Brandschauen

Mehr als 700 Gebäude nicht rechtzeitig geprüft

In manchen Fällen hatte die Brandschau sogar eine Evakuierung zur Folge: Im Sommer 2017 wurde ein Hochhaus an der Heinrich-Böll-Straße in Wuppertal-Oberbarmen geräumt, nachdem festgestellt worden war, dass die Fassade aus brennbarem Isoliermaterial bestand. Archivfoto: Anna Schwartz
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In manchen Fällen hatte die Brandschau sogar eine Evakuierung zur Folge: Im Sommer 2017 wurde ein Hochhaus an der Heinrich-Böll-Straße in Wuppertal-Oberbarmen geräumt, nachdem festgestellt worden war, dass die Fassade aus brennbarem Isoliermaterial bestand. Archivfoto: Anna Schwartz

Corona-Krise hat das Personalproblem der Feuerwehr verschärft – Brandschauen teils drei Jahre zu spät.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. In Wuppertal müssen 3400 besonders gefährdete Gebäude nach dem Landesgesetz regelmäßig von der Feuerwehr in Bezug auf ihren Brandschutz überprüft werden. Wie unsere Redaktion nach Anfrage bei der Wuppertaler Wehr erfuhr, sind inzwischen mehr als 700 dieser Objekte nicht im Zeitplan inspiziert worden. Davon werden 500 Gebäude von der Feuerwehr niedrig priorisiert. Sie müssten alle sechs Jahre untersucht werden – doch im Schnitt ist die Feuerwehr nach eigenen Angaben hier drei Jahre in Verzug.

Abteilungsleiter Tobias Krebber beim vorbeugenden Gefahrenschutz der Feuerwehr erklärt die Versäumnisse mit dem Personalmangel: „Die Gesamtzahl der Leistungen, die von der Feuerwehr erbracht werden, wurde größer.“ Konkret nahmen die Aufgaben der Feuerwehr in der Corona-Pandemie sprunghaft zu. Wie Teamleiter Jan Weschollek berichtet, wurden seine sechs Mitarbeiter, die sich eigentlich um die Brandschauen in der Stadt kümmern, im Herbst und Winter des vergangenen Jahres zur Unterstützung bei den Corona-Massentests an Schulen eingesetzt. Zwischen Mitte März und Mai wurden die Brandschauen nach einem Erlass des Landes aus Gründen der Kontaktbeschränkung ganz ausgesetzt.

Einige Immobilien seit 18 Jahren nicht mehr kontrolliert

Das habe dazu geführt, dass in 2020 nur 522 Gebäude eine Brandschau erhalten haben. Damit lag die Feuerwehr ein Fünftel unter ihrem Soll. Das zusätzliche Problem: Aus den Vorjahren hat sich eine Welle von liegengebliebenen Brandschauen aufgestaut, die abgebaut werden müsste. In 2016 lag die Erfüllungsquote lediglich bei 66 Prozent, in 2017 bei 69 Prozent, in 2018 bei 79 Prozent. 2019 mahnte das Rechnungsprüfungsamt der Stadt: Einige Immobilien wurden seit fast 18 Jahren nicht mehr von der Feuerwehr in Augenschein genommen. In der Folge erfüllte die Wehr im gleichen Jahr einmalig das Soll.

Krebber sagt: „Die Brandschauen sind der Teil unserer Arbeit, auf den wir am ehesten verzichten können.“ Rein rechtlich sind sie aber vorgeschrieben. Im Paragrafen 26 des Landesgesetzes über Brandschutz heißt es, dass Gebäude, „die in erhöhtem Maße brand- oder explosionsgefährdet sind“ oder „in denen der Ausbruch eines Brandes eine Großzahl von Personen“ gefährden könnte, regelmäßig zu überprüfen sind.

Besonders schützenswerte Bauten wie Krankenhäuser, Kindergärten und Pflegeheime müssen alle drei Jahre kontrolliert werden. Hier versichert Krebber: „Bei diesen Gebäuden sind wir 100 Prozent im Soll.“ Andere gefährdete Gebäude wie Hochhäuser, Gewerbeobjekte oder Bahnhöfe müssen nur alle sechs Jahre überprüft werden. Hier ist der Stau am größten. Dass die Brandschauen keine folgenlose Formalie sind, zeigt die Tatsache, dass die Feuerwehr während dieser Visiten allein im vergangenen Jahr 119 Mängel festgestellt hat.

Personal

Die Wuppertaler Feuerwehr verfügt aktuell nach Angaben von Feuerwehrchef Ulrich Zander über 535 besetzte Planstellen. 70 davon sind Ausbildungsstellen. Seit dem Jahr 2015 werde das Personal sukzessive aufgestockt. Eine Organisationsuntersuchung bei der Feuerwehr, bei der auch Vergleiche zu anderen Kommunen angestellt wurden, hat allerdings ergeben, dass Wuppertal noch mehr Personal benötigt. Ulrich Zander spricht von rund 20 Stellen, die noch ausstehen. Diese müssten allerdings noch von Verwaltungsrat und Stadtrat beschlossen werden.

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