McDonalds-Aus in Barmen: Hoffnung auf schnelle Nachfolge

Das Kino Lichtburg am Alten Markt in den 1960er Jahren. Im Jahr 1977 zogen dort sowohl das Pina-Bausch-Ensemble als auch das Schnellrestaurant McDonalds ein. Foto: Sammlung Wolfgang Nicke
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Das Kino Lichtburg am Alten Markt in den 1960er Jahren. Im Jahr 1977 zogen dort sowohl das Pina-Bausch-Ensemble als auch das Schnellrestaurant McDonalds ein. Foto: Sammlung Wolfgang Nicke

Schließung der Fastfood-Filiale in Wuppertal hat für viel Aufsehen gesorgt

Von Manuel Praest

Wuppertal Das eine oder andere Pärchen hat sich dort kennengelernt – oder sogar zum ersten „Date“ getroffen. Für viele Barmer gehörte ein Besuch dort zum Pflichtprogramm. Und auch die Tänzerinnen und Tänzer des Pina-Bausch-Tanztheaters, die oben drüber probten, sagten zu Burgern & Co. nicht Nein. Die 1977 eröffnete McDonalds-Filiale am Alten Markt in Barmen war eine Institution – dementsprechend groß war die Resonanz, als das Aus der zweitältesten Filiale des US-amerikanischen Fastfood-Riesen in Wuppertal angekündigt wurde.

Seit ein paar Tagen ist der Laden im ehemaligen Lichtburg-Kino nun geschlossen. Und die Frage bleibt: Was kommt danach?

Die Schließung tue ihm leid für den Standort, sagt Barmens Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke (CDU). Er gehe aber nicht davon aus, dass es lange bei einem Leerstand bleibt. Wenn der Lockdown vorüber sei, sehe er die Ecke als ideal für Gastronomie an. Ob es wieder Fastfood sein werde, was einige kritisieren, entscheide ja nicht die Politik. „Wer sind wir, dass wir den Leuten vorschreiben wollen, was sie essen sollen?“, fragt Lücke.

Auch Makler Michel Baumeister, der einige Gewerbeobjekte in der Barmer City und auch an der Höhne betreute, ist sicher, dass sich ein neuer Mieter finden wird. „Gastro bietet sich natürlich an.“ McDonalds war nur Pächter im ehemaligen Kino, das 2020 nach Informationen unserer Redaktion verkauft worden war. Der neue Eigentümer hat sich auf Anfrage noch nicht zur Entwicklung geäußert.

Hermann Josef-Richter, Vorsitzender von Haus & Grund Wuppertal und Umgebung, dessen Geschäftsstelle praktisch in der Nachbarschaft liegt, sieht die Schließung als „herben Verlust“. Das Aus „ist ein Minuspunkt für Wuppertal.“ Er sei mit seinen Kindern und Enkeln öfter dort gewesen. „Und es war immer voll.“ In der Optik, räumt er ein, scheint die Filiale „aber vor zehn Jahren stehengeblieben zu sein“. Er ist nicht ganz so optimistisch, was eine schnelle Neuvermietung angeht.

Auch die Pina-Bausch-Tänzer sagten nicht Nein zu Burgern

Eröffnet worden war die Filiale an der Höhne Ende 1977. Franchise-Nehmer Marcus Prünte hatte sie dann im April 2020 übernommen. Der Mietvertrag wäre 2022 ausgelaufen. Aufgrund von Corona und des Schwebebahnausfalls, der sich bekanntlich noch bis Sommer hinziehen wird, habe Prünte sich aber dazu entschlossen, vorzeitig zum Jahresende 2020 zu schließen. „Es war eine relativ kurzfristige Entscheidung.“

Doch das Konzept „Restaurant der Zukunft“, das McDonalds derzeit für seine Standorte vorsieht, sei in Barmen nicht umsetzbar gewesen. Unter anderem sei dabei geplant, dass Burger frisch zubereitet werden, Kunden flexibler ihre Beläge wählen können. Im ehemaligen Kino sei dafür aber gerade der Küchenbereich zu beengt gewesen, sagt Prünte. Man hätte enorm investieren müssen, das hätte sich an diesem Standort aber nicht mehr gelohnt. Zumal auch in den vergangenen Jahren die Umsatzzahlen zurückgegangen seien.

Prünte betreibt insgesamt 15 McDonalds-Filialen, unter anderem in Essen, Mülheim, Ratingen – und Oberbarmen. Die übernahm er ebenfalls im April 2020. Eine Schließung dort seit aber derzeit kein Thema.

Die vier weiteren McDonalds-Filialen in Wuppertal gehören Klaus-Peter Frühauf – darunter auch die älteste im Elberfelder Zentrum, die gut eineinhalb Jahre vor der Barmer eröffnet hat. Frühauf, der, bevor er selbst Betreiber wurde, bereits für McDonalds arbeitete, kann sich aber auch gut an die Anfänge in Barmen erinnern.

Auch die Anekdote, dass sich die Mitglieder des Pina-Bausch-Ensembles gerne mal mit Fastfood nach den Proben stärkten, kann er bestätigen. Die Burger „habe ich ja selbst hochgebracht“, erzählt er schmunzelnd.

Dass die Nachbarschaft offenbar prägend war, zeigt sich auch in einer Aussage von Josephine Ann Endicott, Tänzerin der ersten Stunde bei Pina Bausch, anlässlich der Eröffnung der Bausch-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle 2018: „Was hier noch fehlt, ist der Geruch von Schweiß und Hamburgern aus dem McDonalds-Restaurant unter dem Kino“, erzählte sie der Deutschen Presseagentur.

Historie

Im gleichen Jahr wie McDonalds fand 1977 auch Pina Bausch mit ihrem Ensemble im ehemaligen Kino eine neue Heimat. Nach längeren Diskussionen, wie sich Eberhard Robke, Kultur-Mäzen und ehemaliger Ratsherr in Wuppertal, 2019 in einem Beitrag zum Jubiläum „90 Jahre Wuppertal“ erinnerte. Der bisherige Probenraum im Seitenflügel des Wupppertaler Opernhauses war damals zu klein und für die Arbeitsweise von Pina Bausch schlecht geeignet. Bei der Suche nach einem neuen gerieten zwei Kinos in Langerfeld und eben Barmen ins Blickfeld. Pina Bausch habe die Lichtburg als zukünftige Probenstätte zur unabdingbaren Voraussetzung für eine Vertragsverlängerung gemacht, schrieb Eberhard Robke in seinen Erinnerungen.

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