„Die letzte Runde geht auf uns“

Gäste finanzieren Kneipier-Bestattung

 In der nächsten Woche wird Martin Krämer unter freiem Himmel bestattet.
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In der nächsten Woche wird Martin Krämer unter freiem Himmel bestattet.

Ronsdorfer wenden anonyme Bestattung durch solidarische Spendenaktion ab

Von Juri Lietz

Wuppertal ��Er hat das Kneipenleben in Ronsdorf geprägt, er war ein Urgestein.“ Wenn Sascha Stiefeling von Martin Krämer spricht, macht er bewusst, welchen Stellenwert der Kneipenwirt im Stadtteil hatte. Nun ist Martin Krämer gestorben. Seit Anfang der Neunziger hatte er seine Kneipe „Stoffwechsel“ an der Breiten Straße betrieben. „Er hat ein neues Konzept nach Ronsdorf gebracht, sein Motto war: ‚Das Stoffwechsel ist euer Wohnzimmer‘“. Gerne bezeichnete Krämer seine Wirtschaft als „Ort der stromlosen Kommunikation“, er legte viel Wert auf persönlichen Austausch und wurde so zu einem engen Freund vieler Gäste.

Diese enge Verbindung zu seiner Kundschaft besteht auch nach seinem Tod weiter. Da Krämer keine engen Angehörigen mehr hatte, die die Bestattungspflicht hätten wahrnehmen können, wäre er – so die übliche Handhabung – anonym beigesetzt worden. „Das hätte er nicht verdient“, fand Stiefeling, selbst langjähriger Freund des Kneipiers, und startete auf Facebook mit einigen anderen Bekannten aus der Stoffwechsel-Gemeinschaft eine Initiative für einen würdevollen Abschied in Ronsdorf, nicht anonym auf einem beliebigen Wuppertaler Friedhof.

„Ich war lange nicht sicher, ob überhaupt genug Geld zusammenkommt.“ Trotzdem ging die Initiative online. Verbunden mit dem Wunsch, die Jahre mit Krämer im Stoffwechsel Revue passieren zu lassen, wurde zum Spenden aufgerufen. Via Internet oder per Sammeldose konnte zu der Bestattung beigetragen werden. Die Initiatoren der Aktion erinnerten an Krämer und beschworen: „Die letzte Runde geht auf uns.“

Nur zwei Tage, nachdem die Aktion gestartet wurde, waren so bereits 3000 Euro gesammelt worden. Über 160 Personen haben sich beteiligt und sorgten dafür, dass eine persönliche Beisetzung möglich ist. Martin Krämer wird in der nächsten Woche in Ronsdorf bestattet. Die Trauerfeier findet unter freiem Himmel statt, sodass es bis zu 100 Wegbegleitern trotz Corona möglich sein wird, Abschied zu nehmen.

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