Leichlingen: Riskantes Spiel mit neuem Supermarkt

Baudezernentin Barbara Hammerschmidt konnte den Bauausschuss nicht überzeugen, beim neuen Supermarkt im Westen maßzuhalten. Marktforscher werten ihn als ergänzendes Handelsangebot: Oberste Prioriät habe die Innenstadt. Fotos: Archiv

TROMPETE Mit ihrem Votum zur Größe des  Vollsortimenters  setzt sich Politik gegen Marktforscher und Verwaltung durch.

Von Kathrin Schüller

Leichlingen. „Warum entscheiden Sie nicht direkt selbst und fragen erst Experten?“ machte Baudezernentin Barbara Hammerschmidt ihrem Ärger Luft. Anlass war die hitzige Debatte im Bauausschuss, an deren Ende sich das Gremium mehrheitlich für eine Größe von maximal 1800 m² aussprach und damit am Montagabend den Weg für einen Supermarkt an der Trompete frei machte (ST berichtete).

Damit setzten sich die Politiker gegen die eigens eingeholte Standort-Expertise und die Empfehlung der Verwaltung durch. Sie hatte höchstens 1500 m² empfohlen. Nicht nur die Baudezernentin kommentierte das Votum kopfschüttelnd, auch Planerin Helge Mehrtens und Bürgermeister Ernst Müller warnten davor, zu hoch zu pokern. Der Regierungspräsident habe ein genaues Auge darauf. „Wenn Köln das einkassiert, sind Sie schuld“, teilte SPD-Chef Hans Gonska in Richtung CDU, FDP, UWG und BWL aus, die sich allerdings auf ihrem Weg nicht mehr aufhalten ließen. Auch der SPD-Wunsch, die Entscheidung kurzfristig – bis zur Ratssitzung am 29. September – aufzuschieben, um noch einmal mit dem Investor über die Größe zu verhandeln, wurde nicht erfüllt. Waldemar Becker von der UWG betonte, dass jemand, der über 15  Millionen Euro in die Hand nimmt, doch wisse, was er tut. Die Liberalen drängten: Täglich gehe im Westen der Stadt Kaufkraft nach Reusrath und Solingen verloren. Allen Einwänden zum Trotz sind sich die Befürworter sicher, dass „der Markt es richten wird“. Was von den Zuhörern mit Applaus, von Müller mit einem „Dann richten Sie es hin!“ quittiert wurde.

Bei aller Einigkeit darüber, dass die Nahversorgung westlich der Bahn dringend verbessert werden muss und dass sich Trompete auch wegen der guten Lage an den Einfallstraßen als Standort gut eignet, befürchten Skeptiker und die Gesellschaft für Markt und Absatzforschung, dass der Innenstadt-Handel deutlich spüren würde, wenn der Supermarkt zu groß geriete. Müller befürchtet zudem, dass „Edeka und Rewe auf dem Rücken der Stadt ihren Kampf um Marktanteile austragen“.

Stadtpark: Neuer Investor im Boot – Kompromisse dringend gesucht

Der Rewe-Vollsortimenter soll, so die Planung, im neuen Stadtpark gebaut werden. Inzwischen, bestätigte der Verwaltungschef seinen Eindruck, habe sich aber einer der beiden Projektentwickler (Recona) zurückgezogen. Der Protest der Bürgerinitiative und die jahrelange Debatte seien nicht als Willkommensgruß empfunden worden. Bei den letzten Gesprächen, Anfang September, sei ein neuer „namhafter“ Investor ins Spiel gebracht worden. Erneut müsse nun die Rentabilität geprüft werden. Investoren stünden nicht Schlange, ermahnte Müller die Politiker. Fazit: Es wird sicher nicht ohne Kompromisse gehen, was Nutzung, Geld und Flächen für den Handel angeht.

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