Bauen

Manche Schilder sind echte Hingucker

Das frühere Maxim am Kirchplatz – das Schild ist mittlerweile ein Denkmal. Archivfoto: Andreas Fischer
+
Das frühere Maxim am Kirchplatz – das Schild ist mittlerweile ein Denkmal. Archivfoto: Andreas Fischer

Es gibt nur wenige Einschränkungen in Wuppertal – Meist gilt Baufreiheit.

Von Katharina Rüth, Eike Rüdebusch, Martin Lindner und Manuel Praest

Wuppertal. Wie eine Stadt wirkt, gerade in den Einkaufsstraßen, hängt auch maßgeblich mit den Gebäuden zusammen, mit den Fassaden und den Schildern, die auf Geschäfte verweisen. Die Qualität der Beschilderung ist wichtig für den Eindruck. Das denkt auch Marc Walter vom Ressort Bauen und Wohnen der Stadt Wuppertal. Er sagt: „Einzelbuchstaben sind wichtig für die Qualität einer Innenstadt“ und meint eine hochwertige Beschilderung. In den meisten Fällen herrscht aber Wildwuchs.

Fassadengestaltungen und Beschilderungen sind in den wenigsten Fällen reglementiert. „Eigentlich herrscht Baufreiheit“, sagt Walter. Es brauche einen guten Grund, warum man diese Freiheit einschränke. Dennoch gibt es Einschränkungen und Regeln an verschiedenen Stellen. Die Stadt hat etwa eine Bereichssatzung an der Herzogstraße erlassen. Walter nennt die Satzung den „Prototypen für gestalterische Vorgaben“.

„Diese Neon-Schriftzüge sind schon was Schönes.“

Markus Truskawa, Untere Denkmalbehörde

Die Satzung Nummer 1160 gilt für den Bereich zwischen Kasinostraße und Grünstraße und ist von 2013. Darin ist festgelegt, wo was an Häusern angebracht werden kann und wie groß und breit Ausleger sein dürfen. In diesem Zusammenhang betont Walter auch, wie wichtig Einzelbuchstaben sind bei Fassaden-Werbeanlagen. Denn die sind darin auch festgelegt. Eine Kunststoffplatte mit gedruckter Schrift, das sei da nicht zulässig. Allerdings gilt Bestandsschutz für Gestaltungen, die vorher genehmigt wurden und angebracht worden waren. Theoretisch gelte der für immer. Das kann auch dazu führen, dass lange vergessene Läden noch beworben werden – oder irgendwann ein Schild auch zum Denkmal wird.

Für die Herzogstraße gilt eine der wenigen Bereichssatzungen in der Stadt.

Ein Hingucker der besonderen Art hängt an der Kirchstraße, mitten im Zentrum Wuppertals. Die Leuchtreklame, die an die sündige Vergangenheit des Klubs Maxim dort erinnert, ist ein bewegliches Denkmal und als solches auch unter Schutz gestellt. Das Etablissement gibt es schon lange nicht mehr – die leuchtende Tänzerin wird bleiben. Eine Besonderheit, sagt auch Markus Truskawa von der Unteren Denkmalbehörde. „Diese Neon-Schriftzüge sind schon was Schönes.“ Schön sei zwar im Denkmalbereich kein rechtlich geschützter Begriff, schmunzelt er. „Mir aber gefällt es.“ Heute befindet sich an der Stelle unter anderem das Milias Café. So anrüchig soll das Maxim auch gar nicht gewesen sein, wie viele Wuppertaler angesichts der Werbe-Dame vielleicht denken mögen. Kein Rotlicht-Betrieb, eher ein edler Nachtclub, wie eine ehemalige Mitarbeiterin sich vor einigen Jahren im Gespräch erinnerte. Die gehobene Klasse Wuppertals habe dort verkehrt, vor allem in den 60er Jahren, als sie dort arbeitete. Doch das Niveau sank über die Jahre, in den 90ern gingen die Lichter aus – zumindest im Inneren.

Auch in Cronenberg soll Stadtbild unter Denkmalschutz gestellt

Dass es Bedarf gibt an einheitlicher Gestaltung, wird etwa bei der Immobilien-Standortgemeinschaft (ISG) Poststraße/Alte Freiheit sichtbar. Denn dort soll eine einheitlichere Fassadengestaltung entstehen – im Einklang mit einem Lichtkonzept und der von der Stadt anvisierten Sanierung der Innenstadt. Auch in Cronenberg soll demnächst das Stadtbild des Ortskerns unter Denkmalschutz gestellt werden und damit auch eine Gestaltungssatzung in Kraft treten. Darin ist nicht nur geregelt, in welchen Farben Häuser verkleidet und Fensterläden gestrichen werden dürfen. Auch für „Werbeanlagen“ wird es dann Regeln geben. Ziel einer solchen Satzung ist, das historisch gewachsene Ortsbild zu sichern, „ortsfremde Gestaltungselemente“ zu vermeiden.

Nach dem aktuellen Entwurf der Satzung darf Werbung dann zum Beispiel nur zwischen der Unterkante der Erdgeschossfenster und der Unterkante der Fenster im 1. Obergeschoss angebracht werden. Dabei verwendete Buchstaben dürfen nur einfarbig und höchstens 50 Zentimeter hoch sein.

Die Regeln wurden von einem Planungsbüro mit der Stadt und dem Landschaftsverband Rheinland erarbeitet. Nach einer Offenlegung können gegebenenfalls Anregungen und Bedenken von Bürgern eingearbeitet werden, bevor die Obere Denkmalbehörde sie genehmigt. Nach der Veröffentlichung wird die Satzung rechtskräftig. Das ist für Herbst geplant.

Für die Poststraße wünscht sich die ISG Poststraße/Alte Freiheit eine einheitlichere Gestaltung.

Bereichssatzungen sind selten. Es gibt etwa welche für den Bereich Döppersberg und Rommelspütt. Für den Werth soll es im Zuge der Umgestaltung auch eine geben, sagt Marc Walter. Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG Barmen-Werth, sieht ältere Fassaden als Zeugnisse der Geschichte. So denkt er an die Fassade des ehemaligen Haushaltswarengeschäfts Gustav Drees in der Nähe der Synagoge, dessen Lettern eine „Erinnerung“ an frühere Zeiten sind und worüber Stadtführer gerne sprechen. Es gebe ebenso Skulpturen an Hauswänden, die auf altes Gewerbe hinwiesen.

Helbig erzählt, dass nun ein Prozess gestartet sei, der zum Ziel habe, ein Gestaltungshandbuch für den Werth zu erschaffen, das unter anderem die Gestaltung von Fassadenfluchten zum Thema hat: auch die Stadt und Architekten seien daran beteiligt; erst kürzlich habe der erste Workshop stattgefunden. Im Frühjahr nächsten Jahres werde mit der Umsetzung gerechnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Unfall: Radfahrer tödlich verletzt - Anzeigen gegen Gaffer
Unfall: Radfahrer tödlich verletzt - Anzeigen gegen Gaffer
Unfall: Radfahrer tödlich verletzt - Anzeigen gegen Gaffer
Balkon im 5. Obergeschoss brennt in Wuppertal
Balkon im 5. Obergeschoss brennt in Wuppertal
Balkon im 5. Obergeschoss brennt in Wuppertal
A 1: Neue Blitzer bringen schon 800.000 Euro ein
A 1: Neue Blitzer bringen schon 800.000 Euro ein
A 1: Neue Blitzer bringen schon 800.000 Euro ein
Gasflasche löste Explosion aus
Gasflasche löste Explosion aus
Gasflasche löste Explosion aus

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare