweils ungeeignete – Steintypen verbaut worden? Zur Erinnerung: Steinbruch-Inhaber Thomas Lange war es, der Ende August 2019 die Döppersberg-Mauer mit unserer Redaktion in Augenschein nahm und massive Kritik an Material und Verarbeitung übte. Erst daraufhin ließ die Stadt ein Gutachten anfertigen, das dem Stein eine verkürzte Lebensdauer bescheinigte. Inzwischen hängen aus Sicherheitsgründen Netze vor der Mauer, weil regelmäßig kleinere Bruchstücke aus dem Jura-Kalkstein herausfallen.

Dass einige Steine der Bahnhofs-Fassade bereits anderthalb Jahre nach Einbau so aussehen wie angeschimmelt, ist auch an der Stadt nicht vorbeigegangen. Döppersberg-Projektleiterin Martina Langer sagt: „Das haben wir bereits auf die Mängelliste gesetzt.“ Diese werde sukzessive von der Arge, dem Zusammenschluss der am Döppersberg im Hochbau tätigen Unternehmen, abgearbeitet.

Langer stimmt allerdings nicht zu, dass der Stein generell ungeeignet ist. „Das ist ein ganz anderer Fall als bei der Mauer“, sagt sie. Das Ganze sei ein „Imprägnierungsproblem“. Da sei beim Einbau ein Fehler passiert, doch der chemische Wasserschutz soll noch nachgeholt werden. Dazu müsse der Stein dann zunächst gesäubert werden. „Bevor wir das machen können, muss es erst einmal lange trocken sein“, sagt Langer. Daher werde es mit der Maßnahme noch etwas dauern.

Natursteinexperte Thomas Lange ist von der Imprägnierungslösung nicht überzeugt. Er sagt: „Das ist nur Augenwischerei.“ Dieser Weg sei nicht nachhaltig und führe dazu, dass die Mauer alle drei bis vier Jahre neu geschützt werden muss. Zudem sorge die Imprägnierung dafür, dass sich Feuchtigkeit hinter dem Stein bilden kann, weil sie nicht mehr nach vorne austreten kann. Das könne wiederum den Stein schädigen.

Das Erschreckende: An einzelnen Stellen ist der Stein am Empfangsgebäude bereits ähnlich aufgeplatzt wie die Mauer am Döppersberg. Das könne man sich noch nicht erklären, sagt Martina Langer, komme aber auch auf die Mängelliste. Thomas Lange hat Fotos gemacht, als die Steine auf dem oberen Döppersberg eingebaut wurden. Er habe gesehen: „Die Ware stammt aus Polen.“

Warum nicht den Ruhrsandstein?

Das sei an sich ja nichts Schlimmes, sagt Lange. Allerdings verstehe er nicht, warum ein Stein aus einem 900 Kilometer entfernten Steinbruch genommen wird, wenn es doch hier in der Region den Ruhrsandstein gebe – der exakt zu dem historischen Stein des Gebäudes passen würde. Der Fachmann ist nicht unvoreingenommen: Er selbst betreibt einen Steinbruch in Sprockhövel, beteuert allerdings: „Ich wollte diesen Auftrag gar nicht.“ Er ärgere sich nur als Wuppertaler über die Fehler bei diesem Projekt, zumal er seine Bedenken bereits damals rechtzeitig mitgeteilt habe und auf taube Ohren gestoßen sei.

Elberfelds Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) betrübt die Nachricht von dem grünen Gemäuer: „Ich bedauere es extrem, dass dieses an sich tolle Döppersberg-Projekt im Nachhinein unter dem extrem fehlerhaften Einbau leidet.“ Die Stadt Wuppertal, die sich auf die Aussage von Experten verlassen habe, treffe aber keine Schuld an der gesamten Angelegenheit.

Das alte Bahnhofsgebäude, dessen Zukunft ungewiss ist, hat die Stadt bereits wieder der Deutschen Bahn übergeben. Doch Martina Langer sagt: „Wir kümmern uns weiter.“ Dass auch die grüne Mauer zu einer Klage führen wird, glaubt sie nicht: „Es muss ja nicht jeder Mangel mit einem Rechtsstreit enden.“

Kosten

Das Gesamtprojekt Döppersberg hat 150 Millionen Euro gekostet. Die Natursteinmauer, um die sich ein Rechtsstreit entwickelt hat, wird mit drei Millionen Euro beziffert. Eine Demontage der Steine würde laut Stadt 1,2 Millionen Euro kosten.

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