Wetteraussichten sind ordentlich

Außengastronomie im Luisenviertel: „Die Leute haben Bock drauf“

Joshua Gettmann und Frank Hölschen von der Bar Luise. Foto: Stefan Fries
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Joshua Gettmann und Frank Hölschen von der Bar Luise.

Wuppertal. Am Samstag darf in Wuppertal wahrscheinlich die Außengastronomie öffnen. Nicht alle Wirte machen direkt wieder mit.

Von Manuel Praest

Am Samstag könnte die Außengastronomie in Wuppertal wieder öffnen – vorausgesetzt der Inzidenzwert bleibt weiter unter 100. Die Wetteraussichten sind ordentlich, viele dürften dem ersten Getränk im Biergarten oder auf der Terrasse entgegenfiebern. Auch das Luisenviertel rüstet sich für den Neustart nach gut sieben Monaten Lockdown.

„Die Leute haben Bock drauf“, sagt zum Beispiel Ilkay Cetinbay vom Köhlerliesel. Die Vorfreude überwiegt auch bei den Gastronomen – doch nicht alle sind zum Start direkt wieder dabei. Zu viele Fragezeichen gebe es noch, ist zu hören. Gerade die Restaurants zögern. Der Dehoga wiederum kritisiert die Stadt, weil sie zuletzt kurzfristig ein Treffen absagte, in dem es um die Bestimmungen für die Außengastronomie gehen sollte. Der OB verspricht aber ein Entgegenkommen. Die Gebühren für die Außengastronomie wurden bereits ausgesetzt für 2021.

Und auch sonst gelten die Regelungen aus dem vergangenen Jahr, heißt es aus dem Rathaus, etwa für die vergrößerten Aufstellflächen. Kneipen, Bars und Restaurants dürfen also erneut mehr Tische, Bänke und Stühle aufstellen, als ursprünglich vorgesehen. Um dieses Thema hatte es im vergangenen Jahr einige Diskussionen gegeben. Letztendlich war es als Zugeständnis an die Gastronomen und deren schwierige Situation gesehen worden.

„Das Wochenende soll ein Wochenende der Außengastronomie werden“, verspricht Wuppertal OB Uwe Schneidewind. Viele Wirte haben schon Anträge gestellt – aber noch keine Antwort erhalten, klagen sie gegenüber dieser Zeitung. Deshalb wolle die Stadt „großzügig und flexibel“ reagieren, so Schneidewind. Er habe Vertrauen zu den Gastronomen, dass sie so aufbauen, wie es auch im vergangenen Jahr genehmigt worden war.

Mit Rücksicht auf die Anwohner im Luisenviertel, die die Neuregelung aufgrund der unter anderem dadurch verschärften Parkplatzsituation ohnehin etwas kritisch sahen, habe er seinen vergrößerten Biergarten zwischenzeitlich auch wieder abgeräumt, sagt zum Beispiel Frank Stausberg vom Beatzundkekse. Er gehe aber davon aus, dass er ihn am Samstag wieder öffnen darf – und vorher auch aufbauen kann. „Wir warten auf die Ansage der Stadt.“ Vom letzten Jahr gebe es eine mündliche Zusage, aber nichts Schriftliches. Dass die Leute Lust auf Gastro haben, kann er nur bestätigen. „Ich habe schon Reservierungen für Samstag“, erzählt er schmunzelnd, „und zwar der Art: Egal wann, Hauptsache ihr habt einen Tisch.“ Kürzlich sei jemand mit dem Fahrrad vorbeigefahren „und hat einfach nur gerufen: Ich freu mich.“

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Isabel Hausmann, Dehoga

Eine schriftliche Zusage, „das Go von der Stadt“, vermisst auch noch Ilkay Cetinbas vom Köhlerliesel – ansonsten freut er sich auf den Neustart. Auch er hat schon Reservierungen. „Die Leute warten schon seit Monaten drauf.“ Der „Köhler“-Ableger in der Düsseldorfer Altstadt hat bereits seit einer Woche wieder auf – und für Corona sei es zum Start schon voll gewesen. Ähnliches erhoffe er sich fürs Luisenviertel. „Und dass die Leute sich an die Regeln halten.“

Dass die Stadt das Gespräch in der vergangenen Woche kurzfristig absagte, ärgert Isabel Hausmann von dem Dehoga. „Man müsse noch interne Klärungen vornehmen“, habe es geheißen. „Wir können aber nicht mehr warten. Die Wirte müssen wissen, was sie aufbauen dürfen. Die haben keine Zeit mehr.“ Das Wetter werde schön. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, so Hausmann. Da dürfte die Ansage des Oberbürgermeisters natürlich auf offene Ohren stoßen.

„Totale Freude“ herrscht auch bei Frank Hölschen, Wirt der Luise Bar & Café. Samstag klappe es zwar noch nicht mit der Wiedereröffnung. „Aber wir peilen den Mittwoch vor Fronleichnam an.“ Ein Problem: Die Bierlieferanten könnten nicht so liefern wie erhofft. Zudem muss die Zapfanlage nach monatelanger Stilllegung wieder abgenommen werden. Unglücklich sei aus seiner Sicht, dass die Öffnung der Gastro nun fast zeitgleich mit der Öffnung der Schulen passiere. Gingen die Inzidenzwerte, was natürlich niemand hoffe, wieder hoch, „werden die Zahlen vermischt“. Die Gastro werde dann möglicherweise als Treiber gesehen.

Verhalten optimistisch ist Jörg Eckhardt Kuznik, Vorsitzender der IG Luisenstraße. Die Öffnung sei auf jeden Fall ein erster Schritt, „wieder mehr Freude ins Luisenviertel zu bringen“. Die Wirte seien alle bereit, „dafür Kompromisse einzugehen. Aber keiner kann allein von der Außengastronomie leben“.

Noch warten müssen die Fans des Cafe du Congo. „Zehn bis 14 Tage nach dem ersten Tag, an dem die Gastro wieder öffnen darf“, dann soll es auch bei ihm wieder losgehen, sagt Achim Brand. „Ich gucke es mir erst mal an. Ich würde es gar nicht aushalten, wenn wir wieder zumachen müssten.“ Eine Hürde sei auch aktuell, wieder ein Team zusammenzubekommen: Viele Mitarbeiter arbeiteten jetzt zum Beispiel in den vielen Testzentren. Und: Viele Gastrobetriebe suchten jetzt natürlich gleichzeitig.

Auch das Katzengold wird erst ein paar Tage später an den Start gehen. „Mindestens eine Woche. Und dann auch noch in abgespeckter Form. Es gibt einfach noch zu viele X-Faktoren und offene Fragen“, sagt Kim Vorthmann. Sein zweites Restaurant, die Lünte im Schloss Lüntenbeck, wird er vermutlich an Fronleichnam öffnen.

Michael Kozinowski von der IG Friedrich-Ebert-Straße bleibt vorsichtig – auch wenn die Zahlen zuletzt sanken. Gerade die Gastronomen, die Speisen anbieten wollen, hätten es schwer. „Was sollen die machen, wenn sie wieder zumachen müssten? Meine Bücher werden nicht schlecht, bei Essen ist das was anderes“, zeigt der Buchhändler Verständnis, wenn Gastronomen sich noch zurückhaltend zeigten.

Wie etwa Barbara Opitz vom Schimmerlos an der Friedrich-Ebert-Straße. „Wir freuen uns tierisch.“ Aufmachen wird sie aber erst Mitte Juni. „Wir wollen auch etwas abwarten.“ Kneipen hätten es vermutlich einfacher, „aber wir kaufen viele verderbliche Waren ein, mit Essen ist es schwierig, vorzuplanen“. Die Außengastronomie hänge ja sehr vom Wetter ab – zumal auch ihr noch die Zusage der Stadt für den Aufbau des Biergartens fehle.

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