Angehörige lehnen häufig ab

Es mangelt an Organspendern in Wuppertal

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Im Klinikverbund St. Antonius und St. Josef wurden 2019 nur zwei Organe entnommen. Angehörige lehnen immer wieder ab.

  • Es werden deutlich mehr Organe benötigt als entnommen.
  • Häufig lehnen die Angehörigen ab.
  • Selbsthilfegruppe Organtransplantierter ist entsetzt, traurig und wütend.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. In Wuppertal werden deutlich

mehr Organe benötigt als entnommen

werden. Konkrete Zahlen können die Kliniken in Wuppertal zwar nicht liefern, doch klar ist, dass viele Menschen trotz hoher Spendenbereitschaft

keinen Organspendeausweis

mit sich führen. Andere dagegen stehen dem Thema skeptisch gegenüber.

Dass viele Betroffene und Angehörige bei dem Thema Organspende Vorbehalte haben, zeigt die Statistik des Klinikverbunds St. Antonius und St. Josef. Dort gab es 2019 zwei Organentnahmen. Damit liege man zwar im Schnitt mit Vergleichskrankenhäusern. Aber Sprecherin Vanessa Kämper betont: „Generell wären mehr Entnahmen möglich gewesen, doch die Angehörigen haben dies abgelehnt. Auch in diesem Jahr hatten wir schon eine Ablehnung.“ Im Helios-Klinikum gab es im vergangenen Jahr zehn postmortale Organspenden – ebenfalls zu wenige für den Bedarf. Im Agaplesion-Bethesda Krankenhaus liegt die Zahl der Entnahmen jährlich im „niedrigen einstelligen Bereich“.

Organspenden in Deutschland nur mit ausdrücklicher Zustimmung

Organspenden bleiben in Deutschland weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Der Bundestag hatte jetzt den Vorstoß abgelehnt, dieses Prinzip umzukehren. Dann wäre jeder Mensch potenzieller Spender und müsste ausdrücklich widersprechen. Die Nachricht vom Scheitern dieser Idee schlug bei einigen Betroffenen wie eine Bombe ein. Günter Breitenberger (52) leitet die Selbsthilfegruppe Organtransplantierter Wuppertal/Mettmann. Er sagt: „Wir waren alle durch die Bank entsetzt, traurig und wütend. Gerade die Betroffenen können es nicht verstehen, dass man Wartepatienten so ein Leid antut.“ Bei aller Diskussion um die Ethik der Organspende frage er sich: „Wo bleibt die Ethik in Bezug auf die wartenden Menschen.“

Breitenberger weiß, wie sehr wartende Patienten unter der Ungewissheit leiden. In seiner Selbsthilfegruppe tauschen sich 25 bis 30 Menschen einmal im Monat über ihre Sorgen aus. Breitenberger sagt: „Wir versuchen, die Hoffnung hoch zu halten, damit die Menschen keine psychischen Probleme bekommen.“ Aus seiner Erfahrung warten die Betroffenen in der Regel vier bis sechs Monate auf ein Organ. „Das ist zu lange. Da wird es in den allermeisten Fällen kritisch“, sagt Breitenberger, der selbst ein fremdes Herz in seiner Brust schlagen hat. Er weiß, wieviel Glück er gehabt hat. In der Selbsthilfegruppe komme es immer mal wieder vor, dass die Wartephasemit dem Tod des Patienten endet.

Es muss mehr über das Thema Organspende gesprochen werden

Auch die Kliniken sehen, dass über das Thema Organspende mehr gesprochen werden muss. 2017 gab es bundesweit 797 Menschen, die nach ihrem Tod Organe gespendet haben. Das war der niedrigste Stand seit 20 Jahren. 2018 stieg die Zahl auf 955 an. Mehr als 10.000 Menschen stehen bundesweit auf der Warteliste für ein Organ. Andreas Meier-Hellmann, Helios-Geschäftsführer Medizin, sagt: „Die breite öffentliche Debatte zum Thema Organspende ist gut und richtig. Sie ist notwendig, um möglichst viele Menschen für diese Problematik zu sensibilisieren und sie auf diese Weise zu einer eigenen und mündigen Entscheidung für oder gegen eine Spende zu bewegen.“ Sprecherin Marie Weidauer sagt für Wuppertal: „Als Klinikum setzen wir uns aktiv für die Aufklärung ein und informieren Interessierte in Vorträgen und Veranstaltungen zum Thema Organspende.“

André Meiser, Regionalgeschäftsführer des Klinikverbund St. Antonius und St. Josef, äußert sich in alle Richtungen mit Verständnis: „Den gescheiterten Vorstoß zur Widerspruchsregelung akzeptieren wir aus ethischen Gründen vollkommen. Wir hoffen, dass die jetzt eingeleiteten gesetzlichen Maßnahmen die Anzahl der Organentnahmen erhöhen werden.“

Bürger sollen nach Beschluss des Bundes demnächst regelmäßig über das Thema Organspende informiert werden. Für Günter Breitenberger ist das zu wenig: „Ich respektiere es, dass Menschen nicht spenden wollen. Aber es ist jedem zuzumuten, einmal im Leben eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen.“

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