Luft: Schlechte Werte werden besser

An neun Messstandorten atmen die Bürger zu viel Stickstoffdioxid. Trotzdem hofft die Stadt Wuppertal, um Fahrverbote herumzukommen.

Von Daniel Neukirchen

Das Ergebnis des aktuellen Luftmessberichts für Wuppertal ist nur auf den ersten Blick erfreulich. Die Stickstoffdioxid-Konzentration im Stadtgebiet ist zurückgegangen. An allen 24 Messstellen wurden niedrigere Werte als im Vorjahr notiert. Gemessen wird Stickstoffdioxid (NO2) in der Einheit µg/m3. Im Durchschnitt nahm die Belastung um 3 µg/m3 ab.

Der Blick aufs große Ganze verdeutlicht aber: Die Werte sind noch immer zu hoch – teils deutlich. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz hat einen Jahresmittelwert von 40 µg/m3 als Belastungs-Obergrenze für die menschliche Gesundheit definiert. 2018 gab es in Wuppertal an neun Messstandorten Überschreitungen. Das ist eine Verbesserung im Misserfolg, denn 2017 waren es mit zwölf noch drei Messstellen mehr, die bedenkliche Ergebnisse lieferten.

Negativer Spitzenreiter ist vor die Briller Straße im Norden Elberfelds. Dort lag die Belastung im Jahresdurchschnitt bei 51 µg/m³. Besonders hohe Werte lieferte auch die Station am Steinweg in Barmen. Vielleicht für manche überraschend: An der Bundesallee, nahe dem Robert-Daum-Platz in Elberfeld, ist die Luft im Vergleich am besten (24 µg/m³).

Ansgar Toennes, Ressortleiter Umwelt, glaubt, dass die aktuellen Messwerte trotz der vielen Überschreitungen eine Grundlage dafür schaffen könnten, Diesel-Fahrverbote für Wuppertal abzuwenden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) klagt aktuell auf die Einhaltung der Grenzwerte in Wuppertal. Im Februar 2020 gibt es einen Gesprächstermin mit der Umwelthilfe und der Landesregierung beim Oberverwaltungsgericht in Münster. Die Stadt spekuliert laut Toennes darauf, dass die lediglich geringe Überschreitung der Werte an der für die Klage maßgeblichen Messstelle an der Gathe, die positive Tendenz und die geplanten Maßnahmen aus dem Green-City-Plan gute Argumente dafür liefern, Wuppertal von Diesel-Fahrverbote zu verschonen.

„Wir sind guter Dinge, dass wir um Fahrverbote herumkommen“, sagt Toennes daher. Das Oberverwaltungsgericht habe sich dahingehend geäußert, dass eine Verbannung von Diesel-Fahrzeugen aus der Innenstadt bei einer Überschreitung im Zehn-Prozent-Bereich unverhältnismäßig ist.

Für Bettina Brücher (Grüne), Vorsitzende des Wuppertaler Umweltausschusses, ist die Verbesserung der Werte kein Grund zur Freude: „Wir haben noch nicht das Ziel erreicht.“ Die Bürgermeisterin befürchtet, dass es Wuppertal noch über Jahre nicht schaffen wird, unter den Grenzwerten zu bleiben. Schließlich würden auch die Maßnahmen aus dem Green-City-Plan erst mit Verzögerung Erfolge zeigen. Bei einigen Punkten des Plans scheint die Grünen-Politikerin skeptisch, ob sie überhaupt wirken. Beispielsweise die neue intelligentere Ampelschaltung. Bislang arbeiteten die Steueranlagen an den Ampelkreuzungen in der Stadt nach Festzeitprogrammen. Künftig sollen in der Stadt Ampeln auf Basis eines selbstlernenden Systems dynamisch auf sich verändernde Verkehrssituation reagieren. Staus sollen so vermieden werden, denn jedes stehende und anfahrende Fahrzeug erzeugt besonders viel Emissionen. Doch Brücher glaubt, dass es wenig bringt, den bestehenden Verkehr anders zu verwalten. Sie sagt: „Wir benötigen mehr Förderung von ÖPNV und Radverkehr.“

Feinstaubbelastung ist in Wuppertal kein Thema

Bei der Feinstaubbelastung ist Wuppertal im grünen Bereich. Das beweisen die Werte von 2018 erneut, die an der Gathe in Elberfeld und in Langerfeld gemessen wurden. Wuppertal liegt deutlich unter den Grenzwerten aus dem Bundes-Immissionsschutzgesetz – seit 2008.

KLIMA

WETTER An den Messstationen werden auch die meteorologischen Verhältnisse in Wuppertal erfasst. So konnte die Stadt feststellen, dass es an der Bundesallee im Jahr 2018 im Jahresschnitt 12,3 Grad warm war. Das ist eine Steigung von fast einem Grad im Vergleich zum Vorjahr. In fast allen Monaten war es wärmer als im Vorjahr. Den langjährigen Mittelwert erreichte man in Kältemonaten wie März und November. Es gab 97 Sommertage mit Temperaturen jenseits der 25 Grad. Das sind 54 Tage mehr als man das aus dem langjährigen Mittel (1981 bis 2010) kennt.

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