Livestream ersetzt den Besuch am Infostand

Schüler Benjamin Wendt hat den virtuellen RAM im Griff, während Moderator Horst Kläuser (r.) die Aussteller interviewt. Fotos: Michael Schütz
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Schüler Benjamin Wendt hat den virtuellen RAM im Griff, während Moderator Horst Kläuser (r.) die Aussteller interviewt. Fotos: Michael Schütz

Der Remscheider Ausbildungsmarkt wurde coronabedingt ins Internet verlegt

Von Sven Schlickowey

Remscheid Viel größer könnten die Unterschiede kaum sein. In der Aula des Berufskolleg Technik in Remscheid (BTR), wo sich an einem gewöhnlichen Wochenende des Remscheider Ausbildungsmarkts (RAM) rund 4000 Schüler bei entsprechender Lautstärke tummeln, ist es diesmal auffällig ruhig. Vor allem wenn Benjamin Wendt das Wort ergreift. „Fertig, drei, zwei, eins, los“, zählt Wendt, der am BTR sein Abi mit Schwerpunkt Informatik macht, runter – und statt Hunderter Stimmen sind nur noch die von Moderator Horst Kläuser und seinen Gesprächspartnern zu hören.

Der RAM ist ins Internet abgewandert. Und das bringt Veränderungen mit sich. Statt mit Ständen in der Aula präsentieren sich die Aussteller in diesem Jahr mit Präsentationen, kurzen Einspielern, Vorträgen und Gesprächsrunden, die über die Videoplattform Youtube gestreamt werden. Mit Benjamin Wendt als Regisseur und einigen Mitschülern als Kameraleuten und Technikern.

Und statt ins Berufskolleg Technik nahe dem Remscheider Hauptbahnhof zu kommen, sitzen die Besucher zu Hause oder in der Schule vor dem Bildschirm. Doch eines ist gleich geblieben: Es geht darum, Schüler über mögliche berufliche Werdegänge, Ausbildungen und Studiengänge zu informieren.

In Zeiten von Corona eben in diesem Format. Der Vorteil: Die Videos können noch viel länger angeschaut werden. Ein Format, das bei vielen Jugendlichen gut ankommen dürfte, vermutet Dimitri Hieronimus, Studien- und Berufswahlkoordinator am Gertrud-Bäumer-Gymnasium (GBG): „Das Format ist zeitgemäß, weil es die Schüler anspricht“, sagt Hieronimus. „Wir haben hier Schüler, die sich sehr intensiv mit Youtube beschäftigen.“ Entsprechend seien sie im Umgang damit geübt.

Der normale RAM sei eine „sehr starke Massenveranstaltung“, so der GBG-Lehrer. Da biete die Online-Variante ganz neue Möglichkeiten, sich in Ruhe mit einem Thema zu beschäftigen. Wenn man denn bereit ist, etwas Zeit zu investieren: „So was kann nur mit Eigeninitiative laufen.“ Was aber für den Präsenz-RAM in ähnlichem Maße galt. Auch dort mussten sich die Schüler vorbereiten, um die passenden Stände zu finden.

„Die Zahl ist ja nicht entscheidend, sondern was angeboten wird.“

Lehrer Dimitri Hieronimus über die Aussteller beim virtuellen RAM

Dass die Zahl der Aussteller deutlich reduziert wurde – jeder bekommt 15 Minuten Sendezeit, so dass die Zahl auf 30 begrenzt wurde, nach rund 170 Ausstellern im Vorjahr – sieht Hieronimus nicht als Nachteil: „Die Zahl ist ja nicht entscheidend, sondern was angeboten wird.“ Ein Problem sei aber die kurze Vorbereitungszeit gewesen. Das Programm des virtuellen Ausbildungsmarktes habe er erst vor wenigen Tagen erhalten. Dass nämlich Schülerinnen und Schüler sich den ganzen mehrstündigen Livestream anschauen, damit rechnen selbst die kühnsten Optimisten unter den RAM-Organisatoren nicht.

„Jede Schule und Klasse wird sich ihre Schwerpunkte herauspicken“, vermutete Mitorganisator Michael Birker vor der Veranstaltung. Und wer einen interessanten Abschnitt des Streams verpasst, kann sich die einzelnen Themen später noch einmal im Netz anschauen.

Nicht nur deswegen ist BTR-Schulleiter Oliver Lang begeistert von der technischen Umsetzung, hinter der vor allem der pensionierter Ex-Konrektor Klaus Mielke steckt. Und Benjamin Wendt mit seinen Mitschülern.

Eine wahre Technikschlacht sei das gewesen, berichtet Lang. Man habe sogar eine der beiden 50-Mbit-Internetleitungen, die in die Schule führen, komplett für den Upload der Videoübertragung reserviert. „Damit alles gut bei den Schulen ankommt.“ Beim nächsten Mal, hofft Lang, ist das aber alles nicht mehr nötig. Der RAM 2022 soll wieder wie gewohnt in der Aula des Berufskollegs stattfinden. Und dann auch gerne wieder etwas lauter sein.

RAM-Programm

Der RAM informiert Schüler über Betriebe und Berufen. Zwei Tage lang wurden Experten interviewt. Die Sendungen sind nach wie vor über Youtube abrufbar und bieten auch Solinger Schülern Infos zu Ausbildungsmöglichkeiten in der Region.

https://t1p.de/c9ss

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